WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Essen ist Kulturhauptstadt "Dies ist eine Region im Aufbruch"

Seite 2/3

Wir brauchen beide Säulen, die traditionelle und die neue, nicht subventionierte Kultur?

Ja, eine allein reicht nicht mehr. Schon wegen der Alterung des Publikums. Unsere klassischen Konzerthäuser haben dasselbe Problem wie das ZDF, die Zuhörer sind im Durchschnitt knapp 60.

Dem Programm der Kulturhauptstadt wurde von der Kritik vorgeworfen, es habe weder Tiefgang noch Höhepunkte. Münden 2500 Veranstaltungen nicht automatisch in einer Feier der Beliebigkeit?

Das Feuilleton hätte natürlich am liebsten nur Hans Werner Henze, dessen Werk ein Schwerpunkt unseres Programms ist, es schert sich aber nicht um die Nachhaltigkeit des Programms, weil es glaubt, Kultur könne darauf verzichten. Das ist falsch. Außerdem kann es nicht darum gehen, auf das sowieso laufende Programm der Opern und Museen weitere Highlights einfach draufzusatteln.

Sondern?

Wir zeigen Perspektiven auf und setzen Signale, die zeigen: Dies ist eine Region im Aufbruch, der auch ein kultureller ist. Nachhaltigkeit bedeutet für eine Kulturhauptstadt vor allem, dass sie Mut zeigt bei den Themen Städtebau und urbane Entwicklung. Nehmen Sie nur das gigantische Vorhaben, die Kloake Emscher zu renaturieren und mit einer Kunst-Biennale zu verbinden, das Dortmunder U, die frühere Union-Brauerei, wo das erste Zentrum für kreative Industrie mit Schwerpunkt Medien und Medienkunst entsteht, die Scheidtschen Hallen, eine ehemalige Kammgarnspinnerei in Essen-Kettwig, für das die Werbebranche ein Umnutzungskonzept entwickelt hat, oder den Ausbau des Museums Küppersmühle am Duisburger Innenhafen – das sind europäische Modellprojekte, die weit über 2010 hinaus weisen.

Sie wollen „Leuchttürme der Kreativität“ schaffen. Ähnliches hat man schon mal versucht, mit dem Trickfilmzentrum in Oberhausen, aus dem dann nichts wurde. Was machen Sie anders?

Es hat keinen Sinn, künstlich Projekte zu implantieren, für die der nötige Humus fehlt. Das Ruhrgebiet ist nun mal kein Filmproduktionsstandort, aber ein interessanter Medienstandort mit Printlastigkeit. Wir verfolgen da einen integrativen Ansatz: Erst kommt die Debatte mit denen, um die es geht, mit den beteiligten Branchen. Dann kommt die Stadtplanung hinzu. Dass etwa im Dortmunder U ein Kreativzentrum entsteht, das sich mit Musik und Medien befasst, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es in unmittelbarer Nähe das Freizeitzentrum West gibt, das in Dortmund schon immer eine wichtige Rolle als Veranstalter gespielt hat. Das ergibt eine vielversprechende Kombination.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%