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Euro-Austritt Mit der D-Mark zurück zu alter Stärke

Die Bürger lehnen den Euro ab, deutsche Konzerne verteidigen ihn. Fakt ist: Ein Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone wäre ein gewagtes Unterfangen. Doch es hätte so manche Vorteile für das Land.

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Eine Frau zeigt ein so Quelle: REUTERS

Für die Chefs deutscher Konzerne ist der Fall klar. „Der Euro ist notwendig“, verkündeten sie jüngst apodiktisch in ganzseitigen Anzeigen in deutschen und französischen Tageszeitungen. Mit der Kampagne wollten sie die Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung stützen – und eine Lanze für die Währungsunion brechen.

Ob ihnen das gelungen ist, ist jedoch fraglich. Einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge haben 71 Prozent der Bundesbürger kein Vertrauen mehr in den Euro. 68 Prozent bezweifeln, dass die Rettungsprogramme den Euro dauerhaft stabilisieren.

Zwölf Jahre nach seiner Einführung ist der Ruf des Euro ruiniert, viele Deutsche sehnen sich nach der D-Mark zurück. Doch welche Folgen hätte ein Leben ohne den Euro? Wäre die Rückkehr zur D-Mark -Segen oder Fluch für Deutschland?

Umtauschkosten steigen

In einer Umfrage der Managementberatung Kienbaum für den Bundesverband mittelständische Wirtschaft gaben 19 Prozent der befragten Unternehmen an, der größte Vorteil des Euro für sie sei, dass er Währungsrisiken beseitige. Ebenfalls 19 Prozent sahen im vereinfachten Zahlungs- und Warenverkehr, 14 Prozent in der erhöhten Preistransparenz die größten Vorteile des Euro.

Träte Deutschland aus der Euro-Zone aus, entstünden Unternehmen und Bürgern Kosten für den Währungsumtausch und die Absicherung gegen Wechselkursschwankungen. Experten schätzen deren Höhe auf 0,5 bis 1,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das entspricht 12,5 bis 25 Milliarden Euro. Dass Wechselkursrisiken den Güterhandel bremsen, wie viele Euro-Befürworter behaupten, lässt sich jedoch nicht belegen. So ist der Anteil der Euro-Länder an den deutschen Warenexporten seit Einführung des Euro von 46,4 auf 41,3 Prozent gesunken. Offenbar haben die Exporte in andere Länder stärker zugelegt als die Ausfuhren in die Währungsunion, obwohl die Lieferungen in den Rest der Welt mit Wechselkursrisiken behaftet sind. Die These, der Euro habe den Handel innerhalb Europas beflügelt, lässt sich somit zumindest für Deutschland nicht halten.

Boom trotz Aufwertung

Kehrte Deutschland zur D-Mark zurück, würde die neue alte Währung im Zuge massiver Kapitalzuflüsse wohl kräftig aufwerten. Ein Einbruch der Exporte wäre dennoch nicht zu erwarten, das legen zumindest ökonometrische Studien nahe. Darin zeigt sich, dass die Wechselkurse nicht die allein entscheidende Bestimmungsgröße für die deutschen Exporte sind. Wertet der reale effektive Außenwert um ein Prozent auf, gehen die Exporte nur um 0,5 Prozent zurück. Grund für diesen relativ schwachen Effekt ist zum einen, dass deutsche Unternehmen vielfach als Weltmarktführer in Nischenmärkten operieren. Für die Abnehmer sind die Qualität der Waren made in Germany und deren Zuschnitte von so zentraler Bedeutung, dass der Preis bei der Kaufentscheidung in den Hintergrund tritt.

Euro stabiler als D-Mark

Zum anderen verbilligt eine starke Währung die Importe. Weil rund 42 Prozent der deutschen Exporte aus importierten Vorprodukten bestehen, können die Exporteure die Kostenreduktion nutzen, um die Preise ihrer Exportprodukte zu senken. Auf diese Weise gleichen sie die aufwertungsbedingte Verteuerung zumindest in Teilen wieder aus.

