WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Energie Unter der Großen Koalition steigt der Strompreis weiter

Schwarz-Rot will die Investitionen in Windparks drosseln. Was die künftige Regierungskoalition zur Energiewende zudem vorhat – und was die Pläne für Verbraucher und die Wirtschaft bedeuten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Windräder vor dem Abendhimmel Quelle: dpa

Wind

Sonne war gestern, Wind ist heute. Schon im vergangenen Jahr hatte die schwarz-gelbe Koalition die Förderung für Strom aus der Sonne gedeckelt. Projektentwickler, die mit Anlagen für Strom aus Erneuerbaren Geld verdienen wollen, bauen nun verstärkt Windparks. Doch auch diese Investitionen will Schwarz-Rot jetzt drosseln.

Geht es nach dem Entwurf der Koalitionsarbeitsgruppe Energie unter Leitung von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), soll Strom aus Windmühlen auf Land und See zwar weiter vorrangig vor der Produktion aus herkömmlichen Kraftwerken ins Netz eingespeist werden. Auch wird nicht verlangt, dass die Produzenten sich Marktbedingungen annähern. Wie viel Förderung eine neue Anlage bekommt, soll aber künftig vom Standort abhängen – und wann ein Windpark tatsächlich gebaut wird.

Konstanter Aufwind. Erzeugungskapazität der Windkraft

Rotoren an Land in besonders windreichen Gegenden sollen künftig weniger Subventionen bekommen. Anlagen sollen insgesamt nur noch an "guten" Standorten gebaut werden. Über die Jahre soll die Förderung gedrosselt werden, wenn bestimmte Ausbauziele erreicht sind. Die Länder sollen selbst festlegen, wie weit die riesenhaften Mühlen von Siedlungen entfernt stehen müssen.

"Unterm strich ineffizient"

Das würde bedeuten, dass in südlichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg weniger Mühlen gebaut werden als geplant. Das kritisierte bereits Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. Der Grünen-Minister hält dagegen, dann müssten mehr Stromleitungen von Norden in die Industriezentren im Süden gebaut werden. "Das ist unterm Strich ineffizient."

Deutlich geschrumpft sind die Ziele für Windparks in Nord- und Ostsee. 2020 sollen dort nicht mehr 10 000, sondern nur noch 6500 Megawatt Leistung erreicht werden. Bis 2030 sind nur noch 15 000 statt 25 000 Megawatt geplant. Die Koalition sieht die kostspielige Stromerzeugung auf hoher See inzwischen viel skeptischer als zu Beginn der Energiewende. Der Netzbetreiber Tennet, der für die Anbindung der Wasser-Windparks zuständig ist, warnte schon, die geplanten Seekabel könnten nun überdimensioniert und teils überflüssig sein. Tennet-Chef Lex Hartman warnt vor "Leerstandskosten im hohen dreistelligen Millionenbereich": Das könne die Bürger über die Umlagen auf den Strompreis teuer zu stehen kommen.

Chronik der Energiewende

Sechs bis sieben Gigawatt sind realistisch

Ein schon im Mai übergebener Projektbericht für den Netzbetreiber Tennet kam allerdings zu dem Ergebnis, dass bisher überhaupt nur Windparks mit einer Leistung von 2900 Megawatt über eine Finanzierung verfügen. Weiter hieß es dort, dass selbst bis 2023 nur mit 3700 bis maximal 5900 Megawatt an installierter Leistung in der Nordsee zu rechnen sei. Sechs bis sieben Gigawatt Offshore-Kapazität seien daher "realistisch", sagt ein Sprecher der Windenergie-Agentur. Zwar habe sich die Branche ein "ambitionierteres politisches Ziel" gewünscht. Wichtiger sei aber, dass die künftige Bundesregierung für eine sichere Investitionsgrundlage sorge – etwa durch eine entsprechende Einspeisevergütung. Und das ist immer noch unklar. Siemens, Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und Hersteller von gigantischen Konverterplattformen für die Stromübertragung von See aufs Land, verweist eindringlich auf die Bedeutung der Offshore-Windkraft für das Gelingen der Energiewende. "Wenn bis 2050 in Deutschland der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von heute 23 auf 80 Prozent erhöht werden soll, dann ist dieses Ziel ohne den Einsatz von Offshore-Wind weder kosteneffizient noch energiewirtschaftlich tragfähig zu erreichen", sagt ein Sprecher des Technologiekonzerns aus München.

