WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Euro-Austritt Mit der D-Mark zurück zu alter Stärke

Seite 2/2

Euro stabiler als D-Mark

Zum anderen verbilligt eine starke Währung die Importe. Weil rund 42 Prozent der deutschen Exporte aus importierten Vorprodukten bestehen, können die Exporteure die Kostenreduktion nutzen, um die Preise ihrer Exportprodukte zu senken. Auf diese Weise gleichen sie die aufwertungsbedingte Verteuerung zumindest in Teilen wieder aus.

Verlässt Deutschland die Euro-Zone, dürfte der Euro außerdem kräftig an Wert verlieren. Zumindest wenn es im Rahmen eines solchen Austritts nicht zu anderweitigen Turbulenzen kommt, würde das die Exporte und die Konjunktur der restlichen Euro-Länder ankurbeln und so die Absatzchancen deutscher Anbieter auf diesen Märkten verbessern. Der Effekt für die deutsche Volkswirtschaft wäre beachtlich: Studien zeigen, dass ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Ausland um ein Prozent die deutschen Exporte um mehr als zwei Prozent erhöht. Legt im Gefolge der Euro-Abwertung das BIP der Euro-Länder um 2,5 Prozent zu, erhöht dies die Exporte um fünf Prozent. Das reicht aus, um die dämpfende Wirkung einer zehnprozentigen D-Mark-Aufwertung auszugleichen. Insgesamt dürften die deutschen Exporteure zumindest mit einer moderaten Aufwertung besser zurechtkommen als gemeinhin erwartet.

Böses Erwachen für Sparer

Mehr Probleme entstünden den Besitzern von Auslandsvermögen. In den vergangenen Jahrzehnten hat Deutschland hohe Exportüberschüsse erzielt und das verdiente Geld im Ausland angelegt. Ende vergangenen Jahres belief sich das Nettoauslandsvermögen der Bundesrepublik auf 1049 Milliarden Euro. Dazu zählen Wertpapiere, Beteiligungen und Immobilien. Wertet die D-Mark gegenüber anderen Währungen auf, schrumpft der Gegenwert des Auslandsvermögens in D-Mark. Je nachdem, wie heftig eine Aufwertung ausfallen würde, könnte das für manchen Sparer und Investor ein böses Erwachen bedeuten, wenn die Lebensversicherung plötzlich weniger auszahlt oder die Ferienimmobilie massiv an Wert verliert. Andererseits blieben durch den Ausstieg aus der Euro-Zone hohe Transferzahlungen an die Krisenländer erspart. Diese dürften sich nach Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Kai Konrad auf mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.

Euro-Befürworter verweisen gern darauf, dass der Euro bisher stabiler war als die D-Mark. Tatsächlich hat die Gemeinschaftswährung den Deutschen in der vergangenen Dekade eine Teuerungsrate von nur 1,5 Prozent pro Jahr beschert. Dagegen lag die Inflationsrate unter dem Regime der D-Mark in den Neunzigerjahren im Schnitt bei 2,4 Prozent.

Passende Zinssätze

Allerdings ist dieser Vergleich verzerrt. So hat der Lohnschock im Gefolge der Wiedervereinigung die Preise kräftig steigen lassen. Es dauerte einige Zeit, bis es der Bundesbank gelang, die Inflation durch Zinserhöhungen wieder zu senken. Dagegen profitierte die Europäische Zentralbank in den vergangenen zehn Jahren von den inflationsdämpfenden Wirkungen der Globalisierung. Billigimporte aus China und anderen Schwellenländern drückten die Preise und erleichterten den Währungshütern den Job.

Kehrte Deutschland zur D-Mark zurück, müsste die Bundesbank wieder die Geldversorgung übernehmen. Die nötige Expertise und die technische Infrastruktur dazu besitzen die Frankfurter Notenbanker. Denn auch in der Währungsunion wickeln sie die Offenmarktgeschäfte mit den Geschäftsbanken ab. Zudem haben sie weiterhin den uneingeschränkten Zugriff auf die nationalen Währungsreserven von 163 Milliarden Euro, darunter Gold, Devisen und Wertpapiere.

Mehr Flexibilität

Logistisch wäre es ein Kraftakt, rasch genügend D-Mark-Scheine zu drucken und Münzen zu prägen, um Bürger und Unternehmen mit ausreichend Bargeld zu versorgen. Allerdings dürfte die Rückkehr zur D-Mark nicht über Nacht erfolgen. Damit bliebe genügend Zeit, die Wiedereinführung von D-Mark-Münzen und -Scheinen vorzubereiten.

Der größte Vorteil einer Rückkehr zur D-Mark bestünde darin, dass die Bundesbank die Leitzinsen besser auf die wirtschaftlichen Bedingungen im Inland zuschneiden könnte. Anders als die EZB, die auf die kränkelnden Krisenländer der Euro-Zone Rücksicht nehmen muss, würde die Bundesbank die Leitzinsen angesichts der boomenden Konjunktur derzeit wohl stärker anheben – und damit den Inflationsgefahren rechtzeitig vorbeugen.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%