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Energiewende So drücken sich Unternehmen vor der Ökostromumlage

Unternehmen versuchen mit eigenen Kraftwerken Netzentgelte, Steuern und Ökostromumlage zu sparen. Damit vergrößern sie die Last des Atomausstiegs für Verbraucher und die übrige Wirtschaft. Und ihr Vergnügen könnte nur kurz sein.

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Diese Unternehmen produzieren ihren Strom selbst
VolkswagenVolkswagen betreibt inzwischen eigene Kraftwerke unterschiedlicher Art an fast allen Standorten. Im Werk Emden läuft zum Beispiel eine Biomasseanlage. Dabei sind die Anlagen nicht alle umweltfreundlich. Viele werden von Dieselmotoren der Konzerntochter MAN angetrieben. Aber der Wille von Konzernchef Martin Winterkorn zur dezentralen Eigenversorgung mithilfe erneuerbarer Energien ist da. So will VW 600 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 für den Ausbau erneuerbarer Energien an den Unternehmensstandorten ausgeben Quelle: dpa
Aldi SüdStromerzeuger in besonders großem Stil ist der Discountgigant Aldi Süd geworden. Auf rund 300 Dächern seiner Filialen hat der Billigriese aus Mülheim an der Ruhr Solaranlagen schrauben lassen. Hinzu kommen riesige Panelflächen auf den Dächern von 30 Logistikzentren. Damit ist Aldi in der Lage, Strom mit einer Gesamtleistung von über 70 Megawatt zu produzieren, immerhin ein Zehntel eines kleinen Kernkraftwerks. Die prognostizierte Stromproduktion aller Anlagen pro Jahr liegt bei 71 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht laut Aldi-Angaben dem Stromverbrauch von rund 24.000 Vier-Personen-Haushalten. Gerechnet auf zwölf Monate werde Aldi Süd fast die Hälfte der produzierten Menge für den Eigenverbrauch nutzen, heißt es aus dem Discount-Imperium Quelle: dpa
Metro-GroupDer Düsseldorf Handelskonzern Metro hat Anfang des Sommers 2013 für seine Großverbrauchermärkte am Konzernsitz sowie in Berlin-Marienfelde eigene Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen. Künftig können die beiden Standorte sich selbst mit Strom und Wärme aus Erdgas versorgen. Die beiden Kraftwerke wurden in Kooperation mit dem ebenfalls in Düsseldorf beheimateten E.On-Konzern errichtet, der für den Gaseinkauf verantwortlich ist. „Dank der Blockheizkraftwerke können wir die Energieversorgung für die beiden Standorte langfristig sichern und zugleich die Kosten beträchtlich senken“, sagt Olaf Schulze, Geschäftsführer der Metro Properties Energy Management. „Mit einer Eigenproduktion können alle Kosten, die mit dem Netzbezug verbunden sind, wie zum Beispiel EEG-Umlage und Nutzungsentgelte, vermieden werden.“ Quelle: dpa
ReweDer Kölner Lebensmittel-Filialist Rewe schickte vor wenigen Wochen für ihr Logistikzentrum in Eitting bei München ein Biogas-Blockheizkraftwerk an den Start. Die Anlage versorgt den mehr als 60.000 Quadratmeter großen Büro- und Lagerkomplex dezentral und bedarfsgerecht mit umweltfreundlicher Energie. In den Sommermonaten wird mit der Heizenergie Kälte produziert, was die Großkälteanlagen für das Tiefkühl- und Kühllager des Logistikzentrums entlastet. Die rund 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom, die pro Jahr produziert werden, werden in das Stromnetz eingespeist. Quelle: dpa
