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Fachkräftemangel Frauen sollen die Lücke schließen

Die Lösung des Fachkräfteproblems ist eindeutig weiblich. Wenn doch nur die Politik das auch wüsste. Stattdessen streitet sie um eine "Herdprämie".

Noch nie war der Fachkräftemangel in Deutschland so akut wie heute - Dabei könnte das Anheben der Frauenquote die Problematik lösen Quelle: dapd

Kritiker lassen sich mit Geld mundtot machen. Auf diese Weise haben gestandene Familienpolitiker schon viele Kompromisse geschmiedet: Weil die CSU mit dem Elterngeld haderte, versprach ihr der Koalitionsvertrag das Betreuungsgeld. Weil die CDU-Frauen nun mit dieser „Herdprämie“ fremdeln, wollte ihre Fraktionsspitze sie mit höheren Rentenleistungen für Mütter ködern. Am Ende wird es um des lieben Koalitionsfriedens willen einen Handel geben, in dem der Staat noch ein paar Milliarden verteilt, um Frauen vom Arbeitsmarkt abzuziehen. Nichts anderes als einen Fernhaltebonus stellt das Betreuungsgeld aus ökonomischer Sicht dar. Und keine staatliche Leistung könnte kontraproduktiver, kein Politikansatz paradoxer sein.

Der Fachkräftemangel droht nicht nur, er ist in vielen Branchen und Regionen längst Realität. Nach einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fehlen allein in den MINT- Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) aktuell fast 210.000 Experten. Höher war diese Lücke seit Beginn der Messungen im Jahr 2000 noch nie.

Wo Frauen in deutschen Konzernen stehen
European Commissioner for Justice, Fundamental Rights and Citizenship Viviane Reding Quelle: dapd
Die Beine von Deutsche Bank-Mitarbeiterinnen, aufgenommen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main Quelle: dapd
Frau an einem Fax-Gerät Quelle: Fotolia
Männer und Frauen verschiedenen Alters Quelle: Fotolia
zwei Frauen und zwei Männer in einem Meeting Quelle: Fotolia
Business-Meeting Quelle: Fotolia
Frau schaut in den Himmel Quelle: Fotolia

Frauenquote gegen Wohlstandsverluste

Deutschland schrumpft. Derzeit stehen dem Arbeitsmarkt knapp 44 Millionen Menschen zur Verfügung. Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird dieses Erwerbspersonenpotenzial bis 2025 auf 38 Millionen sinken. Damit ist auch das Wachstum bedroht. Wenn sich der Rückgang nicht ausgleichen lässt, drohen bis 2025 Wohlstandsverluste von 450 Milliarden Euro, schätzt auch das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Für Vergleichsfetischisten: Das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt Bayerns.

Ökonomen empfehlen daher dringend, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen. Da wäre zum einen der quantitative Vorteil: Laut Eurostat sind in Deutschland 70,8 Prozent der Frauen berufstätig, der Vollzeitanteil liegt bei 55 Prozent. Im europäischen Vergleich ist das mäßig. Würde man beide Quoten nur um zwei Prozentpunkte steigern, ließe sich ein Großteil der negativen Wohlstandseffekte kompensieren.

Chefinnen-Mangel

Bliebe noch ein qualitativer Vorteil: Mädchen machen häufiger Abitur als Jungs, stellen die Mehrheit in den Uni-Hörsälen und bringen nach einer Studie zu MINT-Hochschulabsolventen mehr Sprachkenntnisse und Berufspraxis mit. Wenn Frauen irgendwann beruflich kürzertreten als Männer, dann gibt es dafür vor allem einen Grund: Noch immer fehlt es vielerorts an guten Betreuungsmöglichkeiten für kleine Kinder. Da wundert es nicht, dass die Wirtschaftsverbände unisono gegen das Betreuungsgeld stänkern. Bis zu zwei Milliarden Euro jährlich soll es kosten. Damit könnte der Staat alternativ die laufenden Ausgaben für 200.000 Krippenplätze bezahlen.

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Abgesehen davon: Wo weibliche Fachkräfte fehlen, mangelt es zwangsläufig auch an Chefinnen. Eine Regierung, die mit einer Frauenquote droht, sollte vom Betreuungsgeld daher erst recht die Finger lassen.

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