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Erzeugerpreise und Verbraucherpreise Stärkster Anstieg der Inflation seit 70 Jahren: So sieht das in Grafiken aus

Höchster Anstieg der Inflation seit 1951. Quelle: Getty Images

Die Erzeugerpreise für gewerbliche Güter sind im Oktober so stark gestiegen wie seit dem Jahr 1951 nicht mehr. Es ist ein Vorgeschmack auf das, was noch droht – etwa bei Verbraucherpreisen.

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Der Blick auf neue Konjunkturdaten des Statistischen Bundesamts zählt für Deutschlands Analysten und Unternehmer zur beruflichen Routine. Doch am 29. November dürften sie besonders gespannt auf die Botschaft aus Wiesbaden warten: An diesem Tag geben die Statistiker eine erste Schätzung für die Inflationsrate im November ab – und diese könnte erstmals seit dem Jahr 1992 wieder über die Fünf-Prozent-Marke gestiegen sein.

Einen Vorgeschmack, was auf die Verbraucher zukommen könnte, hat das Bundesamt bereits heute geliefert: Nach seinen neusten Erhebungen sind die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Oktober um 18,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat nach oben geschossen. Ein derart hoher Preissprung wurde zuletzt mit 20,6 Prozent im November 1951 registriert. Selbst in der ersten Ölkrise 1974 war es nicht so schlimm. Die neuen Zahlen lägen „erheblich über den schlimmsten Befürchtungen“, sagt Jens-Oliver Niklasch von der LBBW. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit 16,2 Prozent gerechnet, nachdem die Steigerungsrate im September bei 14,2 Prozent gelegen hatte.

Preistreiber war nun einmal mehr der Energiebereich. Hier kletterten die Notierungen um 48,2 Prozent. Überproportional teurer wurden Erdgas (plus 81,4 Prozent) und Strom (plus 49,6 Prozent). Kräftige Preissprünge gab es zudem bei Nadelschnittholz (plus 91,8 Prozent) und Metallen (plus 37,8 Prozent). Für Düngemittel mussten Unternehmen knapp 27 Prozent mehr Geld auf den Tisch legen, Futtermittel für Nutztiere verteuerte sich um 22,6 Prozent.



Von den Erzeugerpreisen ist der Weg zu den Verbraucherpreisen nicht weit – sie gelten als Frühindikator für die Kosten, die am Ende der Konsument zu tragen hat. Denn einen Teil der Preissteigerungen für Vorleistungen und Rohstoffe müssen (und werden) die Unternehmen auf die Produktpreise überwälzen. Steigende Holzpreise etwa verteuern Spielzeug und Möbel, kostenträchtigeres Tierfutter und teurer Dünger schlägt auf Grundnahrungsmittel in den Supermärkten durch. Für viele Nahrungsmittel sind die Preise bereits nach oben geschossen. Beispiele gefällig? Butter im Oktober: plus 18,8 Prozent. Rindfleisch: plus 14,2 Prozent. Pflanzenöl: plus 48,3 Prozent.

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    Die steigenden Inflationszahlen bringen nun die Europäische Zentralbank (EZB) immer stärker unter Druck. Die EZB-Sitzung im Dezember dürfte daher zu den wichtigsten Notenbanktreffen der vergangenen Jahre zählen. Noch beteuert EZB-Christine Lagarde, der Anstieg der Inflationsrate sei nur vorübergehend - zumal es im Januar 2022 zu einem statistischen Basiseffekt kommt, der die Teuerungsraten automatisch absenkt. Doch dass der Anstieg der Verbraucherpreise wieder unter die von der Notenbank avisierten zwei Prozent fällt, glauben immer weniger Ökonomen – und die deutschen Unternehmer auch nicht. 86 Prozent der Firmenchefs fürchten vielmehr, dass die Teuerungsrate längerfristig über zwei Prozent bleibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Verbände Die Familienunternehmer und Die Jungen Unternehmer exklusiv für die WirtschaftsWoche.

    Immerhin: Bei den Erzeugerpreisen gibt es wie in den Vormonaten einen Ausreißer nach unten. Schweinefleisch wird immer billiger. Hier sanken die Notierungen im Oktober um rund fünf Prozent.

    Mehr zum Thema: Familienunternehmer warnen vor Lohn-Preis-Spirale 2022. Das geht aus der exklusiven Umfrage der Wirtschaftsverbände „Die Familienunternehmer“ und „Die Jungen Unternehmer“ für die WirtschaftsWoche hervor.

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