Molkerei GropperNeben Joghurts, Kaffeespezialitäten und Säften produziert die bayrische Molkerei Gropper seit Beginn des Jahres auch Energie. Die durch das gasbetriebene Blockheizkraftwerk gewonnene Energie kommt dabei in erster Linie der Stromversorgung zugute, die zu 65 Prozent den Eigenbedarf deckt. Auch Gropper erzeugt aus einem Teil der Abwärme Kälte, um damit seine Produkte zu kühlen. Mit dem anderen Teil wird Wasserdampf erzeugt, der der Herstellung von Joghurt, Pudding oder haltbarer Sahne dient. „Die steigenden Kosten der vergangenen Jahre, auch im Energiebereich, haben diesen Schritt für uns notwendig und auch sinnvoll gemacht“, sagt Gropper-Inhaber Heinrich Gropper. Er geht davon aus, dass er sein Blockheizkraftwerk bald ausbauen wird, um den Energiebedarf langfristig nur noch aus Eigenproduktion zu decken. Quelle: dpa
StuteAls Vorreiter der Eigenversorgung in der Lebensmittelindustrie gilt der Handelsmarkenproduzent Stute in Paderborn, der Säfte und Konfitüre für Handelsunternehmen wie Aldi herstellt. Das Familienunternehmen hat in den vergangenen Jahren fast 15 Millionen Euro investiert: 9,5 Millionen Euro flossen in mehrere Fotovoltaik-Anlagen, die sich am Firmensitz auf Dächern und Freiflächen mittlerweile auf 95.000 Quadratmetern erstrecken. 4,5 Millionen Euro steckte Stute in drei Windräder, die pro Jahr 7,2 Millionen Kilowattstunden liefern. Den Energiemix komplettiert eine Biogasanlage, die mit Abfällen aus der Fruchtverarbeitung arbeitet. Die Investitionen in die Autarkie zeigen Wirkung. Stute liegt bei der Eigenversorgung mit Strom schon bei rund 50-Prozent. Und das zu günstigen Tarifen. Weil keine Abgaben für den selbst produzierten und verbrauchten Strom anfallen, rechnet Stute mit Stromkosten von weniger als fünf Cent pro Kilowattstunde – fast so wenig, als würde sich das Unternehmen jeden Tag preiswert auf dem Spotmarkt an der Leipziger Strombörse bedienen. Quelle: dpa
BMWVier knapp 180 Meter hohe Windmühlen stehen am Westrand des BMW-Werksgeländes in Leipzig. Im Herbst dieses Jahres startet dort die Serienproduktion des Elektrofahrzeugs BMW i3, im Frühjahr 2014 soll die Sportwagenvariante BMW i8 folgen. Die vier Mühlen schaffen eine Leistung von zehn Megawatt und sollen mehr als 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern, so viel, wie 8000 Haushalte verbrauchen. Weht kein Wind, muss BMW seinen i3 mit ganz ordinärem Strom aus dem öffentlich zugänglichen Netz produzieren. Der Strom der Windräder allerdings ist komplett dem Verbrauch im Werk vorbehalten und geht nicht ins Netz. Realisiert hat das Projekt der Entwickler wpd aus Bremen. Er betreibt den Miniwindpark und verkauft den Strom an BMW. Quelle: dpa

