Fachkräftemangel BDA-Chef Kramer fordert umfassende Fachkräftestrategie

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken fordert der Chef der Arbeitgeber eine bessere Förderung von Langzeitarbeitslosen und spricht sich für mehr gezielte Zuwanderung aus. Eine stabile Regierung sei von Bedeutung.

BDA-Chef Ingo Kramer fordert umfassende Fachkräftestrategie Quelle: dpa

Berlin Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat eine umfassende Fachkräftestrategie gefordert. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass trotz schrumpfender Bevölkerung auch 2030 und 2040 noch 45 Millionen Menschen einer Arbeit nachgehen“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Notwendig sei eine bessere individuelle Förderung für rund eine Million Langzeitarbeitslose sowie eine flächendeckende Ganztagskinderbetreuung, damit mehr Eltern und Alleinerziehende vollzeitnah arbeiten können. Kramer sprach sich außerdem für mehr gezielte Zuwanderung in Ausbildung und Arbeit aus.

Der Arbeitgeberpräsident forderte außerdem, dass die Parteien im Bundestag „rasch eine handlungsfähige Regierung“ bilden. „Angesichts der weltpolitischen Lage und der wirtschaftspolitischen Notwendigkeiten sollte jetzt nicht noch mehr Zeit verschwendet werden.“

Die EU stehe vor tiefgreifenden Reformen. „Unsere europäischen Freunde erwarten zurecht eine geschlossene und aktive Rolle Deutschlands in diesem Prozess.“ Eine neue Bundesregierung sollte die europäische Einigung weiter vorantreiben und dem „Rückfall in nationale Abschottung“ entschlossen entgegentreten.

Zudem stünden in den kommenden vier Jahren wichtige Entscheidungen an, die darüber mit entscheiden, ob das aktuelle Wachstum und die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt über das nächste Jahrzehnt hinaus fortgesetzt werden könnten. „Das größte Risiko wären neue wachstums- und beschäftigungsfeindliche Gesetze, Verordnungen und bürokratische Hemmnisse.“ Die deutsche Wirtschaft werde nur weiter wachsen, wenn eine neue Bundesregierung nachhaltig auf „Flexibilität, Veränderungen und mehr Wettbewerbsfähigkeit“ setze. Steigende Kosten könnten zu einer Belastungsprobe für die deutsche Wirtschaft werden.

„Deshalb müssen die Sozialbeiträge langfristig insgesamt unter 40 Prozent bleiben“, sagte Kramer. „Für mich als Arbeitgeberpräsident ist dieses Stoppschild eine unumstößliche Erwartung an einen Koalitionsvertrag.“ Mit Blick auf die Forderung der SPD nach einer Bürgerversicherung sagte Kramer: „Ein leistungsstarkes und bezahlbares Gesundheitssystem bedarf Vielfalt und Eigenverantwortung - das Gegenteil davon ist die Idee einer Einheitskasse, die für die Versicherten teurer aber nicht besser wird.“

Um mehr Flexibilität im Arbeitsmarkt zu erreichen, sprach sich Kramer außerdem für mehr tarifliche und gesetzliche Öffnungsklauseln aus, zum Beispiel bei der Ruhezeit. „Unser geltendes Arbeitszeitgesetz hat nach einem knappen Vierteljahrhundert eine Reform bitter nötig.“ Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland werde sich im neuen Jahr fortsetzen, auch im Portemonnaie der Arbeitnehmer. „In den vergangenen fünf Jahren sind die Tariflöhne bereits um 13,4 Prozent gewachsen.“ Wenn es der Wirtschaft gut gehe, gebe es nur Gewinner.

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