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Exklusive Umfrage Deutschlands Entscheider wollen Annalena Baerbock

Exklusiv
Annalena Baerbock lässt Armin Laschet in einer exklusiven Umfrage unter deutschen Führungskräften hinter sich. Quelle: Imago

Das neueste WirtschaftsWoche-Entscheiderpanel offenbart, wem Führungskräfte das Land nach Angela Merkel anvertrauen wollen: der grünen Kanzlerkandidatin. Für Armin Laschet hingegen sind die Umfrageergebnisse ein weiterer Tiefschlag.

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Als Annalena Baerbock am Montag ihre Antrittsrede als Kanzlerkandidatin der Grünen hielt, griff sie eine mögliche Schwäche direkt selbst auf: ihre fehlende Regierungserfahrung. „Ja, ich war noch nie Kanzlerin, noch nie Ministerin“, sagte sie. Um sofort eine andere, ihre Interpretation anzubieten: „Ich trete an für Erneuerung. Für den Status Quo stehen andere.“

Bei Deutschlands Führungskräften aus Wirtschaft und Verwaltung scheint die Umdeutung zu verfangen. Sie sind offenbar überzeugt davon, dass Baerbocks vermeintliche Schwäche eine Stärke ist; dass sie halten kann, was sie verspricht: einen neuen Spirit ins Kanzleramt zu bringen. Und sie werten diese Ambitionen höher als Expertise im Regieren. Jedenfalls ist das die Botschaft des neuen WirtschaftsWoche-Entscheiderpanels: 26,5 Prozent der deutschen Entscheider würden sich für die Grüne entscheiden, wenn sie die Kanzlerin oder den Kanzler direkt wählen könnten. Damit schafft sie es auf Platz 1.

Für die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, die exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt wird, wurden in den vergangenen Tagen mehr als 1500 Führungskräfte aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung befragt, dazu Selbstständige mit mehr als zehn Mitarbeitern. Diese Zahlen sind ein weiterer demoskopischer Beleg dafür, dass die Grünen gerade dabei sind, sich ganz vorn im Parteienspektrum zu etablieren.



Über das WiWo-Entscheiderpanel

Für das WirtschaftsWoche-Entscheiderpanel hat Civey am 20. und 21. April 2021 rund 1500 Führungskräfte aus Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst befragt.

WiWo Entscheiderpanel

Die Konkurrenz der Kanzler- und Spitzenkandidaten sieht dagegen unterschiedlich schwach aus. FDP-Chef Christian Lindner schafft es in der Klientel, der liberale Grundsätze wichtig sein dürften, immerhin auf Platz zwei mit respektablen 16,2 Prozent. Eine weitere schlechte Botschaft birgt das Entscheiderpanel hingegen für Armin Laschet. Der CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident ist wahrlich kein Feind der Wirtschaft, aber trotz seines Sieges im Machtkampf mit Markus Söder (CSU) trauen ihm Manager und Führungskräfte offenbar nicht zu, das Kanzleramt zu erobern. Für ihn würden gerade mal 14,3 Prozent stimmen.

Nur einer schneidet noch schlechter ab: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit 10,3 Prozent. Die allgemeinen Beliebtheitswerte des Finanzministers beeindrucken Deutschlands Führungskräfte eher nicht – und auch auf die Wahrnehmung der SPD insgesamt hat Scholz bisher keinen nachhaltig positiven Einfluss gehabt. Die Hoffnung von ihm, Lindner und Laschet liegt noch auf der großen Zahl an Unentschlossenen. Ein knappes Drittel der Entscheider – 32,5 Prozent – konnte sich bisher für keinen der vier erwärmen.

„Es zählt jetzt, was alles geht“, sagte Baerbock in ihrer Rede. Sie sprach von „Neuanfang“, vom Entfesseln, lobte ein Land, „in dem so viel steckt“. Sie trifft damit wohl am ehesten den Nerv von Führungskräften, die den pandemischen Offenbarungseid an vielen Stellen nicht mehr hinnehmen wollen und die sich nach 16 Jahren Angela Merkel tatsächlich nach jemandem sehnen, der glaubhaft Aufbruch verkörpert.

Und dann kommt noch etwas anderes hinzu: Der bisherige Umfrageliebling der Entscheider, CSU-Chef Markus Söder, ist aus im Rennen, das Feld sortiert sich neu. Derzeit zugunsten der Grünen.


Dieser Artikel wurde am 23. April mit Details der Stichprobe der repräsentativen Umfrage ergänzt.

Mehr zum Thema: Laschet? Merz? Führungskräfte bevorzugen Söder als Kanzlerkandidat, zeigte das WiWo-Entscheiderpanel aus dem Januar. Es zeichnete sich da bereits eine erkaltende Liebe zu Friedrich Merz ab.

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