Stephan Wachtel ist ein pragmatischer Mann, der einiges über Wirtschaftsgeschichte weiß. Von seinem Büro im Norden der Stadt zeigt der Mitinhaber der Ingenieurgemeinschaft NEK in Braunschweig nach Nordosten, wo Volkswagen seinen Sitz hat.

Der Autoriese ist Wachtels größter Kunde. Für ihn plant und entwickelt er gerade ein Kraftwerk nach dem anderen, das jedes für sich Strom für die Fließbänder, Schmieden und Pressen des Konzerns liefern soll. "Eigentlich ist das Prinzip der dezentralen Energieversorgung ja ziemlich alt", sagt der Ingenieur. "Neben dem Volkswagen-Werk wurde gleich bei der Gründung in den Dreißigerjahren ein Kraftwerk gebaut, dessen Schornsteine bis heute die Silhouette Wolfsburgs und des Konzernsitzes bestimmen."

Tatsächlich steht Wolfsburg mit seinem Schlot und dem dazugehörigen Meiler nicht allein. Auch im Ruhrgebiet bauten die Unternehmen früher sehr häufig Kraftwerke auf ihr Werksgelände oder direkt daneben, um von der nicht immer sicheren öffentlichen Stromversorgung unabhängig zu sein. Dies geschieht nun wieder und zunehmend - doch unter völlig anderen Vorzeichen.

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

Im Jahr zwei nach der Energiewende trachten immer mehr Unternehmen danach, Elektrizität in Eigenregie zu erzeugen, um die wachsenden Netzentgelte, Ökostromumlage, Steuern und Abgaben zu sparen. "Jeder versucht dem System zu entkommen und baut eigene Kraftwerke", sagt Professor Manuel Frondel, Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Doch anders als früher hat die Flucht aus der üblichen Stromversorgung gravierende Auswirkung auf die Allgemeinheit. Die Zigtausenden zurückbleibenden Unternehmen, vor allem aber privaten Haushalte müssen für die Aussteiger deren bisherige Ökostromumlage und sonstige vom Stromverbrauch abhängige Zahlungen übernehmen. "Es besteht bei der Ausbreitung der dezentralen Energieversorgung die Gefahr einer Umverteilung von ärmeren Haushalten zu reicheren." Denn eine Solaranlage auf dem Dach oder eine Stromversorgung im Keller könnten sich eben nur betuchte Hausbesitzer leisten.

Windturbinen auf dem BMW-Werksgelände in Leipzig

Der Trend ist unübersehbar: Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) verfügen in der Industrie acht Prozent von 2300 befragten Unternehmen schon über eine eigene Stromfabrik, ob als Solaranlage, Windräder oder Biogasanlage. Bei weiteren 21 Prozent sind Anlagen geplant oder schon im Bau. "Die hohen Energiepreise für öffentlich bezogenen Strom in Verbindung mit sinkenden Gestehungskosten erneuerbarer Energien machen die Eigenerzeugung aus Wind, Solar oder Biomasse für viele Unternehmen attraktiv", lautet das Fazit der DIHK-Studie. Denn wird Strom auf dem Betriebsgelände erzeugt, fallen beim Eigenverbrauch lediglich die reinen Stromgestehungskosten an. Die Unternehmen, die sich dies zunutze machen, gehen quer durch alle Branchen. Neben kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich Windräder und Solarpanele aufs Werksgelände montieren, streben auch namhafte Adressen wie Daimler, BMW und große Handelsketten in die Selbstversorgung.

Dramatische Umwälzung

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa

Und die Konsequenzen der angestrebten Autarkie greifen noch weit über die verbliebenen Unternehmen und die privaten Haushalte hinaus. VW-Dienstleister Wachtel, der in seiner Braunschweiger Denkfabrik 600 Ingenieure beschäftigt, die dezentrale Kraftwerke konstruieren, prognostiziert sogar eine dramatische Umwälzung der gesamten Energieerzeugung in Deutschland in den kommenden zehn Jahren. "Großkraftwerke, wie sie E.On und RWE, aber auch Stadtwerke betreiben, werden in Zukunft nur noch für die Erhaltung der Netzstabilität gebraucht, um Schwankungen im Netz abzufedern", sagt Wachtel. Damit drohen die gegenwärtigen Marktführer langsam vom Stromproduzenten nur noch zum Garanten einer sicheren Versorgung zu mutieren – Einnahmen offen. "Die Energiewende hat zum ersten Mal deutlich gemacht", schwant bereits RWE-Chef Peter Terium, "es geht auch ohne uns."

