Entwarnung in München Todesschütze war offenbar Einzeltäter

Nach der Schießerei in München sind die Hintergründe der Tat noch unklar. Der mutmaßliche Schütze, ein 18-Jähriger, habe mit hoher Wahrscheinlichkeit alleine gehandelt, teilte die Polizei mit. Ein Überblick.

Schießerei in Einkaufszentrum in München

  • Am Freitagabend gab es am Olympia-Einkaufszentrum in München bei Schüssen Verletzte und auch Tote
  • Die Münchner Polizei sprach von einer „akuten Terrorlage“ in der Stadt
  • Neun Menschen wurden laut Angaben der Polizei getötet.
  • Anschließend soll sich der mutmaßliche Täter selbst erschossen haben.
  • Das Motiv ist laut Polizei unklar.

+++Entwarnung+++

„Wir haben das Problem gefunden, und es ist tatsächlich so, dass wir wieder nach vorne gucken können und der morgige Tag beginnen kann.“ Das sagte der Münchner Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins am frühen Samstagmorgen nach der blutigen Schießerei.

+++Mutmaßlicher Täter ist tot+++

Der Schusswaffen-Anschlag in einem Münchner Einkaufszentrum wurde nach Angaben der Polizei von einem 18-jährigen Deutsch-Iraner verübt. Polizeipräsident Hubertus Andrä sagt in einer Pressekonferenz in der Nacht, der 18-Jährige habe sich nach bisherigen Ermittlungen nach der Tat selbst getötet. Er sei zuvor auch von Zivil-Polizisten angeschossen worden. Das Motiv und der Hintergrund für die Tat, bei der neun Menschen erschossen wurden, sei noch völlig unklar. Man gehe von einem Einzeltäter aus, sagt Andrä.

+++ 10 Tote +++

in weiteres Opfer ist nach Polizeiangaben seinen Verletzungen erlegen. Damit steigt die Zahl der Toten auf zehn. Darunter ist auch die Leiche eines möglichen Täters, sagt ein Polizeisprecher. Der öffentliche Nahverkehr in der Stadt hat seinen Betrieb unterdessen wieder aufgenommen.



+++Mehrere Verletzte+++

Bei dem Anschlag sind mindestens zehn Menschen verletzt worden. Das teilt die Polizei auf Twitter mit. Der Einsatz laufe weiter, es könne keine Entwarnung gegeben werden Bundesinnenminister Thomas de Maiziere fährt am Samstag nach München, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Das teilt er über Twitter mit.

+++Polizei: Münchner Olympia-Einkaufszentrum wird intensiv durchsucht+++
Die Polizei durchsucht nach eigenen Angaben derzeit intensiv das Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Zur Lage in der Umgebung des Tatorts sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins am späten Freitagabend: „Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Lage außerhalb des OEZs zuspitzt.“ Dennoch sei die Polizei mit starken Kräften präsent. Bei der Fahndung gehe die Polizei nach wie vor von bis zu drei Tätern aus.

Chronik: Aufsehenerregende Anschläge in Deutschland

+++Polizei: Zahl der Toten steigt auf neun+++
Die Zahl der bestätigten Todesopfer nach dem Attentat in München ist auf mindestens neun gestiegen. Die Polizei sprach bei Twitter über acht Tote. Bei einem weiteren neunten Toten prüfen die Ermittler, ob es sich um einen Täter handelt. Die neunte Leiche, ein Mann, wurde etwa einen Kilometer entfernt vom Olympia-Einkaufszentrum gefunden, wie ein Polizeisprecher am späten Freitagabend sagte. Der Mann sei durch Gewalteinwirkung gestorben.

+++Altmaier: Bundessicherheitskabinett tagt am Samstag in Berlin+++
Nach dem Anschlag in München kommt an diesem Samstag das Bundessicherheitskabinett in Berlin zusammen. Das gab das Kanzleramt am Freitagabend bekannt. Dem Gremium unter Vorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehören auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) an. Gegebenenfalls können weitere Minister und Vertreter der Sicherheitsbehörden hinzukommen. De Maizière soll bereits zum zweiten Mal in dieser Woche seinen Urlaub unterbrochen haben und auf dem Rückflug aus den USA sein, hieß es in Berlin.



+++Festival in München abgesagt+++
Das Tollwood-Festival ist nach Angaben der Polizei abgesagt worden. Die Menschen seien aufgefordert worden, nach Hause zu gehen, sagte ein Sprecher. Das Festival findet im Olympiapark in der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums statt.

