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Ex-Wirecard-Chef „Ich wohne derzeit in der JVA Augsburg“

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„Können Sie Titel ihrer Doktorarbeit nennen?“

SPD-Obmann Jens Zimmermann wiederum will mehr zu Brauns Beziehungen in seine Heimat Österreich wissen. Er habe ja offenbar den Wahlkampf der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) mit großzügigen Spenden unterstützt. „Haben Sie das als Privatmann getan?“ Und ob er sich mit seinem inzwischen untergetauchten Finanzchef Jan Marsalek darüber ausgetauscht habe. „Gab es einen strategischen Ansatz, Geschäfte im Auftrag der österreichischen Regierung abzuwickeln?“

Braun bleibt hart: „Ich werde mich heute nicht zu Sachverhalten außerhalb meines Statements äußern.“

Zimmermanns Parteigenossin Cansel Kiziltepe versucht es gleich mit der ganz großen Frage: „Ist Ihnen bewusst, dass Sie dem Wirtschaftsstandort Deutschland großen Schaden zugeführt haben? Ist Ihnen bewusst, dass Ihr Schweigen auch Menschen mit in den Abgrund zieht?“ Und ob er sein Geschäftsmodell für moralisch wirklich richtig halte.

Braun bleibt ungerührt: „Ich werde mich heute nicht abweichend von meinem Statement äußern.“

Wie viele ungeklärte Fragen es vor allem zu Brauns Beziehungen und Kontakten in die Politik gibt, macht FDP-Finanzexperte Florian Toncar noch einmal deutlich:

„Was waren die Inhalte des Gesprächs am 5. November 2019 zwischen Ihnen und Staatssekretär Jörg Kukies?“

„Seit wann kennen Sie Kukies?“

„Haben Sie schon einmal mit Olaf Scholz gesprochen? Haben Sie schonmal mit Mitgliedern der Bundesregierung gesprochen?“

„Wurde in dem Gespräch mit Kukies über eine mögliche Übernahme der Deutschen Bank gesprochen?

„Warum wollten Sie Ende 2018 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen? Warum haben Sie den Kontakt zu Merkels Wirtschaftsberater Lars-Hendrick Röller gesucht?“

„Was war der Inhalt ihres Gesprächs mit Staatsministerin Dorothee Bär?“

„Kennen Sie Herrn Karl Theodor zu Guttenberg?“

„Wissen Sie etwas über die Tätigkeit von Ole von Beust für Wirecard?“

Markus Braun vorm Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Quelle: dpa

„Hat Wirecard Dienstleistungen für ausländische Geheimdienste erbracht?“

„Was haben Sie im Frühjahr 2019 mit Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing beraten?“

Braun bleibt abweisend: „Ich werde mich heute nicht abweichend von meinem Statement äußern.“

Toncar immer noch freundlich: „Dankeschön!“

Fabio De Masi, Obmann der Linksfraktion im Ausschuss, lässt dann erstmal die Mikrofone vor Braun richten. „Damit ich Blickkontakt habe“. Er freue sich, so De Masi, dass „wir endlich die Gelegenheit haben“. Auch er beginnt mit einer Frage, die Braun nicht belasten könnte. „Ist es zutreffend, dass Sie eine Tochter haben?“

Braun setzt an: „Ich werde...“

De Masi lässt ihn gar nicht erst richtig ausreden. Die Frage sei wichtig, schließlich interessiere ihn: „Haben Sie Kenntnisse, dass Wirecard Zahlungen für Kinderpornografie abgewickelt hat?“

Braun verweigert die Antwort.

De Masi sagt, er wolle sich einen Eindruck machen, und hat noch eine leichte Frage parat: „Können Sie den Titel ihrer Doktorarbeit nennen?“

Braun will nicht. Er könne sich dazu heute nicht äußern. Das wiederum will De Masi so nicht stehen lassen: „Sie können schon, das ist ja Ihre Entscheidung.“

Langsam wird es wirklich absurd.

Er habe vorerst keine weiteren Fragen, sagt der Linken-Politiker, möchte aber darauf hinweisen, „dass ich die ganze Nacht Zeit habe“.

Der ehemalige Chef von Wirecard, Markus Braun, sitzt am Tisch vor seiner Aussage vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Quelle: dpa

Als Letzter in der Runde, die den Fraktionen je nach ihrer Stärke im Parlament Redezeit zugesteht, ist Danyal Bayaz an der Reihe. Er habe den Eindruck, sagt der Grünen-Politiker, es seien jetzt noch nicht alle Fragen beantwortet.

„Können Sie mir Ihr Geburtsdatum nennen?

Braun kann: „5.11.1969“.

Immerhin. Aber auch Bayaz bekommt nicht wirklich etwas aus dem Ex-Wirecard-Chef heraus. Ob er dann sein Statement einfach noch einmal vorlesen könne, fragt Bayaz. „Damit wir es auch vollständig verstanden haben.“

Also liest Braun sein Statement zum zweiten Mal vor.


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Nach gut einer Stunde unterbrechen die Abgeordneten die Sitzung. Sie wollen das weitere Vorgehen beraten, auch prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten sie haben. Denn Braun, so die allgemeine Einschätzung, habe bei vielen der gestellten Fragen eben kein Aussageverweigerungsrecht.

Nach kurzer Beratung geht es weiter. Die Abgeordneten bemühen sich, in einer zweiten Fragerunde doch noch ein bisschen mehr zu erfahren. Vergeblich. Braun fasst sich jetzt etwas kürzer in seiner Verweigerung: „Ich verweise auf mein Statement.“

Braun werde sicher noch einmal vorgeladen, kündigte der Ausschussvorsitzende Gottschalk (AfD) an. Hauer (CDU) und Bayaz (Grüne) warfen Braun vor, sich gegenüber Parlament und Öffentlichkeit respektlos verhalten zu haben. „Er trickst, er verfolgt rücksichtslos den eigenen Vorteil“, betonte Toncar (FDP). De Masi (Linke), bezeichnete Braun als „lebendigste Mumie“, die er je erlebt habe. Zimmermann (SPD) sagte, es werde „immer enger“ für Braun, weil Weggefährten von ihm mit Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden kooperieren wollten.

Der Ausschuss will nun rechtlich prüfen lassen, welche der vielen gestellten Fragen Braun beantworten muss – und ob gegen ihn ein Ordnungsgeld verhängt werden kann.

Mehr zum Thema: Ein Check in vier Schritten für Wirecard-Geschädigte, die gegen den Konzern oder den Wirtschaftsprüfer EY auf Schadensersatz klagen wollen.

Mit Material von dpa

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