Energiewende Baden-Württemberg führt beim grünen Umbau

Exklusiv

Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern treiben die Energiewende am erfolgreichsten voran.

Winfried Kretschmann und eine Solaranlage Quelle: dpa

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Marktforschungsinstituts trend:research exklusiv für die WirtschaftsWoche. Dabei liegen – mit Baden-Württemberg (58 von 100 möglichen Punkte) auf dem ersten und Bayern (55 Punkte) auf dem dritten Platz – ausgerechnet zwei Länder im Ranking vorn, die lange auf Kernenergie gesetzt haben und auch heute noch den meisten Atomstrom in Deutschland produzieren. Dennoch haben sie bereits die größten Fortschritte beim grünen Umbau erzielt. Nur Mecklenburg-Vorpommern kann sich mit 57 Punkten auf Rang zwei schieben.

Die 20 wichtigsten Antworten zur Energiewende
Woher kommt in zehn Jahren unser Strom?Fest steht bisher vor allem, welche Energie im Jahr 2022 nicht mehr zur Verfügung steht: die Atomenergie. Die Meiler werden bis dahin abgeschaltet und danach demontiert. Erneuerbare Energien sollen bis 2022 für mindestens 35 Prozent des Stroms sorgen, der aus unseren Steckdosen kommt: Solarstrom, Windenergie, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft müssen dafür ausgebaut werden. Im vergangenen Jahr steuerten sie erst 20 Prozent bei. Damit verändert sich nicht nur die Zusammensetzung des Stroms, sondern auch die Landschaft der Energieerzeuger: In zehn Jahren werden nicht mehr Großkraftwerke die meiste Energie erzeugen, sondern Hunderttausende Landwirte, Gewerbetreibende oder Privatleute – unter anderem mit Windrädern, Solardächern und Keller-Kraftwerken. Komplett grün wird die Energie aber nicht: Ohne Gas und Kohle geht es auch im Jahr 2022 nicht. Sie werden dann 48 Prozent statt heute 58 Prozent des Strombedarfs erzeugen. Quelle: dpa
Energiekonzerne News: Aktuelle Meldungen rund um die Energiewende Quelle: dpa
Welche Energieversorger profitieren von grünem Strom?Vor allem die vielen Stadtwerke hoffen darauf, dass sie den großen vier Versorgern Marktanteile abjagen können. Zurzeit liegt ihr Anteil an der Stromerzeugung bei etwa zehn Prozent – in den nächsten Jahren wollen sie ihn verdoppeln. Um das zu erreichen, wollen sie in erneuerbare Energien und in neue fossile Kraftwerke investieren. Quelle: dpa
Und wer zahlt für all das?Am Ende immer die Verbraucher – und zwar vor allem die Privatkunden. Der Ausbau der regenerativen Energien wird über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) finanziert. Die meisten Stromanbieter führen derzeit je Kilowattstunde Strom rund 3,6 Cent Ökoaufschlag ab. Dieses Geld fließt an die Betreiber von Windrädern, Wasserkraftwerken, Photovoltaikanlagen, Biomasse- oder Geothermiekraftwerken. Ein durchschnittlicher Privathaushalt, der im Jahr 3500 Kilowattstunden Strom verbraucht, zahlt auf diese Art 126 Euro jährlich für die grüne Energie. Für die Industrie gelten Ausnahmen. Sie verbraucht zwar gut die Hälfte des Stroms in Deutschland, schultert aber weniger als die Hälfte der EEG-Kosten. Kosten entstehen nicht nur für den Bau von Windrädern & Co. Auch die Stromnetze müssen ausgebaut werden. Das finanzieren Privatverbraucher und Konzerne über die staatlich regulierten Netzentgelte. Das erhöht den Preis für die Kilowattstunde Strom um 5,75 Cent. Hier steuern Privatkunden ebenfalls mehr bei als die Industrie Quelle: dpa
Was machen die Betreiber mit den alten Atommeilern?Fest steht bisher vor allem, welche Energie im Jahr 2022 nicht mehr zur Verfügung steht: die Atomenergie. Die Meiler werden bis dahin abgeschaltet und danach demontiert. Erneuerbare Energien sollen bis 2022 für mindestens 35 Prozent des Stroms sorgen, der aus unseren Steckdosen kommt: Solarstrom, Windenergie, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft müssen dafür ausgebaut werden. Im vergangenen Jahr steuerten sie erst 20 Prozent bei. Damit verändert sich nicht nur die Zusammensetzung des Stroms, sondern auch die Landschaft der Energieerzeuger: In zehn Jahren werden nicht mehr Großkraftwerke die meiste Energie erzeugen, sondern Hunderttausende Landwirte, Gewerbetreibende oder Privatleute – unter anderem mit Windrädern, Solardächern und Keller-Kraftwerken. Komplett grün wird die Energie aber nicht: Ohne Gas und Kohle geht es auch im Jahr 2022 nicht. Sie werden dann 48 Prozent statt heute 58 Prozent des Strombedarfs erzeugen. Quelle: dapd
Ist die Energiewende unumkehrbar?Aufschiebbar ist sie vielleicht, umkehrbar aber nicht mehr. Eon klagt zwar gegen den Ausstieg, RWE wird folgen, und Vattenfall plant, ein internationales Schiedsgericht anzurufen. Damit wollen die Großen aber nicht die Entscheidung kippen. Auch sie wissen, dass das Thema Atom hierzulande gesellschaftlich erledigt ist. Ihnen geht es um Schadensersatz. Theoretisch könnte jede Bundesregierung den Abschaltbefehl zurücknehmen. Noch laufen neun Kernkraftwerke, deren Laufzeit verlängert werden könnte. Wenn der Ausbau der grünen Energie nicht schnell gelingt, ist eine weitere Fristverlängerung denkbar. Quelle: dapd
Kann ein Land sich komplett mit Ökostrom versorgen?Wind- und Solaranlagen haben einen großen Nachteil: Die Ausbeute hängt von der Witterung ab. Bläst der Wind und scheint die Sonne, können die Windräder und Solardächer schon heute einen Großteil des deutschen Strombedarfs decken. Bei Flaute, Sturm oder starker Bewölkung sinkt ihr Ertrag aber unmittelbar. Mittags, wenn die Sonne scheint, erzeugen Solaranlagen schon fast zu viel Strom, abends wird es dagegen, vor allem im Winter, eher eng. Bei der Windkraft ist das im Prinzip ähnlich. Alle deutschen Windkraftanlagen zusammen können maximal 28000 Megawatt liefern. Am 4. Februar 2011 zum Beispiel wehte der Wind, und tatsächlich wurden an diesem Tag fast 23000 Megawatt erreicht. Das entspricht dann der Leistung von 20 bis 25 großen Kraftwerken. Am 5. Juli herrschte hingegen Flaute, und der gesamte deutsche Windkraftpark lieferte nur noch etwa 90 Megawatt elektrische Leistung. Das reicht nicht einmal für eine Großstadt. Solche Schwankungen sind nicht nur schlecht für die Verbraucher, die rund um die Uhr Strom haben wollen, sondern auch für die Netzbetreiber: Deren Leitungen funktionieren nur bei stabiler Spannung im Netz. Quelle: Reuters

