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Fachkräfte-Gipfel In Deutschland studiert, im Ausland erfolgreich

Deutschland sucht händerringend qualifizierte Ingenieure und Ärzte. Die Regierung öffnet die Grenzen für Ausländer etwas weiter. Doch die besten Köpfe heuern anderswo an, selbst wenn sie in Deutschland studiert haben.

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Nachwuchsforscher an der Uni München: Viele Akademiker lassen sich in Deutschland ausbilden und wandern dann aus. Quelle: handelsblatt.com

Es ist ein großer Schritt für die Bundesregierung – aber ein kleiner für die deutsche Wirtschaft. In ihrem Konzept zur Fachkräftesicherung kündigt die Regierung die Grenzöffnung für einen Teil ausländischer Ingenieure und Ärzte an. Konkret fällt ab sofort für die händeringend gesuchten Ingenieure im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik und für Ärzte die „Vorrangprüfung“ weg. Diese schreibt generell vor, dass nur dann ein EU-Ausländer eine Arbeitserlaubnis erhält, wenn die Stelle nicht mit einem Deutschen besetzt werden kann.

Doch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte vor großen Hoffnungen: „Es werden nicht viele kommen, denn Deutschland hat lange signalisiert, dass wir niemanden brauchen. Und qualifizierte Ingenieure oder Ärztinnen haben weltweit viele Angebote.“

Die Lockerung ist Teil der „Fachkräftestrategie“, die das Kabinett heute auf den Weg gebracht hat. Anschließend traffen sich die Kanzlerin und einige Minister in Meseberg mit Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Gipfeltreffen. Dort wollen sie eine gemeinsame Erklärung zur Fachkräftepolitik verabschieden.

Die Erleichterung für Ingenieure und Ärzte ist jedoch vorerst die einzige substanzielle Neuerung – ansonsten fasst Merkels „Strategie“ nur Bekanntes zusammen. Vage stellt die Regierung eine „Prüfung“ in Aussicht, wie man Zuwanderung gezielt steuern könne und fordert eine „Willkommenskultur“. Das geht nicht über den Koalitionsvertrag hinaus. Hintergrund ist der Widerstand von CSU und CDU-Innenpolitikern.

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    Entsprechend nüchtern ist das Urteil der Wirtschaft:  Die Erleichterung für einige Ingenieurberufe und Ärzte „ist ein erster kleiner Schritt, um die Zuwanderung für Qualifizierte nach Deutschland generell zu erleichtern“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Hans Heinrich Driftmann, dem Handelsblatt. Die bisherige Vorrangprüfung habe „mit einer Willkommenskultur nichts zu tun“. Nun müsse regelmäßig untersucht werden, welche weiteren Berufe von der Prüfung ausgenommen werden könnten.

    Neue Perspektiven für Krankenhauspersonal

    Driftmann fordert zudem „dauerhafte Perspektiven für ausländische Absolventen deutscher Hochschulen – „jetzt und nicht erst übermorgen“. Es sei nicht sinnvoll, erst ein Studium mit Steuergeldern zu finanzieren „und dann die gut qualifizierten jungen Leute in andere Länder abwandern zu lassen“. Daneben fordert die Wirtschaft eine kurzfristige Senkung der Einkommensschwelle für eine Niederlassungserlaubnis von 66 000 auf 40 000 Euro pro Jahr.

    Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, widersprach im Vorfeld von Meseberg der Behauptung der Bundeskanzlerin, Unternehmen in Deutschland böten jungen Menschen keine Perspektive und würden Fachkräfte aus dem Ausland zur Lohnsenkung holen wollen. „Eine solche Bemerkung empfinde ich gerade in unserer Technologiebranche als Zumutung. Die industriellen Arbeitsplätze in Deutschland gehören zu den bestbezahlten und attraktivsten weltweit.“ Dem widersprach der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann. Er sagte, Deutschland bezahle sein Humankapital im internationalen Vergleich zu schlecht.

    Positiv reagierten die Kliniken auf die Pläne der Regierung. Die Erleichterung des Ärztezuzugs sei ein wichtiger Schritt, dem wachsenden Ärztemangel zu begegnen. „Wir hoffen vor allem, dass schon hier lebende ausgebildete Ärzte aus Drittstaaten, die bislang gezwungen waren, als Taxifahrer oder Putzhilfe zu arbeiten, die Chance nutzen und in ihren Beruf zurückkehren“, sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Georg Baum dem Handelsblatt. Nach den Daten der DKG sind derzeit 5500 Arztstellen an deutschen Krankenhäusern unbesetzt, obwohl schon in der Vergangenheit immer mehr ausländische Ärzte nach Deutschland kamen.

    Rund ein Drittel der an Krankenhäusern tätigen 15 000 ausländischen Ärzte stammen schon heute aus Nicht-EU-Ländern. Viele von ihnen nutzten die Möglichkeit, ihren Facharzt in Deutschland zu machen. In der Vergangenheit hätten sie danach vielfach in ihre Heimat zurückkehren müssen. „Nun können wir sie ohne Probleme weiter beschäftigen“, sagte Baum.

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