Elektromobilität Schäuble prüft Kaufanreize für E-Autos

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Bei der Produktion von Elektroautos sind die Deutschen Spitze, beim Absatz nur Mittelmaß. Sonderabschreibungen auf elektrische Dienstwagen sollen den Verkauf ankurbeln.

Diese Elektroautos gibt es zu kaufen
Smart fortwo electric drive Quelle: Daimler
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
BMW i3BMW ist mit dem i3 einen mutigen Schritt gegangen: Die Münchner haben nicht nur ein futuristisches Design gewagt, sondern auch gleich eine Kohlefaser-Karosserie in Serie gebracht. Alle anderen Elektroautos auf dem Markt basieren auf mehr oder weniger mutig gezeichneten Stahl- und/oder Alu-Karosserien. Deutlich über 2000 i3 sind bereits auf deutschen Straßen unterwegs. Dabei fällt er stärker auf als andere Elektroautos, denn sein extrovertiertes Design polarisiert. Minuspunkt: Beim Laden ist der Elektro-BMW nicht der allerschnellste, da er nicht mit den dafür nötigen Schnelllade-Standard unterstützt. In der Preisliste steht der i3 ab 34.950 Euro. Leistung: 170 PS Akku: 18,8 kWh Reichweite: 190 km Quelle: BMW
Nissan Leaf Quelle: Nissan
Volkswagen e-Golf Quelle: Volkswagen
Renault Zoë Quelle: Renault
Mitsubishi EV/Peugeot iOn/Citroën C-Zero Quelle: Mitsubishi

Die Bilanz der Elektromobilität in Deutschland ist mau. Von Januar bis April dieses Jahres wurden zwar rund 6200 neue Elektroautos zugelassen. Das entspricht immerhin einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Doch Holländer, Briten und Norweger haben im gleichen Zeitraum deutlich mehr Stromer gekauft. Auch China fährt davon. Elektromobilität gilt dort als attraktiv, auch weil die dortigen Regierungen den Kauf subventioneren.

Die Bundesregierung plant nun ähnliche Schritte, voraussichtlich noch in dieser Legislaturperiode. „Wir prüfen derzeit Sonderabschreibungen für E-Autos in Dienstflotten“, sagt ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf Anfrage der WirtschaftsWoche. „Voraussetzung für eine Förderung ist insbesondere, dass sich die Länder an der Finanzierung beteiligen.“

Umstrittene Förderung für Elektroautos

Die Bundesregierung will so ihr selbst gestecktes Ziel, dass bis 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sind, noch erreichen. Ohne staatliche Subventionierung, so viel ist klar, ist die ehrgeizige Vorgabe nicht zu schaffen. Eigentlich ging die Regierung Ende 2014 von 100.000 verkauften Elektrofahrzeugen aus. Tatsächlich waren es etwa ein Viertel.

Bundesregierung will Gebrauchtwagenmarkt schaffen

Vor allem über die Dienstwagenflotten will die Politik die Elektromobilität anschieben. Ein Modell, das Schäuble derzeit durchrechnet, sieht eine Sonderabschreibung von 50 Prozent des Verkaufspreises im ersten Jahr vor. Dadurch könnten die Unternehmen ihre Gewinne drücken und Steuern sparen. Die hohen Anschaffungspreise für Elektrofahrzeuge werden so künstlich gedrückt. Der Restwert wird dann in den Folgejahren abgeschrieben.