Kraftpaket Wachtel: Der Chef der Energiedienstleisters NEK setzt auf dezentrale Blockheizkraftwerke für mittelständische Unternehmen und große Wohnungsbaugesellschaften. Quelle: Nils Hendrik Müller für WirtschaftsWoche

Die Technik, mit der sich mittelständische Unternehmen oder große Wohnungsbaugesellschaften aus der öffentlich zugänglichen Stromversorgung ausklinken können, ist inzwischen vorhanden und wirtschaftlich. Die Firma 2G Energietechnik in Heek bei Osnabrück baute zum Beispiel eine Anlage für einen Fleischverarbeitungsbetrieb, den NEK berät. Ein Stromerzeuger für ein Einfamilienhaus kostet rund 5.000 Euro, die sich innerhalb von acht Jahren durch die Ersparnis der Ökostrom- und sonstigen Abgaben amortisieren sollen. Eine Anlage für eine Wohnungsbaugesellschaft mit etwa 100 Mietparteien kostet etwa 40.000 Euro und amortisiert sich nach Wachtels Rechnung sogar in vier Jahren.

Schon schießen Unternehmen wie Pilze aus dem Boden, die aus dem Trend zur Eigenversorgung ein Geschäft machen und Interessenten sogenanntes Contracting anbieten. Dahinter verbirgt sich die Dienstleistung, kleineren und mittelgroßen Unternehmen eine eigene Energieversorgung ohne lästige Stromabgaben zu organisieren.

Alle in die gleiche Richtung

So hat sich Hans-Peter Villis, bis vor einem Jahr Chef des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW, gerade als Contracting-Berater selbstständig gemacht. Zusammen mit dem Großspediteur und Logistiker Fiege in Greven bei Münster gründete er das Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Energy Global Invest GmbH mit Sitz in Münster. Fiege und Villis halten je 50 Prozent der Anteile. Das Gespann will mittelständischen Unternehmen zu einer eigenen, von Großversorgern unabhängigen Energieversorgung verhelfen.

Dazu wollen Villis und Fiege bei den Unternehmen Blockheizkraftwerke und Gasturbinen installieren und betreiben. Die Eigenversorgung soll die Strom- und Wärmekosten um 30 Prozent reduzieren. Zehn Prozent der Ersparnisse fließen an das Unternehmen, zehn Prozent gehen an die Väter der Idee und die verbleibenden zehn Prozent an den Anlagenbetreiber auf dem Werksgelände. Nach diesem Modell bietet auch Wachtels NEK Unternehmen die Eigenstromversorgung an.

Preiswerter als aus dem Netz

So setzt sich der Strompreis zusammen
Traditionelle Erzeuger Quelle: dapd
Neue Energien Quelle: REUTERS
Strombörse Quelle: dpa
Verschiedener Strom Quelle: dpa
Die Endverbraucher Quelle: dpa
EEG-Umlage Quelle: dpa

Die Auswirkungen des Trends sind unübersehbar. Volkswagen etwa betreibt inzwischen eigene Kraftwerke unterschiedlicher Art an fast allen Standorten. Im Werk Emden läuft zum Beispiel eine Biomasseanlage. Dabei sind die Anlagen nicht alle umweltfreundlich. Viele werden von Dieselmotoren der Konzerntochter MAN angetrieben. Aber der Wille von Konzernchef Martin Winterkorn zur dezentralen Eigenversorgung mithilfe erneuerbarer Energien ist da. So will VW 600 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 für den Ausbau erneuerbarer Energien an den Unternehmensstandorten ausgeben.

Unternehmen aus anderen Branchen marschieren angestrengt in die gleiche Richtung, darunter auch Mittelständler wie die Brauerei Warsteiner, die bayrische Molkerei Gropper oder der genossenschaftliche hessische Spargelproduzent OGZ Obst- und Gemüsezentrale Rhein-Main.

Stromerzeuger in besonders großem Stil ist der Discountgigant Aldi Süd geworden. Auf rund 300 Dächern seiner Filialen hat der Billigriese aus Mülheim an der Ruhr Solaranlagen schrauben lassen. Hinzu kommen riesige Panelflächen auf den Dächern von 30 Logistikzentren. Damit ist Aldi in der Lage, Strom mit einer Gesamtleistung von über 70 Megawatt zu produzieren, immerhin ein Zehntel eines kleinen Kernkraftwerks. Die prognostizierte Stromproduktion aller Anlagen pro Jahr liegt bei 71 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht dem Stromverbrauch von rund 24.000 Vier-Personen-Haushalten. Gerechnet auf zwölf Monate werde Aldi Süd fast die Hälfte der produzierten Menge für den Eigenverbrauch nutzen, heißt es aus dem Discount-Imperium.

