Ersparnisse Der Einlagenschutz ist utopisch hoch

Deutsche Banken reduzieren die Einlagensicherung ab 2015 drastisch. Für Sparer ist das bedeutungslos, denn bei Großpleiten wären die Sicherungsfonds ohnehin überfordert.

Wovor die Sparer am meisten Angst haben
Die Krise in Europa ängstigt die Anleger. Eine Umfrage unter Privatanlegern* im Auftrag der britischen Vermögensverwaltung Schroders zeigt, dass viele die Euro-Krise als größte Gefahr für ihr Vermögen sehen. Auch steigende Steuern, Inflation und Turbulenzen an den Märkten verunsichern die Menschen. Was sehen Sie als größte Gefahr für ihr Vermögen?Euro-Krise: 43 Prozent Steigende Steuern: 25 Prozent Marktunsicherheit: 28 Prozent Niedrigzinsumfeld: 15 Prozent Höhere Inflation: 27 Prozent Je nach Land fallen die Ergebnisse aber durchaus unterschiedlich aus. Ausgerechnet in den Ländern, die am stärksten dastehen, haben die Menschen die größte Angst - in Deutschland und Österreich. *Umfrage unter rund 1.300 Privatanlegern in zwölf europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien, Niederlande, Belgien, Italien, Frankreich, Portugal, Israel und Großbritannien), durchgeführt von YouGov. Das Anlagevermögen der befragten Personen liegt bei 60.000 Euro (ohne Wohnimmobilien).  Der Umfragezeitraum war April-Mai 2012. Quelle: dapd
FrankreichDie Grande Nation kommt in der Schuldenkrise ordentlich ins Straucheln. Vor allem die französischen Banken geraten zunehmend in Schieflage. Auf der europäischen Bühne hingegen zeigt Frankreich weiterhin Stärke. Der neue Staatspräsident Francois Hollande bietet bei den Verhandlungen in der Euro-Krise Deutschland die Stirn. Dennoch bleibt die Sorge um die Euro-Krise bei Frankreichs Privatanlegern groß. Auch steigende Steuern sind für die Franzosen ein Graus. Euro-Krise: 43 ProzentSteigende Steuern: 41 Prozent Marktunsicherheit: 23 Prozent Niedrigzinsumfeld: 16 Prozent Höhere Inflation: 21 Prozent Quelle: Reuters
SpanienViele Analysten befürchten, dass Spanien das zweite Griechenland wird. Der Unterschied jedoch ist, dass eine Rettung Spaniens schwer zu stemmen wäre. Im Land selbst ist die Sorge um den Euro jedoch nicht die größte. Vielmehr fürchten sich die Spanier vor steigenden Steuern. Das ist kein Wunder. Schließlich muss der Staat Geld von den Bürgern holen, um seine Schulden abzubauen muss. Euro-Krise: 39 Prozent Steigende Steuern: 47 ProzentMarktunsicherheit: 37 Prozent Niedrigzinsumfeld: 23 Prozent Höhere Inflation: 25 Prozent Quelle: Reuters
DeutschlandDie deutschen Privatanleger geht es bislang gut. Sie haben mehr auf der hohen Kante als alle anderen in Europa. Man könnte auch sagen: Sie haben viel zu verlieren. Die größten Sorgen machen sich die Deutschen um den Euro und die Inflation. Euro-Krise: 48 ProzentSteigende Steuern: 21 Prozent Marktunsicherheit: 21 Prozent Niedrigzinsumfeld: 27 Prozent Höhere Inflation: 37 Prozent Quelle: dpa
ÖsterreichNoch mehr Angst vor der Euro-Krise als die Deutschen haben die Österreicher. Mehr als die Hälfte der Befragten sorgt sich um den Euro. Inflation ist dagegen in unserem Nachbarland etwas weniger gefürchtet. Euro-Krise: 56 ProzentSteigende Steuern: 32 Prozent Marktunsicherheit: 25 Prozent Niedrigzinsumfeld: 29 Prozent Höhere Inflation: 33 Prozent Quelle: dpa
ItalienÄhnlich wie die Spanier fürchten die Italiener vor allem höher Steuern. Dass daran kein Weg vorbei führt, ist beinahe sicher, wenn man die Staatsverschuldung des südeuropäischen Euro-Staats sieht. Im letzten Jahr betrug der Schuldenberg 120 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts. Anders als in Spanien kommt in Italien noch die Furcht vor Inflation hinzu. Euro-Krise: 44 Prozent Steigende Steuern: 63 ProzentMarktunsicherheit: 41 Prozent Niedrigzinsumfeld: 24 Prozent Höhere Inflation: 38 Prozent Quelle: dpa
SchwedenDas skandinavische Land ist gar nicht Mitglied der Euro-Zone. Trotzdem haben die Menschen Angst vor der Euro-Krise. Abgesehen davon lebt der schwedische Sparer offenbar ziemlich sorglos. Steigende Inflation oder niedrige Zinsen bereiten den Menschen kaum Angst. Euro-Krise: 48 ProzentSteigende Steuern: 17 Prozent Marktunsicherheit: 28 Prozent Niedrigzinsumfeld: 10 Prozent Höhere Inflation: 11 Prozent Quelle: dpa

Auf den ersten Blick sieht es drastisch aus: Die Sicherungsgrenze für Spareinlagen bei privaten deutschen Banken sinkt mit dem Beginn des kommenden Jahres um ein Drittel auf 20 Prozent. Das ist seit langem angekündigt. Bis 2025 soll die Grenze sogar von derzeit 30 Prozent auf 8,75 Prozent sinken.