Was Elektroautos als Gebrauchtwagen kosten
Genau genommen ist der Renault Twizy kein Elektroauto, in der Zulassungsstatistik läuft er als Quad. Dennoch kann er als preisgünstiger Einstieg in die Elektro-Welt herhalten. Dabei zeigt sich der kleine Elektroflitzer erstaunlich wertstabil: Neu ist er ab 7.000 Euro zu haben, die Gebraucht-Preise liegen in einem Ranking des Vergleichportals AutoUncle.de bei 6.850 Euro. Dafür gibt es einen Twizy des Jahrgangs 2012, der im Schnitt bereits 9.500 Kilometer gefahren ist. Für das Ranking haben die Gebrauchtwagen-Experten die Internet-Inserate von 1.589 in Deutschland zum Verkauf angeboteten Elektroautos untersucht. Einzige Voraussetzung neben dem Elektro-Antrieb: Von jedem Modell mussten mindestens 20 Inserate vorliegen, um Exoten auszuschließen. Leistung: bis zu 18 PS Akku: 6,1 kWh Reichweite: 100 km (NEFZ) Quelle: dpa
Eine weitere Erkenntnis der Studie: Elektroautos sind am häufigsten weiß lackiert – über die Hälfte der aktuell zum Verkauf stehenden Elektroautos sind in neutralem Weiß gehalten. Wie auch dieser Citroën C-Zero. Das Trio Mitsubishi EV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero läuft baugleich in Japan vom Band. Als Gebrauchtwagen unterscheiden Sie sich aber deutlich: Von 11.995 Euro für den C-Zero (7.226 Kilometer) über 13.945 Euro für den iOn mit 14.722 Kilometern bis zum Mitsubishi für glatte 16.000 Euro (17.578 Kilometer) ist die Bandbreite groß. Wer nicht an eine Marke gebunden ist, kann hier einige tausend Euro sparen. Leistung: 67 PS Akku: 16 kWh Reichweite: 150 km Quelle: dpa
Trotz der Limousinen-Form taugt der Fluence kaum als Familienauto, der Kofferraum ist zum Großteil mit Akkus gefüllt. Deshalb hat sich der Fluence auch nie so recht durchgesetzt – entsprechend sehen die Gebrauchtwagenpreise aus. Statt des Neupreises von 25.950 Euro wird ein Fluence des Jahrgangs 2012 mit 9.850 Kilometern für gerade einmal 14.980 Euro gehandelt. Übrigens: Nur sechs Prozent der Elektroauto-Angebote kommen von Privatverkäufer, der Großteil von Händlern. Leistung: 95 PSAkku: 22 kWhReichweite: 185 km Quelle: Renault
Renault Kangoo Z.E. Maxi
Neu kostet ein Smart Fortwo electric drive 18.910 Euro – mindestens, denn die Aufpreisliste ist lang. Gebraucht kostet ein Elektro-Smart des Jahrgangs 2014 nicht viel weniger: AutoUncle listet den kleinen Zweisitzer mit 17.990 Euro bei 4.565 Kilometern Laufleistung. Da der Wagen fast neuwertig ist, liegen auch die Preise noch fast auf Neuwagen-Niveau. Die Gebrauchten dürften aber etwas besser ausgestattet sein als ein
Beim Renault Zoë gibt es zwei Dinge zu beachten: Er kann nicht an einer Haushaltssteckdose geladen werden, eine Wallbox ist Pflicht. Hat man aber eine Ladesäule gefunden, gehört der Zoë zu den Schnellladern. Verglichen mit anderen Elektroautos ist sein Wertverlust auch relativ groß: Statt zum Neupreis von 21.700 Euro werden gebrauchte 2014er-Modelle mit 5.900 Kilometern für 19.028 Euro gehandelt. Aber Vorsicht: Beim Zoë fallen monatliche Zusatzkosten für die Batterie an. Leistung: 120 PSAkku: 22 kWhReichweite: 210 km Quelle: Renault
Größer ist die Differenz zwischen Neuwagen- und Angebotspreis beim VW e-Up. Mit durchschnittlich 4.696 Euro haben die angebotenen e-Ups eine ähnliche Laufleistung wie der Smart, sind aber aus dem Jahr 2013. Mit 21.950 Euro im Internet unterbietet der Elektro-VW den Neuwagenpreis von 26.900 Euro deutlich. Leistung: 82 PSAkku: 18,7 kWhReichweite: 160 km Quelle: Volkswagen

Die Bundesregierung könnte damit vor allem einen Gebrauchtwagenmarkt schaffen, den es bislang nicht gibt. Die Unternehmen scheuen bislang vor Elektrofahrzeugen in Dienstwagenflotten, weil sie nicht wissen, für wie viel Euro sie die Wagen nach ein paar Jahren wieder verkaufen können. Steuerliche Anreize könnten diesen Makel beheben.

Ohne die Bundesländer geht das aber nicht. Sie müssten einen Teil der Mindereinnahmen, der durch die Sonderabschreibung entsteht, übernehmen, heißt es im Finanzministerium. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet vor, dass der reale Steuerausfall im ersten Jahr bei rund 30 Millionen Euro liegen würde. Ab dem zweiten Jahr wären die Steuermindereinnahmen bei rund 200 Millionen Euro. Später würden die Einnahmen aber wegen der geringeren Abschreibungsraten wieder steigen. Langfristig seien deshalb Sonderabschreibungen steueraufkommensneutral, so Wissmann.

Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

Die Bundesländer wollen sich noch in den kommenden Wochen entscheiden, in welcher Form sie Kaufanreizen zustimmen werden. Niedersachsen hat eine Gesetzesinitiative ins Spiel gebracht, die eine Kaufprämie für alle vorsieht. Hessen hingegen bevorzugt wie Schäuble sie steuerliche Förderung. Eine gemeinsame Bundesratsinitiative wird es wohl im Juli geben.

In Arbeit
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Auf der in der kommenden Woche stattfindenden Nationalen Konferenz Elektromobilität in Berlin, auf der Minister, Konzernchefs und die Bundeskanzlerin über den aktuellen Stand diskutieren werden, wird es noch keine Entscheidung geben. Dort wird es dann heißen: Deutsche Autohersteller gehören bei der Elektromobilität neben den USA zu den weltweit führenden Anbietern. Der deutsche Absatzmarkt hingegen kommt nicht in Fahrt.

Dann wird sicher eifrig über Norwegen diskutiert: Dort ist bereits jeder vierte Autokauf – bislang staatlich gefördert – ein Elektroauto.

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