Endlager für Atommüll Gorleben wird ein bisschen stillgelegt

Der seit über drei Jahrzehnten umkämpfte Salzstock in Gorleben wird weitgehend geschlossen. Auf der Suche nach einem Endlager für Atommüll sollen damit vor allem die Gegner überzeugt werden.

Diese Länder setzen (noch) auf Atomenergie
Hokkaido Electric Power's Tomari nuclear power station at Tomari village in Japan's northern island of Hokkaido. Quelle: dpa
Kuehlturm von Block 2 (r.) und die Reaktoren Block 2 (l.) und Block 1 (M.) des Kernkraftwerk Isar Quelle: dapd
Mitglieder der Aktion "Bern ohne Atomkraftwerk" fahren am Dienstag, 2. August 2005, vor dem Bundeshaus in Bern, Schweiz, mit einem fiktiven Atommuelltransporter auf Quelle: AP
Arbeiter gehen am 15.04.2008 an der Baustelle des größte Atomkraftwerk der Welt in Olkiluoto/Finnland vorbei Quelle: dpa
Kernkraftwerk Sellafield in Nordwestengland Quelle: dapd
Aljona Kirssanowa, die bei einer früheren Wahl zur "Miss Atom" das Motto «Atomkraft macht sexy» auf die Spitze trieb. D Quelle: dpa
Warsaw's skyline is reflected in the icy Vistula river as sun sets Quelle: dapd

Deutschland sucht ein Endlager. Bis es eins hat, in das der stark verstrahlte Müll aus den Kraftwerken des Atomzeitalters tatsächlich gebracht werden kann, werden wohl weitere drei Jahrzehnte vergehen. Die Expertenkommission, die die Suche nach einem Lager organisieren und dabei alle Interessen sowie die Geologie unter einen Hut bringen soll, hat eben erst ihre Arbeit begonnen.

Heute nahmen Politiker einen weiteren Schritt auf dem langen Weg: Das Erkundungsbergwerk Gorleben in der niedersächsischen Provinz wird geschlossen - nicht aber zugeschüttet. Der Salzstock im Wendland war bisher als einziger Ort in Deutschland genau untersucht worden, ob er womöglich für mehrere zehntausend Jahre sicher für stark verstrahlten Müll ist.

Was denn nun? Ein bisschen stilllegen? Die Entscheidung zu Gorleben zeigt, wie umständlich Demokratie sein kann. Gerade wenn Atomkraftbefürworter und -gegner sich über Jahrzehnte unerbittlich gegenüberstanden und bei dem Thema so wenig Vertrauen übrig ist. Gorleben wird geschlossen – diese Botschaft geht an die Kämpfer gegen ein Atomklo im Wendland, dessen Ort in der Siebzigerjahren ursprünglich nicht nur aus geologischen Gründen ausgesucht worden war, sondern weil es tief im deutsch-deutschen Hinterland lag.

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Gorleben wird nicht zugeschüttet (und kann also wieder geöffnet werden) – diese Botschaft geht an Wissenschaftler und den größten Teil der Bevölkerung im Lande. Maßstab für die neue Suche nach einem Endlager soll und muss sein, dass der mutmaßlich sicherste und am besten geeignete Ort unter Tage den Atommüll aufnehmen soll. Dazu darf nicht ein Ort von vornherein ausgeschlossen werden, der durchaus in Frage kommt.

Wir werden noch einige mühsame Entscheidungen erleben, die nur in Trippelschritten einer Lösung näherbringen. Es wird dauern. Demokratie ist nunmal die beste aller schlechten Regierungsformen und sie ist teuer - aber das sollte sie uns auch wert sein.

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