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Exklusives Ranking Das sind Deutschlands beste Öko-Städte

Umweltschutz beginnt oft im Kleinen und jenseits globaler Klimakonferenzen. Der große WirtschaftsWoche-Städtetest sagt, welche deutschen Städte sich ökologische Sporen verdienen – und wo es den Umwelt- und Klimaschutz vor allem auf dem Papier und in Sonntagsreden gibt.

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Lässt sich die Nachhaltigkeit eines Unternehmens in, sagen wir Stuttgart, objektiv messen – oder gar mit der eines Konkurrenten in, sagen wir Hamburg, vergleichen? Wohl kaum. Die gute Nachricht aber lautet: Mit Hilfe künstlicher Intelligenz kann man sich dem Thema zumindest annähern. Wissenschaftler der IW Consult GmbH in Köln haben jetzt exklusiv für die WirtschaftsWoche per „Webcrawling“ die Internetseiten von bundesweit rund 360.000 Unternehmen nach Schlüsselbegriffen und „Wortwolken“ durchforstet. Gesucht: alle Indizien, die auf einen nachhaltigen Fokus hindeuten, vor allem Leitbegriffe aus den Bereichen Recycling, Ressourceneffizienz, Klimaschutz und alternative Treibstoffe.

Das erstaunliche Ergebnis: Legt man diese Methodik zugrunde, ist die lokale Wirtschaft in Osnabrück und Freiburg bundesweit am nachhaltigsten unterwegs. Hier liegt der Anteil der Unternehmen mit mindestens zwei Nachhaltigkeitsbegriffen bei 11,2 beziehungsweise 10,2 Prozent der gesamten Unternehmerschaft. Zum Vergleich: Beim Tabellenletzten Oberhausen sind es nur 5,2 Prozent.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderauswertung des großen Städtetests 2021 von WirtschaftsWoche, IW Consult und ImmoScout24. Die Studie analysiert alle 71 kreisfreien Städte in Deutschland ab 100.000 Einwohnern – und hat diesmal auch eine ganze Reihe von ökologischen Indikatoren untersucht. (Noch mehr Informationen und Analysen finden Sie im großen Städteranking der WirtschaftsWoche.)




Dies sind die Ergebnisse im Einzelnen – und ihre oft überraschenden Sieger:

Wo bleiben E-Autofahrer nicht liegen?
Keine Frage: 2021 war für die Elektromobilität ein erfolgreiches Jahr. Die Zulassungsstellen vermeldeten auf Deutschlands Straßen rund 350.000 neue Fahrzeuge mit Batterieantrieb. Doch noch immer kommt der Ausbau der Ladeinfrastruktur nur schleppend voran. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 eine Million Ladepunkte zu schaffen, liegt noch in weiter Ferne. Der Bundesnetzagentur waren zum 1. November knapp 25.400 öffentlich zugängliche Stromtankstellen mit 49.200 Ladepunkten gemeldet. Vor allem in kleineren Kommunen hakt es, von den knapp 10.800 Gemeinden in Deutschland haben über die Hälfte bislang keine einzige öffentliche Ladesäule installiert.

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Standort erkennen

    In größeren Städten ist die Quote zwar besser, aber auch hier gibt es bezogen auf die Einwohnerzahl gravierende Unterschiede, zeigt der WirtschaftsWoche-Check.

    Meilenweit vorn liegt die VW-Stadt Wolfsburg – hier kommen auf 10.000 Einwohner rund 65 Elektrotankstellen. Bereits vor fünf Jahren haben Stadt und Volkswagen die gemeinsame Initiative #WolfsburgDigital gegründet, zu der ein schneller Ausbau der Elektromobilität zählt. „Bis 2025 sollen 50 Prozent des Kfz-Zulassungsbestandes in Wolfsburg aus Elektrofahrzeugen bestehen und eine entsprechende Ladeinfrastruktur geschaffen werden“, verspricht die Stadt.

    Was im ureigensten Interesse der Autoindustrie liegt. Auch auf den nächsten Tabellenplätzen folgen daher Autostädte: Ingolstadt (Audi) mit knapp 29 E-Zapfsäulen je 10.000 Einwohner und Regensburg (BMW) mit deren 17. Ein deutlich höheres Risiko, mit leerer Batterie liegen zu bleiben, haben Stromer da schon in Bottrop, Ludwigshafen und Offenbach, den Schlusslichtern der Tabelle. Hier liegt die Quote bei unter zwei Ladesäulen.



    Wo fühlen sich Radfahrer am wohlsten?
    Wer im Kölner Westen über die verkehrsreiche Venloer Straße in Richtung Innenstadt fährt, braucht starke Nerven und einen guten Helm. Der Radweg ist fast immer genauso proppenvoll wie die Straße, es herrscht ein Kuddelmuddel von Lieferverkehr, E-Rollern, kreuzenden Fußgängern und fluchenden Rennradlern. Manchmal endet der Radweg im Nichts oder an einer Baustelle und ständig kommen Autos aus den Seitenstraßen über den Radweg geschossen. Die Venloer Straße ist in Köln (fast) überall: In puncto Fahrradfreundlichkeit liegt die Domstadt unter den 71 deutschen Großstädten über 100.000 Einwohnern nur auf Platz 62.

