WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Erbschaftsteuer Wer von der Reform profitiert und wer nicht

Seite 2/3

Der CSU-Politiker Peter Quelle: AP

Während die Duisburger schon kalkulieren, versuchen andere Familienunternehmer noch, den Gesetzentwurf zu verändern. Über 170 Unternehmen aus der Königsklasse des deutschen Mittelstandes, von Bitburger bis Sixt, wenden sich in einer Baden-Badener Erklärung gegen die Reform. Sie sehen ein „bürokratisches Monster“ auf sich zukommen und klagen, die aktuelle Finanzkrise zeige, wie schwierig, ja unerfüllbar, die Auflagen seien.

Einer der Unterzeichner ist Hans-Julius Ahlmann, der in Schleswig-Holstein Gusseisen herstellt. Seine Firma ACO Severin Ahlmann ist Weltmarktführer bei Entwässerungskomponenten, beschäftigt 3800 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 630 Millionen Euro. Nach altem Erbschaftsteuerrecht wäre die Übertragung auf seine beiden Söhne sehr teuer, so Ahlmann.

Nach neuem Recht wäre dies günstiger, „aber mit einem ungeheuren Risiko belastet“. Denn wenn die Wirtschaftskrise jetzt zuschlage und er – rein hypothetisch, aber nicht völlig auszuschließen – ein Drittel seiner Belegschaft entlassen müsste, wäre die Erbschaftsteuer fällig, so Ahlmann. Und die wird für Firmenerben dann viel teurer als bisher. Denn die künftige Bewertung erfolgt nach dem aktuellen Ertragswert statt wie bisher nach den alten, meist niedrigen Buchwerten in der Steuerbilanz.

Bei Ahlmann, dessen Unternehmen auf 300 Millionen Euro taxiert werden könnte, wären dann 100 Millionen Erbschaftsteuer fällig. Ahlmann: „Das wäre der Todesstoß.“ Deshalb ist das künftige Erbschaftsteuerrecht für ihn nichts anderes als „eine Art Roulette“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Fallstricke gibt es viele in dem Reformstapel. „Das Kleingedruckte ist am wichtigsten geworden“, sagt Ahlmann. Das weiß auch Arno Metzler, der beim Bundesverband der Freien Berufe die Interessen von Ärzten, Architekten oder Anwälten vertritt. Metzler warnt vor allem davor, dass bei den zu vererbenden Praxen und Kanzleien zu hohe Werte angesetzt werden, und fordert eine Entschärfung der Bewertungsregeln.

    Kampferprobte Juristen wie Peter Gauweiler sehen, mit welch heißer Nadel das Reformwerk zusammengestrickt wurde. Der CSU-Bundestagsabgeordnete schickte seiner Parteispitze vorige Woche eine Liste mit Fragen zum Reformkompromiss. Wie sollen große Familienstämme behandelt werden? Manche Familienunternehmen, wie die Freudenbergs oder Haniels, kommen auf mehrere Hundert Gesellschafter; Todesfälle gibt es dort quasi jedes Jahr.

    Unterliegen diese Unternehmen auf ewig den Restriktionen, etwa der Lohnsummen, will Gauweiler wissen. Oder zum selbst genutzten Wohneigentum, das für den verbleibenden Ehe- oder Lebensgemeinschaftspartner ganz und für Kinder bis 200 Quadratmeter erbschaftsteuerfrei sein soll, fragt Gauweiler: „Ist die vorgesehene Regelung zum ,Hauptwohnsitz‘ mit der Förderung der Arbeitnehmermobilität durch die EU und die Vorgabe zur freien Wahl des Arbeitsplatzes und Arbeitslandes vereinbar?“

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%