Verlässt Deutschland die Euro-Zone, dürfte der Euro außerdem kräftig an Wert verlieren. Zumindest wenn es im Rahmen eines solchen Austritts nicht zu anderweitigen Turbulenzen kommt, würde das die Exporte und die Konjunktur der restlichen Euro-Länder ankurbeln und so die Absatzchancen deutscher Anbieter auf diesen Märkten verbessern. Der Effekt für die deutsche Volkswirtschaft wäre beachtlich: Studien zeigen, dass ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Ausland um ein Prozent die deutschen Exporte um mehr als zwei Prozent erhöht. Legt im Gefolge der Euro-Abwertung das BIP der Euro-Länder um 2,5 Prozent zu, erhöht dies die Exporte um fünf Prozent. Das reicht aus, um die dämpfende Wirkung einer zehnprozentigen D-Mark-Aufwertung auszugleichen. Insgesamt dürften die deutschen Exporteure zumindest mit einer moderaten Aufwertung besser zurechtkommen als gemeinhin erwartet.

Böses Erwachen für Sparer

Mehr Probleme entstünden den Besitzern von Auslandsvermögen. In den vergangenen Jahrzehnten hat Deutschland hohe Exportüberschüsse erzielt und das verdiente Geld im Ausland angelegt. Ende vergangenen Jahres belief sich das Nettoauslandsvermögen der Bundesrepublik auf 1049 Milliarden Euro. Dazu zählen Wertpapiere, Beteiligungen und Immobilien. Wertet die D-Mark gegenüber anderen Währungen auf, schrumpft der Gegenwert des Auslandsvermögens in D-Mark. Je nachdem, wie heftig eine Aufwertung ausfallen würde, könnte das für manchen Sparer und Investor ein böses Erwachen bedeuten, wenn die Lebensversicherung plötzlich weniger auszahlt oder die Ferienimmobilie massiv an Wert verliert. Andererseits blieben durch den Ausstieg aus der Euro-Zone hohe Transferzahlungen an die Krisenländer erspart. Diese dürften sich nach Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Kai Konrad auf mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.

Euro-Befürworter verweisen gern darauf, dass der Euro bisher stabiler war als die D-Mark. Tatsächlich hat die Gemeinschaftswährung den Deutschen in der vergangenen Dekade eine Teuerungsrate von nur 1,5 Prozent pro Jahr beschert. Dagegen lag die Inflationsrate unter dem Regime der D-Mark in den Neunzigerjahren im Schnitt bei 2,4 Prozent.

Passende Zinssätze

Allerdings ist dieser Vergleich verzerrt. So hat der Lohnschock im Gefolge der Wiedervereinigung die Preise kräftig steigen lassen. Es dauerte einige Zeit, bis es der Bundesbank gelang, die Inflation durch Zinserhöhungen wieder zu senken. Dagegen profitierte die Europäische Zentralbank in den vergangenen zehn Jahren von den inflationsdämpfenden Wirkungen der Globalisierung. Billigimporte aus China und anderen Schwellenländern drückten die Preise und erleichterten den Währungshütern den Job.

Kehrte Deutschland zur D-Mark zurück, müsste die Bundesbank wieder die Geldversorgung übernehmen. Die nötige Expertise und die technische Infrastruktur dazu besitzen die Frankfurter Notenbanker. Denn auch in der Währungsunion wickeln sie die Offenmarktgeschäfte mit den Geschäftsbanken ab. Zudem haben sie weiterhin den uneingeschränkten Zugriff auf die nationalen Währungsreserven von 163 Milliarden Euro, darunter Gold, Devisen und Wertpapiere.

Mehr Flexibilität

Logistisch wäre es ein Kraftakt, rasch genügend D-Mark-Scheine zu drucken und Münzen zu prägen, um Bürger und Unternehmen mit ausreichend Bargeld zu versorgen. Allerdings dürfte die Rückkehr zur D-Mark nicht über Nacht erfolgen. Damit bliebe genügend Zeit, die Wiedereinführung von D-Mark-Münzen und -Scheinen vorzubereiten.

Der größte Vorteil einer Rückkehr zur D-Mark bestünde darin, dass die Bundesbank die Leitzinsen besser auf die wirtschaftlichen Bedingungen im Inland zuschneiden könnte. Anders als die EZB, die auf die kränkelnden Krisenländer der Euro-Zone Rücksicht nehmen muss, würde die Bundesbank die Leitzinsen angesichts der boomenden Konjunktur derzeit wohl stärker anheben – und damit den Inflationsgefahren rechtzeitig vorbeugen.

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