WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Engagement für Berggruen Karstadt bringt von der Leyen in Erklärungsnot

Ihre Rolle bei der Karstadt-Rettung wird für die Arbeitsministerin zum Problem. Denn für den schnellen PR-Erfolg hat sie Prinzipien übergangen und dem US-Investor Berggruen aktiv geholfen. Wie soll es jetzt weitergehen?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) übergeht gerne die ordnungspolitischen Prinzipien ihrer Partei. Quelle: dapd

Berlin Nur wenige Politiker haben ein so ausgeprägtes Gespür für die richtigen Botschaften und Bilder zur richtigen Zeit: Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen ist eine Meisterin der Selbstinszenierung. Wo es Chancen gibt, als die große Kümmerin aufzutreten, tut sie es. Dabei setzt sie sich gerne über ordnungspolitische Prinzipien ihrer Partei, der CDU, hinweg. Getreu der Logik: Gut für die Partei ist, was gut für Frau von der Leyen ist.

Nun aber zeigt der Fall Karstadt von der Leyen die Grenzen ihres Politikstils auf: Weil sie sich einst massiv für einen Karstadt-Einstieg von Investor Nicolas Berggruen einsetzte, muss sie nun auch das Scheitern von dessen Rettungsplänen erklären. Immer deutlicher wird, dass sich die Politikerin von Berggruen und seinen Karstadt-Plänen hat blenden lassen.

Anders als bei der Übernahme der Warenhauskette angekündigt, werden 2 000 Beschäftigte bis 2014 ihren Job verlieren. Auch könnte Karstadt aufgeteilt und die Premium- sowie die klassischen Häuser und die Sportfilialen getrennt verkauft werden - obwohl Berggruen die Gruppe zusammenhalten wollte und solche Pläne nach wie vor bestreitet. Außerdem hatte Berggruen versichert, eine Einlage von 65 Millionen zur Rettung des Warenhauses zu erbringen. Dies war jedoch nur ein Darlehen, das er sich kurz nach der Übernahme zurückzahlen ließ.

Von alledem war am 2. September 2010, dem Tag der Übernahme durch Berggruen, nicht die Rede. In einer Berliner Karstadt-Filiale verkündete von der Leyen vor den Kameras, dies sei "ein Tag der Freude für die Mitarbeiter". Berggruen revanchierte sich brav: "Karstadt wird jetzt ein aufregendes Leben haben." Mittlerweile ist klar: Berggruen war für seinen Einstieg auf die Hilfe Frau von der Leyens angewiesen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dabei trat sie nicht nur öffentlich als Sympathisantin für die "Lösung Berggruen" auf, sondern übte im Hintergrund Druck auf Wettbewerber aus, die einen anderen Weg verfolgten. Dieser sah auch Standort-Schließungen vor. Der damalige FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle stützte aus ordnungspolitischen Gründen einen harten Sanierungskurs, weil er diesen für realistischer hielt, wurde aber von der medialen Welle seiner Kabinettskollegin an den Rand gedrückt. Noch heute ist Brüderle darüber erbost.


    Vermieter wurden unter Druck gesetzt

    Für die Vergabe der Warenhäuser an den Milliardär musste vor allem der Widerstand des aus Deutscher Bank und Goldman Sachs bestehenden Vermieter-Konsortiums "High-Street" überwunden werden. Denn die Besitzer eines großen Teils der Karstadt-Immobilien wollten das Unternehmen selbst übernehmen. Insolvenz-Verwalter Klaus Hubert Görg beharrte dennoch auf dem Zuschlag für Berggruen. Dieser freilich bestand auf Mietreduzierungen - auf Kosten von High-Street. Weil das Konsortium nicht in Gänze auf Berggruens Forderung einging, griff Ministerin von der Leyen schließlich ein.

    In einem vertraulichen Schreiben vom 6. August 2010 übte sie Druck auf die Gesellschafter von High-Street aus. Die deutsche Regierung habe "ein aktives Interesse, den Parteien bei der Restrukturierung von Karstadt zu helfen, um damit die Liquidation und den Verlust von 25 000 Arbeitsplätzen zu verhindern". Da es Widerstände der Vermieter gäbe und die Zeit dränge, würde sie gerne wissen, "wo die Gesellschafter im Prozess stehen" und wie die Frist des Insolvenzverwalters eingehalten werden könne. Gerne könnten die Gesellschafter "mich wissen lassen, wo ich helfen kann", endete sie. Wenig später beugten sich die Vermieter dem Druck.

    Nun, da Berggruens Pläne vor dem Scheitern stehen, gerät auch seine Fürsprecherin unter Druck. Mit ihrer einseitigen Parteinahme hat sie die harten, aber ehrlichen Konzepte der anderen Bieter von einst abgeblockt und sieht jetzt, wie Berggruen seine Zusagen räumen muss.

    Dabei konnte von der Leyen gewarnt sein: Selten geht es gut aus, wenn Politiker abgewirtschaftete Unternehmen retten wollen. Dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder hingen seine Bemühungen, den Baukonzern Holzmann zu retten, noch die halbe Amtszeit nach. Gut möglich, dass von der Leyens Holzmann Karstadt heißt.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%