Die Aktien von Windkraftbauern brachen an der Börse nach Bekanntwerden der geplanten Änderungen ein. Doch Andreas Nauen, Chef des Turbinenbauers Repower, reagiert fast ein wenig trotzig: "Willkommen in der Realität! Realistische Ausbauzahlen begrüßen wir." Repower mit weltweit 3000 Mitarbeitern ist ein Tochterunternehmen des indischen Windenergiekonzerns Suzlon und zählt mit einem Umsatz von gut einer Milliarde Euro weltweit zu den führenden Herstellern von Windturbinen für den Einsatz auf dem Meer.

Förderung der Solarkraft nur begrenzt

Solar

Sie sind zum Symbol der explodierenden Energiewendekosten geworden: die Solarzellen, die zigtausendfach auf Dächern und Äckern glänzen. Die hohen Einspeisevergütungen und die flächendeckende Verbreitung drücken den Strompreis an der Börse und ließen die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) in die Höhe schnellen.

Erzeugungskapazität Solarkraft

Bei der jüngsten Änderung des EEG hatte die schwarz-gelbe Regierungskoalition die Förderung der Sonnenkraft bereits zeitlich begrenzt: Wenn eine Leistung von 52 Gigawatt installiert ist, soll Schluss sein mit der Stütze. Auch hatte sie die Vergütungen etwas schneller gesenkt als zuvor. Die Änderungen haben ihre erwünschte Wirkung nicht verfehlt. Zwar liegt der Zubau der Solar-Panele immer noch über dem von der Regierung vorgesehenen Ausbaupfad, doch weitere Kürzungen will nun auch die künftige Koalition nicht mehr vornehmen. Die neue Regelung "hat sich bewährt und wird beibehalten".

Energieverbrauch/ Netze

Bisher war es für die vielen Einspeiser so bequem wie günstig: Scheint die Sonne, können sie den Strom zu hohen Tarifen abliefern oder selbst verbrauchen. Und wird es bedeckt oder dunkel, dann zapfen sie ihren Restbedarf aus dem Netz. Der Clou dabei: Von der EEG-Umlage sind die Eigenverbraucher gänzlich befreit, an den Kosten, mit denen das öffentliche Stromnetz aufrechterhalten wird, beteiligen sie sich nur in den wenigen Stunden des Strombezugs. Galt das früher als gewünschte Hilfe, um die Erneuerbaren attraktiv zu machen, läuft das in der Politik nun als "Entsolidarisierung", seit beispielsweise Supermärkte ihre Flachdächer mit Solarzellen verspiegeln oder Industriebetriebe Windanlagen aufs Firmengelände stellen.

"Schwarzbrenner" beschimpfte E.On-Chef Johannes Teyssen unlängst die Betreiber solcher Anlagen. Denn gerade beim Stromnetz sind "die überwiegenden Kosten Fixkosten, nicht variable Kosten", sagte Ingo Luge, Chef des Stromproduzenten E.On Deutschland. Nun gehe es darum, dass "derjenige, der Eigenerzeugung hat und das Netz braucht, auch Netzentgelt zahlt". Doch auch Luge ist überrascht, was sich da in der Koalition abzeichnet. Von den Verhandlern hat er aufgefangen, dass vor allem die industriellen Anlagen in Kraft-Wärme-Kopplung, die Dampferzeugung für den Fertigungsprozess nebenbei zur Stromproduktion nutzen, zur Kasse gebeten werden sollten. Es dürfe aber nicht sein, dass "Hunderttausende Kleinanlagen, die in der Summe ebenfalls einen substanziellen Beitrag leisten, als Ausnahme gesehen werden". Denn schließlich sei doch Kraft-Wärme-Kopplung auch ein Ziel der Energiewende. Für Luge zumindest gilt: "Wer als Kleinverbraucher ins Netz einspeist, das Netz weiter braucht, der muss an den Infrastrukturkosten beteiligt werden."

