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Erneuerbare Energien Arme leiden am meisten unter Energiewende

Die Förderung erneuerbarer Energien treibt die Strompreise nach oben. Arme zahlen wegen steigender Umlagen einen großen Teil ihres Einkommens für Energie. Höchste Zeit, die Förderung für Solar- und Windkraft zu kappen; höchste Zeit, weniger Ausnahmen von der Umlage zuzulassen.

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So setzt sich der Strompreis zusammen
Traditionelle Erzeuger Quelle: dapd
Neue Energien Quelle: REUTERS
Strombörse Quelle: dpa
Verschiedener Strom Quelle: dpa
Die Endverbraucher Quelle: dpa
EEG-Umlage Quelle: dpa

Es ist eine seltene und deshalb umso bemerkenswerte Allianz. Ein arbeitgebernahes Forschungsinstitut und Verbraucherschützer sind sich einig, dass die Energiewende in ihrer aktuellen Form nicht nur den Umbau der Stromversorgung bedeutet, sondern auch eine Umverteilung von Arm zu Reich.

Die heute vorgestellten Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untermauern das Argument, das seit einiger Zeit gegen die bestehenden Regeln für den Umbau von Atom- und fossiler Energie und hin zu erneuerbaren Quellen angebracht wird. Die Anreize belohnen in großem Maße auch wenig effiziente Anlagen, etwa Solardächer im sonnenarmen Deutschland. Sie verschaffen zudem der Mittel- und Oberschicht neue Einkommensquellen, wenn diese In Sonnen- oder Windkraft investieren.

Ärmere Menschen sind stärker betroffen

Die Subventionen für die lohnende Energieerzeugung bezahlen wiederum alle Stromverbraucher. Das trifft ärmere Menschen viel stärker als wohlhabendere. Haushalte mit Solarzellen auf dem Dach erwirtschafteten 2011 insgesamt einen Überschuss von einer Milliarde Euro. Dieser Betrag dürfte 2012 wohl noch höher liegen, denn die Leistung der Anlagen stieg stärker als die Bundesregierung die Förderung durch die Allgemeinheit zurückschraubte.

Der Stromverbrauch wohlhabenderer Haushalte liege nur knapp über dem von einkommensschwachen, schreibt das IW. Wenn kommendes Jahr die Umlage für Erneuerbare Energien (EEG) auf 5,3 Cent je Kilowattstunde klettert, steigen die monatlichen Ausgaben der ärmsten zehn Prozent der deutschen Haushalte für die Umlage von knapp 6 auf 8,75 Euro im Monat, heißt es in der Studie. Die Ausgaben der wohlhabendsten zehn Prozent legten von 7,20 auf 10,75 Euro monatlich zu.  Das bedeutet: Die Ärmsten geben 1,3 Prozent ihres Einkommens für den Ökostromzuschlag aus, die Vermögenden nur 0,2 Prozent.

Ähnlich argumentieren schon seit längerem die Verbraucherzentralen, die nun verstärkt Energiesparberatungen anbieten und Wege suchen, Stromfresser im Haushalt ärmerer Konsumenten durch sparende Geräte zu ersetzen. Doch das wird an den Lasten für Geringverdiener allein wenig ändern.

Es wird teuer

Das bittere Fazit aus einem Jahr Energiewende
Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG im brandenburgischen Jänschwalde (Spree-Neiße) Quelle: dpa
Freileitungen verlaufen in der Nähe eines Umspannwerkes bei Schwerin über Felder Quelle: dpa
Die Flagge Österreichs weht auf einem Hausdach Quelle: dpa
Ein Strommast steht neben Windkraftanlagen Quelle: AP
Windräder des Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee Quelle: dpa
Eine Photovoltaikanlage der Solartechnikfirma SMA Quelle: dpa
Euroscheine stecken in einem Stromverteile Quelle: dpa

Zwei Dinge müssen Bundesumweltminister Peter Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler schleunigst gemeinsam angehen:  Sie müssen erstens die Fördersätze für den grünen Strom deutlich senken, damit die Erzeugung wirtschaftlicher wird und sich auf die Bereiche begrenzt, in denen die neuen Quellen konkurrenzfähig werden können und es auch Abnehmer gibt. Das ist nämlich ein weiterer Nachteil des Umbaus. Bisher wird gefördert, egal wo der Erzeuger seinen Strom anbietet. Damit die Energie zu den Verbraucher kommt, müssen da unnötig viele neue Leitungen her, die teuer und schwer durchzusetzen sind.

Deutschland



Zweitens müssen der Minister von der CDU und der von der FDP sich annähern und einigen, welche Ausnahmen von den höheren Stromkosten gestrichen werden. Es gibt viele und manche sind nicht nachvollziehbar. Schließlich sollten ursprünglich nur Unternehmen Erleichterung bei den Stromkosten bekommen, die energieintensiv produzieren und die zugleich im internationalen Wettbewerb stehen.

Weniger Ausnahmen bedeuten geringere Kosten aus den Umlagen für die Allgemeinheit. Und das würde auch bedeuten, dass die neuen Energien eher wettbewerbsfähig werden – oder an anderer Stellen nicht künstlich und ohne Aussicht auf Wirtschaftlichkeit gepäppelt werden.

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