    Im Vergleich dazu scheint die Situation in Karlsruhe und Münster für das radelnde Volk geradezu paradiesisch zu sein. Die beiden Studentenstädte erhalten bundesweit die besten Noten für ihre Fahrradfreundlichkeit. Dahinter folgt Erlangen. Ganz hinten liegen Koblenz und Hagen – hier geht man offenbar besser zu Fuß.

    Das Ranking basiert auf dem vom Bundesverkehrsministerium geförderten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), der regelmäßig umfangreiche Befragungen durchführt. Der Test bewertet die Fahrradfreundlichkeit der Städte auf einer Skala von eins bis sechs. Berücksichtigt werden das individuelle Sicherheitsgefühl, Umfang und Qualität der Radwege, die Regeln zur Mitnahme von Rädern in Bussen und Bahnen, die Abstellmöglichkeiten – und inwiefern die Stadt Werbung fürs Radfahren macht.

    Sicher: Überschaubare Städte mit geringeren Einwohnerzahlen, wenig Industrie und vergleichsweise wenig Verkehr haben es leichter, eine attraktive Fahrrad-Infrastruktur zu schaffen. Dass man aber auch in verkehrsreichen Metropolen den Radverkehr fördern kann, zeigen Frankfurt, München und Leipzig: Alle drei schaffen es immerhin in die Top 20 der Tabelle.



    Wo ist der ÖPNV keine Qual?
    In Deutschlands Innenstädten ist das Auto nicht mehr gern gesehen. Die Stadträte überbieten sich darin, innerstädtische Parkplätze zu eliminieren, sie durch Poller und Kübel zu versperren oder zumindest deutlich zu verteuern. Die Bürger sollen, bitte schön, doch auf Bus und Bahn umsteigen. Und es stimmt ja: Wer will sich schon mit dem Auto über verstopfte Straßen quälen, wenn er auch bequem mit Bus und Bahn zum Ziel kommt?

    Das Problem ist nur: Der öffentliche Nahverkehr ist nicht überall gleich gut ausgebaut. Betrachtet man die durchschnittliche Luftliniendistanz der Haushalte zur nächsten Haltestelle mit mindestens zehn Abfahrten pro Tag, unterscheiden sich Deutschlands Großstädte in erstaunlicher Weise. In Pforzheim erreicht man im Schnitt nach 147 Metern die nächste Haltestelle von Bus oder Bahn, auch in Hagen (162 Meter) und Wiesbaden (169 Meter) sind die Wege zum ÖPNV kurz. Besonders weit latscht man hingegen in Jena (245 Meter) und Lübeck (276 Meter).



    Wer setzt am stärksten auf Sonne und Wind?
    Saubere Energie aus Sonne und Wind spielt bei der Energiewende die zentrale Rolle. Und der Platz an der Sonne liegt: in der Pfalz. Bezogen auf die Einwohnerzahl hat die Bundesnetzagentur die höchste installierte Solarleistung in Kaiserslautern ermittelt – im Jahr 2021 waren es exakt 503,2 Kilowatt je 1000 Einwohner. Auch bei der Windkraft liegt eine Stadt vorn, die man für Erfolgsmeldungen ansonsten nicht übermäßig oft auf dem Radar hat: Salzgitter. Hier kommt auf 1000 Einwohner eine installierte Windleistung von 1239 Kilowatt.

    Es geht beim Klimaschutz aber nicht nur um die Frage, wo unser Strom herkommt, sondern auch darum, wie wir unsere Wohnungen heizen. Dreiviertel der Wohngebäude in Deutschland werden aktuell noch mit Öl oder Gas warmgehalten. Bei Neubauten hingegen geht der Trend weg von fossilen Brennstoffen – und dabei glänzt vor allem die Stadt Mannheim. Hier lag der Anteil fertiggestellter Wohngebäude, die nachhaltig heizen, nach den aktuellsten verfügbaren Zahlen bei knapp 95 Prozent aller fertiggestellten Wohneinheiten. Auch Trier (91 Prozent) und Pforzheim (87 Prozent) bauen klimaschonend. In Oldenburg, dem Tabellenletzten in der Kategorie nachhaltiges Heizen, sind es gerade mal 11,3 Prozent.



    Wer ist der nationale Müll-Champion?
    Verpackung ab, Mülleimer auf – und weg damit? Wer Müll vermeidet, Verpackungen reduziert und Bioabfall auf den Kompost bringt, schont die natürlichen Ressourcen und leistet einen Beitrag zur ökologischen Gesundung des Landes. Doch im vergangenen Jahr haben die Haushalte in Deutschland 39,6 Millionen Tonnen Abfälle produziert, das waren – auch coronabedingt – vier Prozent mehr als 2019.

    Besonders erstaunlich sind die großen bundesweiten Unterschiede beim Müllaufkommen: Deutscher Meister im Müllvermeiden sind die 560.000 Einwohner von Dresden – hier liegt die anfallende Menge von Haus- und Sperrmüll pro Kopf und Jahr bei nur 249,2 Kilogramm (Stand 2019). Die müllabfuhrfreundlichste Stadt in Westdeutschland ist Freiburg mit 257,3 Kilogramm. Die Wegwerfer der Nation leben hingegen in Trier. Hier fallen statistisch bei jedem Einwohner knapp 527 Kilo an – also mehr als doppelt so viel wie in Dresden.





    Mehr zum Thema: Der große Städtetest 2021: 71 Kommunen, 105 Kriterien. Wie Ihre Stadt abschneidet bei Jobs, Immobilien, Lebensqualität – und warum Provinzzentren im Kommen sind.

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