WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Energiewende Umstrittene Kosten für den Atomausstieg

Seite 2/3

Strommasten stehen vor dem Quelle: dapd

Zu diesen Kosten kommen die noch immer kaum kalkulierbaren Kosten für Endlager für radioaktiven Müll hinzu. Hier lauern immense finanzielle und ökologische Risiken, wie das desolate Atommülllager Asse in den vergangenen Tagen wieder zeigte. Der Vorsitzende der Entsorgungskommission (ESK) und Röttgen-Berater Michael Sailer forderte bei der Neubewertung der Atomenergie eine Regelung auch für die Atommüll-Endlagerung. Es sei absolut notwendig, „dass wir in den nächsten 20, 25 Jahren zu einem genehmigungsfähigen Projekt für ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle kommen“. Dabei müssten mehrere Standorte geprüft werden. Denn der Salzstock im niedersächsischen Gorleben könnte sich am Ende doch noch als ungeeignet herausstellen. Umweltschützer und Opposition befürchten bereits jetzt, Atommüll könne dort nicht sicher gelagert werden.

RWE wäre ein Ausstiegsprofiteur

Der RWE-Konzern könnte von einem Abschalten einiger deutscher Atomkraftwerke wegen dann steigender Strompreise sogar profitieren. Allerdings müsse das Unternehmen erhöhte Kosten für CO2-Zertifikate gegenrechnen, sagte ein RWE-Sprecher gestern. Er reagierte damit auf einen Bericht des Magazins „Der Spiegel“. Dort hieß es, vor der RWE-Hauptversammlung am Mittwoch wachse auch innerhalb des Unternehmens die Kritik am kompromisslosen Pro-Atom-Kurs von Konzernchef Jürgen Großmann. Hintergrund seien bislang unbekannte interne Berechnungen, nach denen eine Abschaltung der Atomreaktoren in Biblis (Hessen) sich mittelfristig sogar positiv auf das Ergebnis des Energieriesen auswirken könnte. „Kurzfristig hat das Abschalten von Biblis unbestritten negative Folgen für den Konzern“, sagte der Sprecher. Bereits verkaufter Strom, den Biblis liefern sollte, müsse am Markt zurückgekauft werden. Eine Stilllegung der Meiler, heißt es laut „Spiegel“ in einem vergangenen Sommer erstellten Ausstiegsszenario, würde die Strommenge verknappen und den Strompreis ansteigen lassen. Davon würden die nur teilweise ausgelasteten Kohlekraftwerke des Konzerns profitieren. Die Zusatzgewinne dort, so das RWE-Szenario, könnten die Ausfälle in Biblis mittelfristig sogar deutlich überkompensieren, zumal der Bund durch die Brennelementesteuer Teile des Atomgewinns wieder abschöpfe. Kurzfristig, heißt es, seien durch die Stilllegung der Meiler Verluste in dreistelliger Millionenhöhe zu verkraften. Das Szenario sei auch dem Aufsichtsrat zugeleitet worden. Die Kontrolleure wollten Großmann auf einer Sitzung morgen kritisch zu seinen Plänen befragen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%