WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Euro-Zone Duell um die Rettungshoheit in der Euro-Krise

Seite 6/6

Bekenntnis zum Euro

Johannes Müller, bei der Deutschen- Bank-Tochter DWS Chefvolkswirt für das Rentenfondsmanagement, erhofft sich gar die Wiederholung der Generalversicherung der Bundeskanzlerin aus dem Jahr 2008: „Als die Gefahr bestand, dass die Sparer ihre Konten leer räumen, reichte die Merkel-Garantie auf Spareinlagen mit zwei Minuten Sendezeit und einem treuen Blick in die Kameras – und das Vertrauen war wieder hergestellt.“ Ein solches umfassendes Bekenntnis zum Euro bräuchte es auch jetzt. „Beim Rettungsschirm würde ich keine Höchstsummen mehr draufschreiben – wichtiger ist die Glaubwürdigkeit.“ Denn im kommenden Jahr müssten die Euro-Staaten 1,2 Billionen Euro umfinanzieren und weitere 400 Milliarden für zusätzliche Neuverschuldung auftreiben. „Es funktioniert eben nicht, dass die Politiker auf der einen Seite die Folterwerkzeuge zeigen und Investoren an Verlusten beteiligen wollen – sie aber auf der anderen Seite die Hand aufhalten und fragen: Wer finanziert uns 2011 mehr als 1,6 Billionen Euro unserer Schulden?“

EZB mischt sich ein

Ein Kompromiss in den nächsten Monaten könnte darauf hinauslaufen, den Rettungsschirm weniger stark zu besichern, um das bestehende Volumen besser nutzen zu können. Die Bundesregierung versucht inzwischen, ihre Beziehungen zur EZB zu kitten. „Wir müssen alles tun“, sagt der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef und Merkel-Vertraute Michael Meister, „um die Unabhängigkeit der EZB zu gewährleisten – und zwar von allen Seiten.“ Mit wachsendem Unbehagen nimmt Berlin die Forderungen aus schwächelnden Staaten und von besorgten Banken zur Kenntnis, die EZB solle doch immer stärker intervenieren. Jetzt will Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen, damit die EZB, so Meister, „wie einst die Deutsche Bundesbank allseits als währungspolitischer Souverän respektiert wird“.

Aber auch die umgekehrte politische Einflussnahme sollte unterbleiben, macht CDU-Spitzenpolitiker Meister deutlich und hält die „externe Kommunikation bei der EZB für verbesserungsfähig“. Zu oft melden sich Mitglieder des EZB-Direktoriums öffentlich zu Wort und mischen sich dabei in Angelegenheiten, die Sache der Staats- und Regierungschefs sind. So gerade erst EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark – ausgerechnet ein Deutscher – , der per Interview die Bundesregierung von Steuererleichterungen in den nächsten beiden Jahren abhalten möchte.

Für den Euro bluten und keine Steuersenkungen – eine schöne Bescherung für die Bundesbürger.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%