Bei genauerer Analyse entpuppt sich diese Reduktion jedoch als bedeutungslos für deutsche Sparer. Das liegt daran, dass die Sicherungsgrenzen utopisch hoch sind, rechnet man sie in Cent und Euro um. Beispiel Commerzbank: Einlagen sind bei dem vom Staat gestützten Kreditinstitut aktuell bis zur Höhe von 6,6 Milliarden Euro geschützt. Niemand hat so viel Geld auf dem Konto.

Unrealistisch hoch bleibt das Sicherungsversprechen selbst noch nach der Reduktion auf 8,75 Prozent ab 2025. Bemessungsgrundlage ist das haftende Eigenkapital einer Bank. Keiner weiß, wie hoch das bei der Commerzbank im Jahr 2025 sein wird, doch die Regulierung zwingt Banken, ihre Haftungspolster zu erhöhen. Wendet man die ab 2025 geltende Sicherungsgrenze auf das aktuelle Eigenkapital des Unternehmens an, wären immer noch rund 2,9 Milliarden Euro je Einleger geschützt.

Die Sicherungsgrenze für Spareinlagen bei privaten deutschen Banken sinkt mit dem Beginn des kommenden Jahres um ein Drittel auf 20 Prozent. Quelle: dpa

Bevor sich Sparer nun hinsetzen und ausrechnen, wie tief die Sicherungsgrenze ihrer jeweiligen Bank künftig sinken wird, sollten sie sich das Prinzip der Einlagensicherung klar machen. Dies beruht auf dem Versprechen der privaten Banken und ihrer Sicherungseinrichtung, die Kunden der angeschlossenen Mitgliedsinstitute zu entschädigen, wenn sie bei einer Pleite eines Mitgliedsinstituts Kontoguthaben verlieren.

Dabei sollte man die Begriffe „einer Pleite“ und „eines Mitgliedsinstituts“ durchaus wörtlich nehmen. Denn im Fall einer Systemkrise, die den ganzen Finanzsektor und damit mehr als eine Bank erfassen würde, wäre der Sicherungsfonds wohl weit überfordert. So musste schon bei der Entschädigung der Sparer, die angesichts der Finanzkrise von der Pleite des deutschen Ablegers der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers betroffen waren, eine Milliardengarantie der Steuerzahler in Anspruch genommen werden.

Das Präventions- und Solidaritätsprinzip

Wesentlich realistischer als die von den privaten Banken versprochene Einlagensicherung ist das Sicherungsversprechen der gesetzlichen Einlagensicherung. Sie schützt private Einlagen von Privatleuten und kleinen Unternehmen bis zur Höhe von 100.000 Euro und gilt mittlerweile europaweit. Für den durchschnittlichen Sparer ist der über die gesetzliche Einlagensicherung hinausgehende Schutz des Einlagensicherungsfonds der privaten Banken daher irrelevant. Die Abschmelzung der Sicherungsgrenzen muss ihn daher nicht interessieren.

Anders sieht es für Großkonzerne aus. Während die gesetzliche Einlagensicherung nur Privatkonten sowie Einlagen kleiner Unternehmen erfasst, gilt die private Einlagensicherung in Deutschland auch für Firmenkunden. Sie dürften ihre Einlagen angesichts sinkender Sicherungsgrenzen wohl stärker als bisher auf internationale Banken aufspalten. Denn der Einlagenschutz gilt je Anleger, nicht je Konto.

Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken muss die Debatte erst mal nicht interessieren. Die kommunalen und genossenschaftlichen Institute schützen ihre Kunden innerhalb ihrer Finanzverbünde. Es gilt das Präventions- und Solidaritätsprinzip. Strenge Kontrollen der Geschäftspolitik einzelner Institute sollen Pleiten verhindern. Kommt es trotzdem zu Ausfällen, kommt eine Haftungskaskade in Gang. Dabei helfen stärkere Mitglieder des Verbunds ihren kriselnden Kollegen.

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Wie schnell das Vertrauen in die diversen Sicherungssysteme der deutschen Kreditwirtschaft angesichts von Großkrisen erodiert, zeigt wieder einmal die Finanzkrise. Auf deren Höhepunkt sah sich Bundeskanzlerin Angela Merkel genötigt, ein generelles Sicherungsversprechen auf die Spareinlagen zu geben. Die Beruhigungspille entfaltete damals eine überwältigende psychologische Wirkung und war daher aus politischer Sicht ein genialer Schachzug. Verfassungsrechtler bemängeln allerdings, dass dieses Sicherungsversprechen von allerhöchster Stelle wegen der potenziell immensen Auswirkungen auf den Staatshaushalt ohne die Beteiligung des Bundestags keine juristische Bindung entfaltet.

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