Energiewende In Bayern droht der Blackout

In keinem Bundesland ist die Stromversorgung so unsicher wie in Bayern. Experten warnen vor einem Blackout.

Das bittere Fazit aus einem Jahr Energiewende
Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG im brandenburgischen Jänschwalde (Spree-Neiße) Quelle: dpa
Freileitungen verlaufen in der Nähe eines Umspannwerkes bei Schwerin über Felder Quelle: dpa
Die Flagge Österreichs weht auf einem Hausdach Quelle: dpa
Ein Strommast steht neben Windkraftanlagen Quelle: AP
Windräder des Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee Quelle: dpa
Eine Photovoltaikanlage der Solartechnikfirma SMA Quelle: dpa
Euroscheine stecken in einem Stromverteile Quelle: dpa

Erleichterung und Freude nach dem Rauswurf von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sind in München auch nach mehr als einer Woche noch mit Händen zu greifen. Er „begrüße den personellen Neuanfang“, sagt Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Röttgens Nachfolger Peter Altmaier (CDU) müsse nun die dringend notwendigen gesetzlichen Reformen für die Energiewende „schneller als bisher“ vorantreiben.

Kuriose Folgen der Energiewende
Schwierige Löschung von Windrad-BrändenDie schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Tiefflughöhe steigtDie Bundeswehr hat die Höhe bei nächtlichen Tiefflügen angepasst. Wegen Windradmasten kann die Tiefflughöhe bei Bedarf um 100 Meter angehoben werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt, dass dadurch Bauhöhen von bis zu 220 Meter realisiert werden können. Die Höhe des derzeit höchsten Windradtyps liegt bei etwa 200 Metern. Quelle: dpa
Dieselverbrauch durch WindräderViele neue Windkraftanlagen entstehen – ohne ans Netz angeschlossen zu sein. Solange der Netzausbau hinterherhinkt, erzeugen die Windräder keine Energie, sondern verbrauchen welche. Um die sensible Technik am Laufen zu halten, müssen Windräder bis zu ihrem Netzanschluss mit Diesel betrieben werden. Das plant etwa RWE bei seinem im noch im Bau befindlichen Offshore-Windpark „Nordsee Ost“. Quelle: AP
Stromschläge für FeuerwehrleuteSolarzellen lassen sich meist nicht komplett ausschalten. Solange Licht auf sie fällt, produzieren sie auch Strom. Bei einem Brand droht Feuerwehrleuten ein Stromschlag, wenn sie ihren Wasserstrahl auf beschädigte Solarzellen oder Kabel halten. Diese Gefahr droht nicht, wenn die Feuerwehrleute aus sicherer Entfernung den Wasserstrahl auf ein Haus richten – aber, wenn sie dabei ins Haus oder aufs Dach gehen. Stromschlagsgefahr gibt es ebenso für Feuerwehrleute, wenn sie nach einem Straßenunfall Personen aus einem beschädigten Elektroauto bergen müssen. Quelle: AP
Störende SchattenWindräder werfen Schatten – manche Anwohner sehen darin eine „unzumutbare optische Bedrängung“, wie es das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ausdrückte. Es gab einer Klage recht, die gegen ein Windrad in Bochum gerichtet war. Im Februar wies das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Investors ab. Das Windrad wird nun gesprengt. Quelle: dpa
Gestörte NavigationAuf hoher See wird es voll. Windparks steigern nicht nur das Kollisionsrisiko mit Schiffen. Die Rotoren stören auch das Radarsystem. Der Deutsche Nautische Verein schlägt daher vor, dass Windparks nur genehmigt werden, wenn die Betreiber auch neue Radaranlagen an den Masten installieren. Quelle: dapd
Windrad-LärmWindräder drehen sich nicht nur, dabei machen sie auch Geräusche. Je stärker der Wind, desto lauter das Windrad – und das wollen viele Bürgerinitiativen nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeführer aus dem westfälischen Warendorf erreichte im September 2011 vorm Verwaltungsgericht Münster zumindest, dass eine Windkraftanlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet wird. Quelle: dpa

In kaum einer Region des Landes warten die Menschen ungeduldiger auf ein schlüssiges Konzept für die Energiewende als in Bayern. Der Grund: Im Freistaat wird der Strom knapp. In der ersten Februarhälfte, als die Temperaturen in Bayern an manchen Tagen auf 25 Grad unter null fielen, mussten die Kraftwerksbetreiber sämtliche Reserven mobilisieren. Im kommenden Winter, warnen Experten, könnte sich das wiederholen, zeitweise Blackouts seien nicht ausgeschlossen. „Wenn nicht bald etwas passiert, wird es dramatisch“, warnt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena) in Berlin. Beim Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch dieser Woche war es denn auch vor allem Bayerns Regierungschef Horst Seehofer (CSU), der ein höheres Tempo bei Planung und Umsetzung der Energiewende forderte.

Stromversorgung geht vor Umweltschutz

Wie gravierend die Stromengpässe in Bayern und dem Nachbarland Baden-Württemberg sind, rechnet die Bundesnetzagentur in Bonn vor. Noch im Herbst hatten die Länder für den Zeitraum von 2012 bis 2014 einen Kapazitätszuwachs von 1281 Megawatt prognostiziert. Mittlerweile gehen die Experten von einer Reduzierung im Umfang von 791 Megawatt aus. Das entspricht in etwa der Leistung von zwei Kernkraftwerken. Um die Versorgung zu sichern, warnt die Netzagentur, müsse der Umweltschutz vorerst zurückstehen. Angesichts der angespannten Situation sei es „zur Erhaltung der vorhandenen konventionellen Erzeugungskapazitäten erforderlich, immissionsschutzrechtlich bedingte Stilllegungen auszusetzen“, schreibt Jochen Homann, Präsident der Netzagentur, in einem Bericht zur Energieversorgung im Winter 2012.

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