Der Veranstalter teilte auf seiner Website mit: „Kurz nach Beginn der Schießerei im OEZ wurde Tollwood durch die Polizei informiert. In engster Zusammenarbeit mit ihr beschloss die Festivalleitung, das Gelände im Olympiapark möglichst ohne Panik zu evakuieren. Zuerst wurden die Stände geschlossen und das Publikum gebeten, den Platz möglichst Richtung Osten zu verlassen, immer mit dem Hinweis, dass der MVV nicht mehr fährt. Dann wurde das Andechser Zelt und die ausverkaufte Musik-Arena geleert. Um auch hier Panik zu vermeiden, wurde das Publikum über die Lage informiert.“

Deutschland trauert "mit schwerem Herzen"
Kanzlerin Merkel Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt die Hilfsbereitschaft der Münchner in der Tatnacht, in der viele ihre Wohnungen Fremden zur Verfügung stellten. "In dieser Freiheit und Mitmenschlichkeit liegt unsere größte Stärke", sagt Merkel am Samstag. Deutschland trauere "mit schwerem Herzen um die, die nie mehr zu ihren Familien zurückkehren werden." Sie fügte an die Adresse der Angehörigen hinzu: "Wir denken an Sie, wir teilen Ihren Schmerz, wir leiden mit Ihnen." Quelle: dpa
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte in der „Welt am Sonntag“, dass „wir in extremen Situationen“ wie Terroranschlägen „auch in Deutschland auf die Bundeswehr zugreifen können“. Quelle: AP
De Maizière: "Explosionen von Gewalt"Für Innenminister Thomas de Maizière waren es „Explosionen von Gewalt“, die in München zum Tod von neun unschuldigen Menschen führten. Der Amokläufer war nach den Worten de Maizières für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt. „Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt.“ Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. „Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person.“ Möglicherweise sei der junge Deutsch-Iraner gemobbt worden. Dennoch sprach sich de Maizière dafür aus, die Einsatzkonzepte der Polizei noch einmal unter die Lupe zu nehmen. „Das wird sicher jetzt noch einmal überprüft werden müssen“, sagte der CDU-Politiker am Samstagabend in der ARD. Und gegenüber der „Bild am Sonntag“ sagte er, dass zunächst ermittelt werden müsse, wie der Amokläufer an die Tatwaffe gelangt sei. „Dann müssen wir sehr sorgfältig prüfen, ob und gegebenenfalls wo es noch gesetzlichen Handlungsbedarf gibt.“ Quelle: dpa
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Quelle: dpa
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) Quelle: dpa
Münchner OB - "Unsere Stadt steht zusammen" Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter äußert sich über die Tat entsetzt. Alle städtischen Feste und Feiern seien für dieses Wochenende abgesagt. "Es sind schwere Stunden für München." Er sei von der großen Hilfsbereitschaft und Solidarität beeindruckt. "Unsere Stadt steht zusammen." Quelle: dpa
Unionsfraktionschef Volker Kauder warnt vor einer Ausbreitung von Hass und Gewalt. Noch sei nicht bekannt, was den Attentäter zu den Morden getrieben habe. "Unabhängig davon, was seine Motive waren und wie sich seine persönliche Disposition darstellt, müssen wir aber noch mehr darauf achten, dass sich Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft generell nicht weiter ausbreiten." Quelle: dpa

+++Bahn stellt Übernachtungszüge bereit+++
Nach dem Terroralarm in München, der Sperrung des Hauptbahnhofs und der kompletten Einstellung des Zugverkehrs hat die Deutsche Bahn im Münchner Umland Übernachtungszüge bereitgestellt. Dort sollten gestrandete Reisende Unterschlupf finden, teilte die Bahn mit. Jeweils ein Zug werde dafür in Mammendorf, Starnberg, Geltendorf, Dachau und Freising stehen. Dort endeten zahlreiche Züge am Freitagabend.


+++Seehofer beruft Sondersitzung des Kabinetts für Samstag ein+++
Nach dem Attentat in einem Münchner Einkaufszentrum hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) für Samstag um 11.00 Uhr eine Sondersitzung seines Kabinetts einberufen. Das sagte eine Regierungssprecherin.

+++Polizei: Bisher keinen Hinweis auf islamistischen Hintergrund+++
Die Polizei hat für den Anschlag in München bislang keinen Hinweis auf einen islamistischen Hintergrund. „Dafür ist es viel zu früh“, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins.

Die Polizei spricht derzeit von einer „akuten Terrorlage“. Dazu sagte der Sprecher: „Wir gehen insofern von einem Terroranschlag aus, als wir mit unseren Maßnahmen bei dieser Annahme die höchstmögliche Wirkung erzielen und wir lieber zu viel als zu wenig Personal auf der Straße haben. Wenn sich herausstellt, dass es einen anderen Hintergrund hatte, haben wir den worst case auch abgedeckt.“

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