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Fachkräftemangel Risiko Leerstelle: Gastarbeiter gesucht

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Schrumpfende Reserven - Trotz Zuwanderung

Viel Rückhalt in der Bevölkerung hat die Wirtschaft mit ihren Wünschen aber nicht. „72 Prozent der Bürger plädieren dafür, benötigte Arbeitskräfte verstärkt selbst auszubilden. Nur 26 Prozent möchten daneben auf Arbeitskräfte aus dem Ausland setzen“, sagt Allensbach-Chefin Renate Köcher. Doch Rettung vom eigenen Nachwuchs ist nur bedingt zu erwarten: Rund 566.000 Ausbildungsverträge wurden 2009 noch geschlossen, 8,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor – Folge des demografischen Wellentals. „In diesem Jahr setzt sich der negative Trend fort“, klagt Handwerks-Präsident Otto Kentzler.

Hürden runter

Es ist die Melange aus abruptem Aufschwung und Demografiesenke, die dem Zuwanderungsstreit neue Nahrung gibt. Seit Jahren fordern Migrationsexperten ein transparentes und steuerndes Bewertungssystem für qualifizierte Zuwanderer; so müsste die Einkommensgrenze von 66.000 Euro drastisch gesenkt werden, unter der bisher eine langwierige Bedarfsprüfung der Arbeitsämter Pflicht ist.

Mit einem Plädoyer für neue Regeln setzte sich der liberale Generalsekretär Christian Lindner an die Spitze der Bewegung. Ihm sekundierten sofort Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Der zuständige Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hingegen schob den Unternehmen („keine Willkommenskultur“) den Ball zu. Die Politik habe das Ihrige getan. Die Kanzlerin ließ derweil aus dem Urlaub verkünden: Änderungen bei der Zuwanderung? Mit mir nicht.

Koalition gerät in Zugzwang

Doch die Probleme sind stärker als ein Machtwort aus Südtirol. Zumal die schwarz-gelbe Koalition durch eine EU-Richtlinie ohnehin bald gezwungen ist, bei der Zuwanderung von hoch Qualifizierten endlich Farbe zu bekennen. Die Europäische Union will mit einer „Bluecard“ die Gehaltsgrenzen senken, ab denen High-Potentials ohne Bedarfsprüfung in der EU arbeiten dürfen. Ginge es nach dem Bundeswirtschaftsministerium, könnte die 66 000-Euro-Schwelle, von Experten spöttisch „Nobelpreis-Prämie“ getauft, künftig gen 42 000 Euro sinken. „Wir würden die Richtung sehr begrüßen“, sagt auch Schavans Staatssekretär Georg Schütte.

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    Dabei wissen alle Beteiligten: Mehr und bessere Zuwanderer allein reichen nicht aus. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) klafft in zehn Jahren  in Deutschland bereits eine Arbeitskräftelücke von 1,8 Millionen Menschen – selbst wenn in dieser Zeit insgesamt eine Million mehr Menschen nach Deutschland kämen als gingen. „Eine höhere Zuwanderung, zum Beispiel in der Höhe von derzeit kaum vorstellbaren 300 000 Personen im Jahr“, warnen die IAB-Experten, könne „die demografische Komponente nicht mehr ausgleichen“.

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