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Energiewende So drücken sich Unternehmen vor der Ökostromumlage

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Die Investitionen zeigen Wirkung

Als Vorreiter der Eigenversorgung in der Lebensmittelindustrie gilt allerdings der Handelsmarkenproduzent Stute in Paderborn, der Säfte und Konfitüre für Handelsunternehmen wie Aldi herstellt. Das Familienunternehmen hat in den vergangenen Jahren fast 15 Millionen Euro investiert: 9,5 Millionen Euro flossen in mehrere Fotovoltaikanlagen, die sich am Firmensitz auf Dächern und Freiflächen mittlerweile auf 95.000 Quadratmetern erstrecken. 4,5 Millionen Euro steckte Stute in drei Windräder, die pro Jahr 7,2 Millionen Kilowattstunden liefern. Den Energiemix komplettiert eine Biogasanlage, die mit Abfällen aus der Fruchtverarbeitung arbeitet.

Die Investitionen in die Autarkie zeigen Wirkung. Stute liegt bei der Eigenversorgung mit Strom schon bei rund 50-Prozent. Und das zu günstigen Tarifen. Weil keine Abgaben für den selbst produzierten und verbrauchten Strom anfallen, rechnet Stute mit Stromkosten von weniger als fünf Cent pro Kilowattstunde - fast so wenig, als würde sich das Unternehmen jeden Tag preiswert auf dem Spotmarkt an der Leipziger Strombörse bedienen.

Drohende Besteuerung

Doch die Energiewende wäre nicht die Energiewende, wenn nicht auch die Eigenversorgung mit Strom und die dezentrale Erzeugung nicht irgendeinen Haken hätten – oder nicht irgendwann einmal einen verpasst bekämen.

So gibt es im Bundesfinanzministerium in Berlin inzwischen eine informelle Arbeitsgruppe, die überlegt, wie nach der Wahl die wegfallenden Steuern durch die dezentrale Energieversorgung wieder hereinkommen könnten. Denn weder Versorger noch die Stadtwerke steigen groß in das lukrative Geschäft ein. Nach Meinung von NEK-Miteigentümer fehlt ihnen dazu die Kundennähe und Dienstleistungsorientierung. "Die eingesessene Führungsschicht in den Stadtwerken hat keinen Draht zu dezentralen Einzellösungen", sagt er.

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Damit droht den Eigenversorgern Gefahr von der politischen Lobby der 900 deutschen Stadtwerke mitsamt der Großversorger. Denn diese setzen nach Informationen von Brancheninsidern auf eine Besteuerung der dezentralen Energieerzeugung, um die störende Konkurrenz zu bremsen. Ein Einfalltor könnte der Umstand sein, dass auch Fabriken mit eigener Stromerzeugung "zur Aufrechterhaltung der Spannung" nach wie vor das öffentlich zugängliche Netz und dessen Versorgungssicherheit benötigten, meint der frischgebackene Contracting-Unternehmer und Ex-EnBW-Chef Villis.

RWI-Energieexperte Frondel bringt es auf den bitteren Punkt: "Es wird über kurz oder lang so kommen, dass der selbst produzierte Strom besteuert wird wie selbst gebrannter Schnaps."

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