Was für den Privatbetreiber kaum ins Gewicht fiele, wäre für die stromfressende Industrie schmerzlich. "Die Betroffenheit liegt im einstelligen Millionenbereich und würde zu einer weiteren Verschlechterung der Wettbewerbssituation führen", heißt es beim Chemieunternehmen Lanxess in Köln.

Wie das EEG funktioniert

Energieintensive Unternehmen

Die Sorgen der deutschen Industrie sind umso größer, je schwammiger die Formulierungen im Koalitionsvertrag ausfallen werden. Bisher halten sich die Partner noch bedeckt, wie genau sie die Befreiung der energieintensiven Betriebe von der EEG-Umlage "erhalten und zukunftsfähig weiterentwickeln" wollen. Umso lauter der Aufschrei all jener Branchen, die im internationalen Wettbewerb stehen und bisher von der EEG-Umlage befreit sind. Klar ist: Nicht alle werden im bisherigen Umfang verschont bleiben, schon mit Rücksicht auf die Europäische Kommission, die in der teilweisen Befreiung eine unzulässige Beihilfe wittert.

Zur Schadensbegrenzung haben die Koalitionäre deshalb formuliert, man werde die Befreiungen "vorrangig anhand objektiver, europarechtskonformer Kriterien" überprüfen.

Klar ist nur: Die "Schienenbahnen", hinter denen sich die kommunalen Straßenbahnen verbergen, kommen ausdrücklich im Text vor. Sie stehen ganz offensichtlich nicht im internationalen Wettbewerb – und sollen nun "in angemessener Weise an den Kosten beteiligt werden".

Konventionelle Kraftwerke lohnen nicht mehr

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

Kapazitätsmärkte

Wenn Rolf Martin Schmitz an den Börsenstrompreis von 3,5 Cent je Kilowattstunde denkt, beginnt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von RWE zu stöhnen. "Bei uns verdienen bei dem Preis 30 Prozent der Kraftwerke nicht nur kein Geld, ich habe sogar mehr variable Kosten, als ich einnehme." Weitere 40 Prozent erwirtschaften ihre Kapitalkosten nicht, nur 30 Prozent laufen halbwegs rund. "Wenn sich das nicht kurzfristig ändert, wird so viel Kapazität aus dem Markt rausgehen, dass wir die Versorgungssicherheit nicht mehr werden darstellen können." Als Drohung will er das nicht einmal verstehen, mit einem Blackout habe das "nichts zu tun, man kann das Zeug ja auch woanders kaufen". Nur von RWE käme der Strom dann halt nicht.

Weil ihre konventionellen Kraftwerke dank des Erneuerbaren-Booms immer seltener laufen müssen, rechnen sich die großen Anlagen nicht mehr. Ein sogenannter Kapazitätsmarkt soll die Bereithaltung der Meiler für Notzeiten honorieren, damit stets genug Reservekapazität vorhanden ist.

Erzeugungskapazität Kohlekraft

Doch wie das genau geschehen soll, das sagt auch die Koalitionsvereinbarung nicht. Zudem streiten Union und SPD noch darüber, wie verbindlich und wie schnell ein solches Vergütungssystem stehen soll: garantiert bis 2015 (CDU/CSU) oder "mittelfristig" (SPD). Klar ist aber ein Trend bei beiden: Statt auf neue, effiziente Kraftwerke zu setzen, plädieren sie wie die Stadtwerke und Großerzeuger dafür, lieber alte Anlagen für die immer selteneren Aushilfsstunden zu nutzen. Moderne Großanlagen, die nur 800 Stunden im Jahr anspringen, würden Milliardenwerte vernichten.

