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Energiewende Bundesamt kommt bei Genehmigung von Offshore-Windparks nicht hinterher

Papierstau beim Bundesamt für Seeschifffahrt: Noch fast 100 Offshore-Projekte stehen zur Genehmigung aus. Beeilen braucht sich die Behörde dennoch nicht - der Windausbau hakt ohnehin an den fehlenden Netzen.

Hoffnungsträger im Meer: Offhore-Windkrafträder. Quelle: dapd

Sie ist der große Hoffnungsträger unter den erneuerbaren Energie: Die Offshore-Windkraft. Doch bisher steht mit Alpha Ventus nur ein einziger funktionsfähiger Windpark in deutschen Meeren.

Dabei gibt es große Pläne: 100 Anträge für Windparks und in Nord- und Ostsee warten derzeit beim zuständigen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auf Bearbeitung, teilte die Präsidentin Monika Breuch-Moritz am Dienstag in Hamburg mit. 126 Genehmigungsverfahren für Offshore-Windparks laufen bereits, davon seien 29 genehmigt; gebaut werde mittlerweile an acht Windparks. „Beim Ausbau der Windenergie brauchen wir einen langen Atem“, sagte Breuch-Moritz.

Einige Unternehmen haben bereits das Abenteuer Offshore auf Eis gelegt, wie etwa der Energieversorger EnBW. Das Unternehmen hatte für sein Projekt "Hohe See" in der Nordsee 1,5 Milliarden Euro eingeplant. Der Grund für den Aufschub seien sei die noch ausstehende Reform des Energiewirtschaftsgesetzes und die damit verbundene Unsicherheit über Termine für die Netzanbindung der Windräder, teilte EnBW damals mit.

Inzwischen ist die Reform zwar auf den Weg gebracht, umgesetzt sind die Gesetze jedoch noch nicht und der Energieversorger wartet auch weiterhin auf einen Termin für die Netzanbindung.

Erst heute hatte auch der österreichische Baukonzern Strabag den Ausbau seiner Aktivitäten im Bereich Windparks auf hoher See bis auf Weiteres gestoppt. „Es sprechen derzeit noch zu viele Gründe dagegen - von der unklaren rechtlichen Situation und unklaren Zukunft der Energiepolitik am deutschen Markt bis hin zur fehlenden Speichertechnologie für Strom aus erneuerbaren Quellen und zur fehlenden Transportmöglichkeit der Energie vom Erzeuger zum Verbraucher“, begründete Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner am Dienstag die Entscheidung.

Dabei habe Deutschland mit dieser Energieform eine große Chance. „Wenn die Anlagen erst einmal stehen, dann brauchen sie keine Rohstoffe und verursachen keinen Abfall“, sagte BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz. Das sei der Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung. Das BSH erforsche am Rande des Offshore-Windparks Alpha Ventus die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Umwelt und die Kräfte, die auf solche Anlagen wirken. Die Ergebnisse würden in den weiteren Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Erste Ergebnisse weisen zum Beispiel darauf hin, dass Fische den Bereich von Offshore-Windparks gern aufsuchen. Sie ziehen auch Schweinswale und bestimmte Vogelarten nach sich, die das vermehrte Nahrungsangebot nutzen. Andere Vögel hingegen meiden die Offshore-Windparks.


Ein Windpark kostet eine Milliarde und mehr

Die deutschen Anlagen unterscheiden sich von den bisher gebauten Windparks in anderen Ländern, weil sie in weitaus größerem Abstand von der Küste in tieferem Wasser stehen und deshalb andere Auswirkungen auf die Umwelt haben. Das ist noch nicht ausreichend erforscht. Der schleppende Ausbau der Offshore-Windenergie leidet jedoch nicht an einem Genehmigungsstau. Es liegen genug genehmigte Projekte vor, die zunächst abgearbeitet werden könnten. Ein Windpark kostet typischerweise eine Milliarde Euro und mehr, je nach Lage und Größe.

Der Investitionsstau liegt an fehlenden Netzanbindungen. Der Ausbau der Netze verzögert sich. Der Plan für die Zielkorridore für die Anbindung der Offshore-Kraftwerke ist fast fertig und soll nach letzten Abstimmungen im Februar offiziell bekanntgegeben werden.

Das BSH mit Sitz in Hamburg und Rostock ist eine Bundesbehörde im Bereich des Verkehrsministeriums und bearbeitet mit 850 Mitarbeitern eine Vielzahl von Themen aus dem maritimen Bereich. Ein Schwerpunkt ist die Sicherheit der Navigation. Das BSH unterstützt hier den neuen internationalen Standard ECDIS, das elektronische Kartendarstellungs- und Informationssystem. Alle verfügbaren Informationen - von Wetterdaten über Schifffahrtswege und Seezeichen bis zu Positions- und Schiffsangaben - werden hier in einem System zusammengeführt. „Moderne Schiffsbrücken sind hoch automatisierte Mensch-Maschinen-Systeme geworden“, sagte Breuch-Moritz. Die vollständig digitale Navigation setze sich mehr und mehr durch. Das diene sowohl der Sicherheit wie dem Umweltschutz, weil der Treibstoffverbrauch sich so reduziere.

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