WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Energiewende-Index Deutschland ist kein Vorbild

Angela Merkel feierte sich zu Beginn der Energiewende als Klimakanzlerin und präsentierte Deutschland als Vorbild für die Welt. Eine Studie von McKinsey zeigt nun: Von einer Vorreiterrolle ist Deutschland weit entfernt.

Eine Windkraftanlage in der Nähe von Niebüll wird gewartet: Erneuerbare Energien alleine sind kein Allheilmittel. Quelle: dpa

Im Jahr 2007 wollte Deutschland noch Vorreiter sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich als Klimakanzlerin feiern. Als der bisher größte Industriestaat versuchte Deutschland, Konsequenzen aus dem Klimawandel zu ziehen. Mit der Energiewende wollte es ein Modell liefern, dem die Welt nacheifern könnte.

Die Unternehmensberatung McKinsey begleitet die Energiewende seit 2012 und analysiert(.pdf) regelmäßig die Erreichbarkeit der ambitionierten Ziele der Bundesregierung. Die Bilanz nach zwei Jahren sei „ernüchternd“.

Galten 2012 noch fünf von 15 Indikatoren als „realistisch“ umsetzbar und ganze acht als „unrealistisch“, schätzt McKinsey mittlerweile nur noch sechs als realisierbar ein. Neun Indikatoren schätzen die Autoren des Energiewendenindex als nicht realisierbar ein.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

So zum Beispiel einer der Kernpunkte der Energiewende: die Reduktion der CO2-Emissionen. Bis 2020 will die Bundesregierung den Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent reduzieren. Durch den gezielten Ausbau und die Förderungen der erneuerbaren Energien sollte das realisiert werden.

Zwar stieg laut dem Report der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von sechs Prozent im Jahr 2000 auf 31 Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres – das Ziel bis 2020 wird damit aller Voraussicht nach deutlich überfüllt. Die CO2-Emissionen gingen aber gemessen an den Zielen kaum zurück.

Wie Unternehmen die Strom-Umlagen umgehen

Klimaexperte Friedrich Schmidt-Bleek sagte dazu im Interview mit Wirtschaftswoche Online, dass selbst die neuesten Photovoltaik-Anlagen immer noch den Ressourcenverbrauch von Atomkraft hätten. „Der vermeintliche Ökostrom aus Photovoltaikanlagen ist also selbst beim aktuellen Stand der Technik alles andere als grün.“

Die Autoren zeigen, der Ausbau führe vielmehr dazu, dass sich sowohl die Preise für CO2-Zertifikate als auch für Strom im Großhandel senkten. Das habe zur Folge, dass deutscher Strom immer stärker nachgefragt werde – die Krux sei dabei aber, dass die Nachfrage durch CO2-intensive Stein- und Braunkohlekraftwerke gedeckt werde.

Im Vorjahr stiegen die CO2-Emissionen um 1,2 Prozent auf 951 Millionen Tonnen. Zwar sank der Ausstoß dieses Jahr wieder, der Grund dafür sei aber die milde Witterung – ein externer Effekt und keine politische Leistung.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%