Europawahl Seehofer wirft Huber parteischädigendes Verhalten vor

Das Ergebnis der CSU bei der Europawahl war schlecht; die Kritik an Parteichef Seehofer laut. Nun wehrt er sich und wirft seinem Vorgänger parteischädigendes Verhalten vor.

Merkel: "Das ist kein CSU-Problem, das ist ein Unionsproblem"
CDU-Vorsitzende Angela Merkel lehnt jede Zusammenarbeit mit der AfD ab, dazu gebe es eine einhellige Meinung in den CDU-Gremien, die Union müsse sich aber um deren Wähler und deren Sorgen kümmern. Zum Absturz der Schwesterpartei CSU bei der Europawahl, der zum Teil auf den Umgang mit der AfD zurückgeführt wird, sagte sie: „Das ist kein CSU-Problem, das ist ein Unionsproblem insgesamt.“ CSU-Chef Horst Seehofer übte nach den Verlusten seiner Partei Selbstkritik, schloss aber personelle Konsequenzen aus. Quelle: Reuters
CSU-Chef Horst Seehofer zeigt sich nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei zwar geknickt, schließt für sich aber Konsequenzen aus.
AfD-Spitzenkandidat Bernd Lucke freut sich über das Ergebnis: Die euro-kritische Partei hat bei ihrer ersten Europawahl am Sonntag nach Prognosen von ARD und ZDF aus dem Stand über sechs Prozent erzielt. Lucke sagte in einer ersten Reaktion:
Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel lobt Martin Schulz in den höchsten Tönen: „Das Wahlergebnis trägt einen Namen und der lautet Martin Schulz.
Der deutsche Sozialdemokrat und Spitzenkandidat für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten Martin Schulz gibt sich hingegen bescheiden:
Die SPD sieht sich als Sieger der Europawahl, sie ist nach den Hochrechnungen aber klar zweite Kraft mit gut 27 Prozent. Thomas Oppermann, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, hat seiner Partei ein „fantastisches Ergebnis“ bescheinigt. Die SPD habe mit einem Zuwachs von voraussichtlich mehr als sechs Prozentpunkten den „höchsten Zuwachs aller Zeiten“ bei einer bundesweiten Wahl erreicht, sagte er. Aus seiner Sicht hat Martin Schulz nun gute Chancen, Präsident der EU-Kommission zu werden. Quelle: dpa
Dass die SPD sich selbst so feiert, löst bei vielen Twitterern Spott aus. Quelle: Screenshot

CSU-Chef Horst Seehofer hat seinem Vorgänger Erwin Huber wegen dessen anhaltender Kritik am eigenen Führungsstil parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. „Was Erwin Huber sagt, das kann wirklich niemanden überraschen. Das macht er seit sechs Jahren - manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Intensität“, sagte Seehofer der „Augsburger Allgemeinen“ (Donnerstagsausgabe). „Aber das hat nur eine Wirkung, eine einzige: Das schadet der CSU, sonst gar nix.“ Nach der jüngsten Wahlpleite der Christsozialen bei der Europawahl hatte Huber Seehofer autoritäres Gehabe vorgeworfen. Zugleich hatte er rasche Klarheit über die Nachfolge von Seehofer gefordert.

Seehofer lehnte eine vorgezogene Personaldebatte ab. „Es gibt überhaupt keinen Anlass, holterdiepolter die Zukunft zu regeln“, sagte der bayerische Ministerpräsident. „Ja, sollen wir jetzt dreieinhalb Jahre bis 2017 eine Personaldebatte führen? Da sag' ich: Dann brauchen wir über die Verteilung der Positionen nach der Wahl nicht mehr zu reden, weil wir dann nichts mehr zu verteilen haben.“ Das schwache Abschneiden bei der Europawahl sei ein „Warnschuss“ gewesen, betonte Seehofer. Seit November habe es „diese Debatte über den Führungsstil“ gegeben, kritisierte Seehofer und schlussfolgerte: „Diese Neigung zur Selbstbeschäftigung gefällt den Leuten nicht.“

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Nach der scharfen Attacke des früheren Parteivorsitzenden Erwin Huber bekommt CSU-Chef Horst Seehofer Flankenschutz von der Spitze der CSU-Landtagsfraktion. Die CSU solle keine Personaldebatten führen, sagte Fraktionschef Thomas Kreuzer am Mittwoch nach Teilnehmerangaben in einer Sitzung in München. Huber hatte in einem „Spiegel“-Interview Seehofers Führungsstil heftig kritisiert und seinem Nachfolger autoritäres Gehabe vorgeworfen. Kreuzer nannte Huber zwar nicht namentlich, wurde aber trotzdem deutlich: Das sei kein Stil, sagte er. Auch Seehofer selbst wies die Kritik zurück: „Diese ganze Personenbeschreibung hat mit der Realität überhaupt nichts zu tun“, sagte der Ministerpräsident am Rande einer Landtagssitzung. In der Fraktionssitzung bezeichnete er einen Pressebericht, wonach er Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bereits als nächsten Parteivorsitzenden ausgewählt habe, als „Quatsch“.

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