Zwar setzt der Bund wesentliche Rahmenbedingungen für die Energiewende. Tatsächlich aber sind es die Fortschritte auf Länderebene, so das Urteil der Fachleute von trend:research aus Bremen, die am Ende über das Gelingen des Projektes entscheiden. Daher haben die Energieexperten elf Schlüsselgrößen analysiert: dazu gehören der Zuwachs an Ökostrom, die Fortschritte beim Stromnetzausbau, die Energieeffizienz sowie der Aufbau eines modernen, CO2-armen fossilen Kraftwerksparks, die die erneuerbaren Energien ergänzen.

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Laut Untersuchung liegen Schwaben und Badener beim Netzausbau im Plan, führen bei der Wärmedämmung von Gebäuden und setzen Energie höchst effizient ein. Mecklenburger und Vorpommern wiederum treiben die Ökostromerzeugung am intensivsten voran und haben von allen Flächenstaaten die modernsten Kraftwerke. Die Bayern sind nicht nur mit ihren Plänen für moderne Gaskraftwerke führend. Nirgendwo sonst auch nutzen die Menschen so viele Pellet-Heizungen, Kellerkraftwerke und Wärmepumpen.

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Punktuell herausragend sind auch andere Länder: So hat Schleswig-Holstein (Platz 9/45 Punkte) die stärkste Erneuerbare-Energien-Branche. Bremen (Platz 12/44 Punkte), Brandenburg (Platz 6/47 Punkte) und Sachsen (Platz 15/39 Punkte) investieren intensiv in die Forschung; Thüringen (Platz 14/43 Punkte) hat das attraktivste Angebot an Studiengängen. Nordrhein-Westfalen (Platz 6/47 Punkte) und Thüringen stellen als erste Länder Kataster für mögliche Standorte von Speicherkraftwerken zusammen. Und Hamburg (Platz 6 / 47 Punkt) plant mit dem Energiekonzern Vattenfall den Bau eines höchst innovativen Gas- und Dampfkraftwerks.

Den größten Nachholbedarf hat das Saarland (Platz 16/36 Punkte): Ein überalterter fossiler Kraftwerkspark, kaum grüne Energien und der verschwenderische Umgang mit Volt und Watt bringen dem Bundesland den letzten Platz ein.

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