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Energiewende Die Mär vom Braunkohleausstieg

Die Jamaika-Sondierer streiten, wie schnell Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden sollen. Dabei steht die Braunkohle vor einem weltweiten Boom. Für das Klima sind das schlechte Nachrichten.

Braunkohle boomt global betrachtet noch immer. Quelle: ZB

Deutschland drückt aufs Tempo beim Ausstieg aus der Braunkohle. Zwar streiten Union, FDP und Grüne bei ihren Sondierungsgesprächen derzeit über den genauen Fahrplan. Doch dass das Ende der Braunkohleenergie in Deutschland eingeläutet ist, daran zweifelt keiner. Die Frage ist nur, wie schnell der Ausstieg erfolgen wird. Die Grünen wollen bis spätestens 2030 das letzte Kraftwerk abgeschaltet haben. Vertreter der Braunkohlebranche wollen den Ausstieg bis weit nach 2050 verzögern.

Welche Auswirkungen der Klimawandel jetzt schon hat
Geht die Erwärmung der Erde ungebremst weiter, werden extreme Unwetter mit schweren Stürmen und Überschwemmungen häufiger auftreten, warnen Klimaforscher Quelle: dpa
Auf Klimaveränderungen reagieren Tiere, Pflanzen und Menschen empfindlich. Quelle: dpa
Pollen: Menschen, die ein Leben lang beschwerdefrei waren, bekommen vermehrt Allergien. Quelle: AP
Die Erderwärmung lässt Gletscher und das Eis der Pole schmelzen Quelle: dpa
Die Meereisdecken an den Polen waren im März so klein wie nie in einem solchen Monat seit Beginn der Messungen 1981. Quelle: dpa
Das weltgrößte Korallenriff, das Great Barrier Reef, vor Australien ist nach Expertenmeinung massiv vom Klimawandel betroffen. Quelle: REUTERS
Wegen der wärmeren Wassertemperaturen siedeln sich zum Beispiel in der Nordsee mittlerweile Sardinen, Anchovis und Pazifische Austern an. Quelle: dpa

Doch was kaum ein interessierter Beobachter weiß: Deutschland versteht sich zwar als Vorbild in Sachen Klimaschutz und die deutsche Energiewende ist weltweit ein Begriff. Doch global betrachtet folgen dem hiesigen Beispiel nur wenige. International könnte die Stromproduktion aus der Verheizung von Braunkohle sogar bald kräftig ansteigen.

Das geht aus einem Projekt der deutschen Nichtregierungsorganisation Urgewald hervor, das auf der Klimakonferenz in Bonn vorgestellt wird: Ihre Datenbank „Global Coal Exit List“ umfasst alle weltweit tätigen Kohleunternehmen und zeigt deren Ausbaupläne und Lieferketten. Zwei Jahre haben die Urgewald-Mitarbeiter Daten aus Geschäftsberichten und von lokalen NGOs dafür ausgewertet. Die Verknüpfung der Daten fördert überraschende Ergebnisse zur Kohlebranche zutage.

Darum geht es beim Weltklimagipfel in Bonn

So zeigen die Daten, wie die globale Kohleförderung zunimmt. So planen laut der Datenbank rund 400 Unternehmen weltweit den Ausbau ihrer Kohleaktivitäten: 282 Unternehmen planen demnach den Ausbau von Kohlekraftwerken. 225 Unternehmen wollen neue Minen zur Kohleförderung erschließen.

Die geplanten Ausbaumengen sind in der Datenbank auch nach Ländern gelistet. Neben China, Vietnam und Pakistan finden sich in der Datenbank auch überraschende Länder weit vorne gereiht. So sollen etwa in Ägypten, in dem bisher so gut wie keine Kohleförderung stattfindet, die Ausbaupläne bis zu 17.000 Megawatt umfassen. Das entspräche der Stromproduktion von 17 Atomkraftwerken. Auch in Marokko ist laut der Datenbank eine immense Kohleförderung geplant.

Neben den Zahlen enthüllt die Datenbank auch die sprachlichen Tricks der Kohlebranche. So zeigt sich, dass zahlreiche Kohleunternehmen rund um den Globus für ihre Namensgebung auf Euphemismen zurückgreifen. So finden sich in der Datenbank die Unternehmensnamen "Sunflower", "China Africa Sunlight Energy" oder "Silver Unicorn Trading".

Für die deutsche Braunkohleindustrie gilt dies indes nicht. Zwar gehört Deutschland zu den Ländern mit den weltweit größten Braunkohlereserven. Mehr als 36 Milliarden Tonnen liegen noch unter der Erde. Nur Russland und Australien könnten mehr Braunkohle in wirtschaftlich vertretbarem Maße fördern. Theoretisch würden die deutschen Reserven 200 Jahre lang reichen. Doch umweltpolitisch hat Braunkohle ausgesorgt. Kaum ein Brennstoff stößt mehr Kohlendioxid aus. Nur Holz und Torf belasten die Umwelt bei jeder produzierten Kilowattstunde Strom noch stärker.

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