Endlager-Kommission Deutschland sucht ein Endlager

Nach mehr als 35 Jahren erbitterter Kämpfe nehmen Politiker und Experten einen neuen Anlauf, um die verstrahlten Reste der Atomkraft unter die Erde zu bringen. Doch die erste Sitzung der Endlager-Kommission zeigt: Das Misstrauen sitzt tief.

Diese Länder setzen (noch) auf Atomenergie
Hokkaido Electric Power's Tomari nuclear power station at Tomari village in Japan's northern island of Hokkaido. Quelle: dpa
Kuehlturm von Block 2 (r.) und die Reaktoren Block 2 (l.) und Block 1 (M.) des Kernkraftwerk Isar Quelle: dapd
Mitglieder der Aktion "Bern ohne Atomkraftwerk" fahren am Dienstag, 2. August 2005, vor dem Bundeshaus in Bern, Schweiz, mit einem fiktiven Atommuelltransporter auf Quelle: AP
Arbeiter gehen am 15.04.2008 an der Baustelle des größte Atomkraftwerk der Welt in Olkiluoto/Finnland vorbei Quelle: dpa
Kernkraftwerk Sellafield in Nordwestengland Quelle: dapd
Aljona Kirssanowa, die bei einer früheren Wahl zur "Miss Atom" das Motto «Atomkraft macht sexy» auf die Spitze trieb. D Quelle: dpa
Warsaw's skyline is reflected in the icy Vistula river as sun sets Quelle: dapd
Menschen aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland halten am 21.11.2011 in Frankfurt am Main ihre jeweiligen Landesfahnen vor der großen Euro-Skulptur Quelle: dpa
A small boat floats by the nuclear plant at Fessenheim Quelle: AP
Ein Fischer legt vor dem Atomkraftwerk Barsebäck bei Malmö seine Reusen aus Quelle: dpa
controversial Temelin nuclear power plant in Temelin, south Bohemia, Czech Republic Quelle: AP
US President Barack Obama blickt auf einen Computer Quelle: dpa
a woman walks past a mural depicting portraits of former South African President Nelson Mandela in Soweto, South Africa Quelle: dapd
The 'Floating Dutchman' floats through a canal in Amsterdam Quelle: dpa
Das iranische Atomkraftwerk Buschehr Quelle: dpa
Canadian soldiers fold the Canadian flag Quelle: REUTERS
Mexico's outgoing president, Felipe Calderon, left, gives a Mexican flag to president-elect Enrique Pena Nieto during the official transfer of command ceremony at the National Palace in Mexico City, Quelle: dapd

Die Gegner beschnuppern sich über stollentiefe Gräben hinweg – das war der Zweck der ersten Sitzung der Endlager-Kommission heute im Bundestag. Alles soll wieder auf Anfang stehen, unvoreingenommen sollen 32 Mitglieder, Wissenschaftler, Verbandsvertreter und Politiker nach einem Endlager suchen, in dem die Hinterlassenschaften deutscher Atomkraftwerke auf zehntausende Jahre hin sicher verstaut werden können.

Mehr als eine Generation beinharter Auseinandersetzung um den ehemaligen Salzstock Gorleben hat Deutschland schon erlebt. Energiekonzerne und verschiedene Politiker forcierten den Ausbau des Bergwerks. Atomgegner unterstellten, die dünn besiedelte Region am ehemaligen Zonenrand müsse nur dafür herhalten, weil anderswo noch mehr Widerstand drohte.

Nun sind die Gegner von gestern in der Kommission manchmal sogar Sitznachbarn, ohne sich schon nahe zu kommen. Ralf Güldner, Chef des Deutschen Atomforums, sitzt nahe bei den beiden Vertretern der Umweltverbände, die erst überhaupt niemanden hierher schicken wollten. Auf der anderen Seite umrahmt ihn der Kieler Energieminister Robert Habeck von den Grünen. Der ehemalige Atomkraft-Manager Bruno Thomauske sitzt nicht weit von Michael Sailer, Geschäftsführer des Öko-Institutes.

Bitte zuhören
Da sind die Worte der Kommissionsvorsitzenden Ursula Heinen-Esser (CDU) nicht übertrieben, die wirbt: „Wir brauchen hier ein Grundvertrauen. Wir müssen auch bereit sein, einander zuzuhören.“ Sie selbst war angefeindet worden, weil sie Staatssekretärin im Bundesumweltministerium war, auch als längere Laufzeiten für Atomkraftwerke beschlossen wurden. Jetzt hat sie einen Ko-Vorsitzenden, den SPD-Umweltpolitiker und Gorleben-Gegner Michael Müller.

Die Kommission soll bis 2016 zum Beispiel festlegen, ob für ein Endlager sowohl Salz- und Ton- als auch Granitgestein in Betracht kommt. Besonders in Norddeutschland gibt es viele solcher Gesteinsschichten. „Über kein untersuchungswürdiges Gestein verfügen nur das Saarland, Rheinland-Pfalz und Berlin“, heißt es in einer Greenpeace-Studie. Bundespräsident Norbert Lammert (CDU) forderte von den Kommissionsmitgliedern, möglichst zügig zu arbeiten und sich auf Kompromisse einzulassen. „Wenn es bei diesem Thema einen breiten gesellschaftlichen Konsens gäbe, hätten wir diese Kommission nicht gebraucht“, sagte er.

In Arbeit
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Eine erste Hand über die Gräben hinweg streckte die Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl aus. Die erklärte Kernkraftgegnerin und scharfe Kritikerin der Atomindustrie zeigte gegenüber unversöhnlichen Umweltaktivisten klare Kante. Diese unterstellen, dass es am Ende einer Suche immer wieder auf Gorleben hinauslaufe, weil dort schon mehr als anderthalb Milliarden Euro zur Erkundung ausgegeben worden sind.

Wissenschaftler verweisen darauf, dass Gorleben neben anderen als Lagerstätte geologisch zumindest geeignet sein könnte. Kotting-Uhl machte sich also bei den eigenen Anhängern nicht unbedingt beliebt, als sie sagte: „Ich bin der Meinung, dass Gorleben nicht vorab politisch ausgeschlossen werden darf.“

Der Beginn einer sehr mühsamen Arbeit - um die Bundestagspräsident Lammert die Kommission ausdrücklich nicht beneidete.

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