Energie Unter der Großen Koalition steigt der Strompreis weiter

Schwarz-Rot will die Investitionen in Windparks drosseln. Was die künftige Regierungskoalition zur Energiewende zudem vorhat – und was die Pläne für Verbraucher und die Wirtschaft bedeuten.

Windräder vor dem Abendhimmel Quelle: dpa

Wind

Sonne war gestern, Wind ist heute. Schon im vergangenen Jahr hatte die schwarz-gelbe Koalition die Förderung für Strom aus der Sonne gedeckelt. Projektentwickler, die mit Anlagen für Strom aus Erneuerbaren Geld verdienen wollen, bauen nun verstärkt Windparks. Doch auch diese Investitionen will Schwarz-Rot jetzt drosseln.

Geht es nach dem Entwurf der Koalitionsarbeitsgruppe Energie unter Leitung von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), soll Strom aus Windmühlen auf Land und See zwar weiter vorrangig vor der Produktion aus herkömmlichen Kraftwerken ins Netz eingespeist werden. Auch wird nicht verlangt, dass die Produzenten sich Marktbedingungen annähern. Wie viel Förderung eine neue Anlage bekommt, soll aber künftig vom Standort abhängen – und wann ein Windpark tatsächlich gebaut wird.

Konstanter Aufwind. Erzeugungskapazität der Windkraft

Rotoren an Land in besonders windreichen Gegenden sollen künftig weniger Subventionen bekommen. Anlagen sollen insgesamt nur noch an "guten" Standorten gebaut werden. Über die Jahre soll die Förderung gedrosselt werden, wenn bestimmte Ausbauziele erreicht sind. Die Länder sollen selbst festlegen, wie weit die riesenhaften Mühlen von Siedlungen entfernt stehen müssen.

"Unterm strich ineffizient"

Das würde bedeuten, dass in südlichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg weniger Mühlen gebaut werden als geplant. Das kritisierte bereits Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. Der Grünen-Minister hält dagegen, dann müssten mehr Stromleitungen von Norden in die Industriezentren im Süden gebaut werden. "Das ist unterm Strich ineffizient."

Deutlich geschrumpft sind die Ziele für Windparks in Nord- und Ostsee. 2020 sollen dort nicht mehr 10 000, sondern nur noch 6500 Megawatt Leistung erreicht werden. Bis 2030 sind nur noch 15 000 statt 25 000 Megawatt geplant. Die Koalition sieht die kostspielige Stromerzeugung auf hoher See inzwischen viel skeptischer als zu Beginn der Energiewende. Der Netzbetreiber Tennet, der für die Anbindung der Wasser-Windparks zuständig ist, warnte schon, die geplanten Seekabel könnten nun überdimensioniert und teils überflüssig sein. Tennet-Chef Lex Hartman warnt vor "Leerstandskosten im hohen dreistelligen Millionenbereich": Das könne die Bürger über die Umlagen auf den Strompreis teuer zu stehen kommen.

Chronik der Energiewende

Sechs bis sieben Gigawatt sind realistisch

Ein schon im Mai übergebener Projektbericht für den Netzbetreiber Tennet kam allerdings zu dem Ergebnis, dass bisher überhaupt nur Windparks mit einer Leistung von 2900 Megawatt über eine Finanzierung verfügen. Weiter hieß es dort, dass selbst bis 2023 nur mit 3700 bis maximal 5900 Megawatt an installierter Leistung in der Nordsee zu rechnen sei. Sechs bis sieben Gigawatt Offshore-Kapazität seien daher "realistisch", sagt ein Sprecher der Windenergie-Agentur. Zwar habe sich die Branche ein "ambitionierteres politisches Ziel" gewünscht. Wichtiger sei aber, dass die künftige Bundesregierung für eine sichere Investitionsgrundlage sorge – etwa durch eine entsprechende Einspeisevergütung. Und das ist immer noch unklar. Siemens, Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und Hersteller von gigantischen Konverterplattformen für die Stromübertragung von See aufs Land, verweist eindringlich auf die Bedeutung der Offshore-Windkraft für das Gelingen der Energiewende. "Wenn bis 2050 in Deutschland der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von heute 23 auf 80 Prozent erhöht werden soll, dann ist dieses Ziel ohne den Einsatz von Offshore-Wind weder kosteneffizient noch energiewirtschaftlich tragfähig zu erreichen", sagt ein Sprecher des Technologiekonzerns aus München.

Die Aktien von Windkraftbauern brachen an der Börse nach Bekanntwerden der geplanten Änderungen ein. Doch Andreas Nauen, Chef des Turbinenbauers Repower, reagiert fast ein wenig trotzig: "Willkommen in der Realität! Realistische Ausbauzahlen begrüßen wir." Repower mit weltweit 3000 Mitarbeitern ist ein Tochterunternehmen des indischen Windenergiekonzerns Suzlon und zählt mit einem Umsatz von gut einer Milliarde Euro weltweit zu den führenden Herstellern von Windturbinen für den Einsatz auf dem Meer.

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