Die Energiewende wird immer teurer

Unter den Immobilienbesitzern galten bisher die Eigentümer vor allem von Ein- und Zweifamilienhäuser als prädestinierte Eigenversorger. Rund 17,7 Millionen gibt es davon in Deutschland. Allein für sie ließen sich Solaranlagen mit einer Leistung von 90 Gigawatt errichten, die einen Teil der Strom- und Energieversorgung übernehmen könnten. Die Schätzung stammt von Volker Quaschning, Experte für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Die Leistung entspricht etwa acht herkömmlichen Atomkraftwerken. Kommen auch noch Mehrfamilienhäuser von Wohnungsbaugesellschaften und weitere Gewerbeimmobilien hinzu, wächst die theoretisch installierbare Leistung zur Eigenversorgung auf 100 bis 200 Gigawatt. Installiert sind in Deutschland derzeit 34 Gigawatt.

Solarstrom wird für die Betreiber der Anlagen künftig auch interessant, wenn nach der Bundestagswahl am 22. September die erzwungene Vergütung für die Einspeisung ins Stromnetz für die Zukunft drastisch gekürzt werden oder ganz wegfallen sollte. Denn die Kosten der Stromerzeugung mithilfe von Solarzellen betragen inzwischen nur noch 15 bis 18 Cent je Kilowattstunde. Damit liegen sie vor allem für kleinere und mittelgroße Verbraucher, die mit den großen Versorgern keine Sonderkonditionen aushandeln können, unter dem Preis des Stroms aus dem öffentlich zugänglichen Netz. Ähnliches gilt für Kleinwindkrafträder.

So viel wie Atommeiler

Lenkdrachen soll Energie gewinnen
Sie sehen aus wie übliche Lenkdrachen, doch sollen sie zukünftig der Gewinnung von Windenergie dienen. Die Technische Universität Delft in den Niederlanden, deren Drache hier zu sehen ist, forscht seit Jahren im Kite Power Projekt an dieser Technologie und hat schon mehrere Prototypen getestet. 2015 könnten laut der Brandenburger Firma Enerkite die fliegenden Kraftwerke auch in Deutschland für Energie sorgen. Die Drachen fliegen dafür in 300 bis 600 Metern Höhe und zapfen dort die konstanten Windströme für die Stromgewinnung ab. Über ein Seil ist der Drache mit einer mobilen Bodenstation gekoppelt. Die Flugsteuerung sowie der Generator laufen per Autopilot. Im Gegensatz zu großen Windanlagen sind die „Energiedrachen“ flexibel einsetzbar, leise und auch noch günstiger. Quelle: Twitter
Die USA setzt ebenfalls auf Fluggeräte zur Energiegewinnung, doch diese ähneln eher einem Flugzeug. Windturbinen aus Glasfasern und Karbon machen dabei die Stromgewinnung in der Luft möglich. Die Forschung des kalifornischen Unternehmens Makani Power an der Airborne Wind Turbine wird unter anderem von Google bezuschusst. Die Turbine, die bis zu 600 Meter hoch fliegt, wird von einem Hauptseil gehalten, während die Luftenergie über ein anderes Seil zum Boden gelangt. Dabei fliegt die Windturbine kreisförmig und quer zum Wind, wodurch sie sehr hohe Geschwindigkeiten erreicht. Der Prototyp kann sogar teilweise selbstständig den Flugmodus wechseln. Das Unternehmen plant die Windturbinen auch auf der See einzusetzen. Quelle: Twitter
Zumindest auf den Plänen der Konstrukteure bringen diese Windgeneratoren mehr Leistung als konventionelle Windmühlen. Der vertikale "Aerogenerator" wird auf hoher See installiert. Die Stromausbeute liegt bei 10 Megawatt, rund drei Megawatt mehr als die bisher größte Windanlage produziert. Die Spannweite kann nach Angaben des britischen Herstellers Windpower bis zu 230 Meter betragen. Dagegen sehen die bisher üblichen Windmühlen eher schlapp aus - die neuesten Anlagen der konventionellen Bauart sollen nämlich einen Rotorendurchmesser von "nur" 180 Meter haben. Texte: Miguel Zamorano Recherche: Andreas Menn Quelle: PR
Schaut wie eine Steinschleuder aus, ist aber ein Lenkdrache. Die Idee: der Kite-Segel der italienischen Firma Kite Gen ist an einem bewegbaren Arm an zwei Seilen befestig und wird dann auf eine Höhe von 800 bis 1000 Metern gebracht. Dort dreht der Winddrachen konstante Achten und treibt so die Turbine an. Der Vorteil: in mehr als 1000 Meter Höhe bläst der Wind konstanter als in Bodennähe. Bei einer Windgeschwindigkeit von 25 km/h läge die Energieausbeute laut Hersteller bei drei Megawatt. 300 Drachen brächten so die Leistung eines Atomkraftwerks - und da der Wind in der Höhe nahezu durchgehend bläst, gäbe es keine großen Ausfallzeiten. Der Haken: Flugzeuge müssten das Gebiet umfliegen. Das scheint bei der hohen Verkehrsdichte am europäischen Himmel und der Größe der Lenkdrachen-Parks nicht praktikabel. Das Modell ist derzeit noch in der Erprobungsphase. Quelle: PR
Bläst der Wind, dreht sich der Ballon um die eigene Sache und treibt den Rotor an Quelle: PR
Die Windhelix eignet sich für große Eigenheime Quelle: PR
Diese Modell soll sich unauffällig in die Landschaft fügen- Quelle: PR