Effizienz

Nach Lesart der Energiewende ist der beste Strom jener, der gar nicht benötigt wird und deshalb auch nicht erzeugt werden muss. Bisher spielten für die Regierung Effizienz und Energiesparen eine geringe Rolle. Das soll sich ändern. Bis 2020 soll wie bisher der Stromverbrauch um zehn Prozent gesenkt werden. Neu ist, dass dazu nicht nur Strom gespart werden soll, sondern es sollen auch konkrete Schritte zum Sparen von Heiz- und Kühlenergie folgen.

Effizienz wird so zur zweiten Säule der Energiewende. Geplant ist für 2014 ein Nationaler Aktionsplan Energieeffizienz. Die KfW Bankengruppe soll als staatseigene Förderbank mehr Umbauten zum Strom- und Energiesparen mit günstigen Krediten unterstützen. Gebäude sollen saniert, Verkehr sparsamer gestaltet werden. Wer Gebäude saniert, um künftig Energie zu sparen, soll das auch steuerlich absetzen können. Dafür soll für fünf Jahre jährlich eine Milliarde Euro eingeplant werden.

Außerdem soll die Beratung für Private und Unternehmen ausgebaut werden, damit diese Energiefresser ausfindig machen und ersetzen können. Geringverdiener dürften mehr finanzielle Unterstützung bekommen, um Stromfresser im Haushalt durch sparsamere Kühlschränke, Leuchtmittel oder Waschmaschinen zu ersetzen.

Änderungen greifen erst spät

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa

Strompreis

Die künftigen Koalitionäre beschwören, dass ihnen beim Umbau der Energieversorgung drei Ziele gleich wichtig sind: Die Energie soll klima- und umweltverträglich sein, die Versorgung gesichert und alles bezahlbar bleiben. Doch beim dritten Ziel in diesem energiepolitischen Dreieck kommen Zweifel auf. Zwar soll das EEG, das die Förderung der neuen Energieträger regelt, bis Ostern 2014 und damit sehr zügig verabschiedet werden. Doch selbst wenn das zügige Tempo zu halten wäre: In Kraft treten die Änderungen frühestens zum 1. Januar 2015, und erst im Jahr darauf wirken sie sich auf die Höhe der EEG-Umlage aus. Bis dahin könnte der Ökoobulus bereits auf sieben Cent im nächsten und acht Cent im übernächsten Jahr gestiegen sein. Denn bis dahin geht der Zubau weiter, genehmigte und beauftragte Anlagen unterliegen ebenso wie längst laufende dem Vertrauensschutz.

Unklar ist zudem, wie der Kostenanstieg wirksam begrenzt werden soll. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte bereits, der größte Teil der Preissteigerungen gehe auf den gesunkenen Preis an der Strombörse sowie auf die Teilbefreiung der Industrie von den Umlagen zurück. Da würden die skizzierten Schritte zunächst wenig ausrichten.

Deutschland



Privatverbraucher, Gewerbetreibende und Industriebetriebe, die nicht als energieintensiv gelten, zahlen die Förderung von Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse durch die EEG-Umlage. 2013 betragen die Kosten dafür 20 Milliarden Euro, 2014 dürften es knapp 24 Milliarden werden.

Strittig ist auch noch das wichtige Ziel des Anteils erneuerbarer Energien am Strommix bis 2030: Die Union peilt 50 bis 55 Prozent an, die SPD verlangt 75 Prozent. An diesem Wert richten sich letztlich die Investitionen für neue Windparks und andere Anlagen aus.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%