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"Europa braucht den Euro nicht" Thilo Sarrazin schreibt den Euro ab

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Fazit: Viel Wahres, wenig Neues

 

Wie viel der Euro wirklich wert ist
Euro oder Gold
Der Euro im Währungsmix...
...und gegenüber dem DollarGemessen an der US-Währung hatte der Euro einen schwachen Start – dann stieg er kräftig an und erreichte im April 2008 mit fast 1,60 Dollar seinen höchsten Wert. Doch mit Ausbruch der Finanzkrise sackte er ab.
Bislang kein Teuro
Schwellenländer holen aufDie Währungen der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) gewinnen an Bedeutung. Der Euro wertete seit Ausbruch der Krise gegenüber diesen Währungen ab (Index 2000 = 100; Quelle: Thomson Reuters).

Was also bleibt nach 417 Seiten Sarrazin? Insbesondere die Erkenntnis, dass der Autor die Grundprobleme des Euro treffend schildert. Natürlich war es ein Riesenfehler, den Euro einzuführen, bevor Europa politisch zusammengewachsen ist. Griechenland hätte nicht in die Währungsgemeinschaft aufgenommen werden dürfen – und ja, 2010 wäre es wohl besser gewesen, Griechenland kontrolliert pleite gehen zu lassen und anstatt den Kollaps mit hunderten von Milliarden hinauszuzögern.  

Allerdings ist auch klar: Neu sind diese Schlussfolgerungen nicht. Sie sind inzwischen größtenteils politischer Konsens. Was daraus folgt, verschweigt Sarrazin. Er verliert kein Wort über einen optimalen Währungsraum, in dem der Euro für Wohlstand und Beschäftigung sorgen könnte. Und welche Perspektive hat Griechenland? Braucht das Land eine Wiederaufbau-Initiative? Verdient es sie überhaupt? Hier hätte der Sozialdemokrat Neuland betreten und neue Denkanstöße liefern können. Diese Chancen lässt Sarrazin ungenutzt. 

In Arbeit
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Lesefreude kommt selten auf

Weiteres Manko: Sarrazin bietet mit seinem Buch eine rein ökonomische Analyse. Dass der Euro zur Integration beiträgt, dass er das Gemeinschaftsgefühl von 327 Millionen Menschen stärkt, blendet der Ex-Bundesbanker aus. Auch die Frage, welche Rolle ein autonomes Deutschland mit seiner alternden Bevölkerung in der Welt ohne Rückhalt der Europäischen Union spielen würde, bleibt ungeklärt.

Seine populistischen Ausflüge hätte sich Sarrazin schenken können. Sie sind größtenteils unsinnig und helfen auch nicht, dass ansonsten trockene, auf Zahlen basierte Buch, aufzupeppen. Dass Sarrazin auch unterhaltsam sein kann, zeigen seine Beschreibungen des Schlingerkurses der Bundeskanzlerin. „Angela Merkel, deren Stimme sich genauso wie die der freundlichen Frau im Navigator meines Autos anhört, scheint auch exakt diese Funktion wahrzunehmen: Wenn ich offenbar falsch gefahren bin, höre ich für einige Zeit ,Wenn möglich, bitte wenden’ und dann, wenn die Abweichung sich vergrößert hat, höre ich ,Bitte links abbiegen’. Hat der Wagen das kartographierte Gelände verlassen, meldet die freundliche Stimme: ,Das Ziel liegt in der angegebenen Richtung’.“

Doch insgesamt kommt nur selten Lesefreude auf. Das liegt nicht nur an Sarrazin, sondern vor allem an der (richtig geschilderten) Krise der Gemeinschaftswährung: In Griechenland, Frankreich und den Niederlanden gewinnen anti-europäische, extreme Parteien rasant an Zulauf. In allen Ländern der Eurozone – nur Deutschland bildet die Ausnahme – schrumpfen Wohlstand und Vertrauen in die Währung. Europa droht zurückzufallen, der Euro zu scheitern.

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