Eine erste Zwischenbilanz des neuen Trends hat der Energiefachverband der deutschen Industrie für Blockheizkraftwerke gezogen, die sowohl Strom als auch Wärme produzieren. Danach gingen seit 2009 in Deutschland dezentrale Anlagen dieses Typs mit mindestens 1.300 Megawatt Leistung in Betrieb, gut so viel, wie ein Atommeiler schafft.

So hat der Düsseldorf Handelskonzern Metro vor knapp zwei Monaten für seine Großverbrauchermärkte am Konzernsitz sowie in Berlin-Marienfelde eigene Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen. Künftig können die beiden Standorte sich selbst mit Strom und Wärme aus Erdgas versorgen. Die beiden Kraftwerke wurden in Kooperation mit dem ebenfalls in Düsseldorf beheimateten E.On-Konzern errichtet, der für den Gaseinkauf verantwortlich ist. "Dank der Blockheizkraftwerke können wir die Energieversorgung für die beiden Standorte langfristig sichern und zugleich die Kosten beträchtlich senken", sagt Olaf Schulze, Geschäftsführer der Metro Properties Energy Management. "Mit einer Eigenproduktion können alle Kosten, die mit dem Netzbezug verbunden sind, wie zum Beispiel EEG-Umlage und Nutzungsentgelte, vermieden werden."

Fast zeitgleich schickte auch die Kölner Rewe-Gruppe für ihr Logistikzentrum in Eitting bei München ein Biogas-Blockheizkraftwerk an den Start. Die Anlage versorgt den mehr als 60.000 Quadratmeter großen Büro- und Lagerkomplex dezentral und bedarfsgerecht mit umweltfreundlicher Energie. In den Sommermonaten wird mit der Heizenergie Kälte produziert, was die Großkälteanlagen für das Tiefkühl- und Kühllager des Logistikzentrums entlastet. Die rund 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom, die pro Jahr produziert werden, werden in das Stromnetz eingespeist.

Was kostet uns die Energiewende?

