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Energie "Energiewende wird scheitern"

Ohne Not gibt Deutschland eine wirtschaftliche und sichere Energieversorgung auf und steigt um auf ein teures wie instabiles Konzept. Für den Industriestandort birgt das fatale Risiken, findet Gastautor Werner Ressing.

Statt gut und günstig jetzt teuer und instabil? Quelle: dpa

Die Energiewende ist möglich, theoretisch. Praktisch aber wird sie an zwei Kleinigkeiten scheitern: an den Strompreisen und an der Netzstabilität.

Niemand kann gegen erneuerbare Energien sein. Aber die Kernfragen lauten: Wie binden wir die Erneuerbaren ein? Wie sichern wir die Netzstabilität? Wie bleibt Strom bezahlbar, wenn wir bereits zwei Jahre nach dem Start der Energiewende über eine Strompreisbremse diskutieren?

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

Weil sich Strom nicht ohne Weiteres speichern lässt, wurde er - physikalisch richtig - immer analog zur Nachfrage produziert. Wirft die Hausfrau die Waschmaschine und der Schreiner die Hobelmaschine an, wird auch der Strom dafür erzeugt. Der schwankenden Nachfrage entsprechen die elektrizitätswirtschaftlichen Betriebsweisen der Grund-, Mittel- und Spitzenlast. Mit der Energiewende geht Deutschland zu einer angebotsorientierten Stromversorgung über. Strom wird erzeugt, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Die Waschmaschine wird um 3 Uhr nachts gestartet – das nennen wir dann Smart Grid.

Werner Ressing, 65, war 15 Jahre lang in der Industrieabteilung und zuvor 23 Jahre in der Energieabteilung des BMWi tätig. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Privat

Bisher hat die Politik die Frage nicht beantwortet, warum wir ohne Not eine noch halbwegs wirtschaftliche, aber gesicherte Stromversorgung verlassen und auf eine unwirtschaftliche und vor allem unsichere Stromversorgung umsteigen. Man schaue mal in die Energieprogramme der Achtziger- und Neunzigerjahre hinsichtlich der Aussagen zur Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Umweltfreundlichkeit der Stromversorgung! Eine Energiewende nach heutigem Muster wäre schlicht wegen fehlender Wirtschaftlichkeit bereits im Ansatz verworfen worden. Der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit ist auch heute bei jeder betriebswirtschaftlichen Rechnung gültig – nur nicht bei der Energiewende. Christoph Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), benennt ebenfalls das Manko der fehlenden Rentabilität und nennt mögliche Nachahmer als einzigen vertretbaren Grund zugunsten der Energiewende. Doch diese gibt es nicht! Wer aus der Kernenergie aussteigt, sollte so ehrlich sein und auf den preiswertesten heimischen Energieträger, die Braunkohle, setzen, um die Grundlastlücke zu schließen. Erinnern wir uns: Die Laufzeitverlängerung, die kein Jahr hielt, war genau diesem Argument geschuldet! Doch auf zusätzliche Braunkohle verzichten wir, um CO2 einzusparen – global betrachtet in homöopathischen Dosen. Die Beispiele Moorburg und Datteln zeigen, dass man in Deutschland ohnehin kein neues Kohlekraftwerk mehr gegen die Proteste der NGOs durchsetzen kann. Die Nimby-Haltung (Not in my backyard) behindert auch den notwendigen Netz- und Speicherausbau.

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