Notwendiger Schritt

Was Aldi, Rewe und Metro recht ist, ist deren Lieferanten nur billig. Neben Joghurts, Kaffeespezialitäten und Säften produziert die bayrische Molkerei Gropper seit Beginn des Jahres auch Energie. Die durch das gasbetriebene Blockheizkraftwerk gewonnene Energie kommt dabei in erster Linie der Stromversorgung zugute, die zu 65 Prozent den Eigenbedarf deckt. Auch Gropper erzeugt aus einem Teil der Abwärme Kälte, um damit seine Produkte zu kühlen. Mit dem anderen Teil wird Wasserdampf erzeugt, der der Herstellung von Joghurt, Pudding oder haltbarer Sahne dient. "Die steigenden Kosten der vergangenen Jahre, auch im Energiebereich, haben diesen Schritt für uns notwendig und auch sinnvoll gemacht", sagt Gropper-Inhaber Heinrich Gropper. Er geht davon aus, dass er sein Blockheizkraftwerk bald ausbauen wird, um den Energiebedarf langfristig nur noch aus Eigenproduktion zu decken.

Die Investitionen zeigen Wirkung

Als Vorreiter der Eigenversorgung in der Lebensmittelindustrie gilt allerdings der Handelsmarkenproduzent Stute in Paderborn, der Säfte und Konfitüre für Handelsunternehmen wie Aldi herstellt. Das Familienunternehmen hat in den vergangenen Jahren fast 15 Millionen Euro investiert: 9,5 Millionen Euro flossen in mehrere Fotovoltaikanlagen, die sich am Firmensitz auf Dächern und Freiflächen mittlerweile auf 95.000 Quadratmetern erstrecken. 4,5 Millionen Euro steckte Stute in drei Windräder, die pro Jahr 7,2 Millionen Kilowattstunden liefern. Den Energiemix komplettiert eine Biogasanlage, die mit Abfällen aus der Fruchtverarbeitung arbeitet.

Die Investitionen in die Autarkie zeigen Wirkung. Stute liegt bei der Eigenversorgung mit Strom schon bei rund 50-Prozent. Und das zu günstigen Tarifen. Weil keine Abgaben für den selbst produzierten und verbrauchten Strom anfallen, rechnet Stute mit Stromkosten von weniger als fünf Cent pro Kilowattstunde - fast so wenig, als würde sich das Unternehmen jeden Tag preiswert auf dem Spotmarkt an der Leipziger Strombörse bedienen.

Drohende Besteuerung

Doch die Energiewende wäre nicht die Energiewende, wenn nicht auch die Eigenversorgung mit Strom und die dezentrale Erzeugung nicht irgendeinen Haken hätten – oder nicht irgendwann einmal einen verpasst bekämen.

So gibt es im Bundesfinanzministerium in Berlin inzwischen eine informelle Arbeitsgruppe, die überlegt, wie nach der Wahl die wegfallenden Steuern durch die dezentrale Energieversorgung wieder hereinkommen könnten. Denn weder Versorger noch die Stadtwerke steigen groß in das lukrative Geschäft ein. Nach Meinung von NEK-Miteigentümer fehlt ihnen dazu die Kundennähe und Dienstleistungsorientierung. "Die eingesessene Führungsschicht in den Stadtwerken hat keinen Draht zu dezentralen Einzellösungen", sagt er.

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Damit droht den Eigenversorgern Gefahr von der politischen Lobby der 900 deutschen Stadtwerke mitsamt der Großversorger. Denn diese setzen nach Informationen von Brancheninsidern auf eine Besteuerung der dezentralen Energieerzeugung, um die störende Konkurrenz zu bremsen. Ein Einfalltor könnte der Umstand sein, dass auch Fabriken mit eigener Stromerzeugung "zur Aufrechterhaltung der Spannung" nach wie vor das öffentlich zugängliche Netz und dessen Versorgungssicherheit benötigten, meint der frischgebackene Contracting-Unternehmer und Ex-EnBW-Chef Villis.

RWI-Energieexperte Frondel bringt es auf den bitteren Punkt: "Es wird über kurz oder lang so kommen, dass der selbst produzierte Strom besteuert wird wie selbst gebrannter Schnaps."

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