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Fachkräftemangel Risiko Leerstelle: Gastarbeiter gesucht

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Zu wenig gute Leute

 Ökonomen prophezeien, dass die Lücke auch mit dem heimischen Reservoir an Arbeitslosen nicht zu schließen sein wird. Oft passt ihre Ausbildung einfach nicht zur freien Stelle, und nicht jeder will für einen neuen Job von Rostock nach Rosenheim ziehen. Im Hartz-System sammeln sich derzeit 2,26 Millionen Härtefälle des Sozialstaates. Mehr als die Hälfte von ihnen hat keine Berufsausbildung, jeder fünfte nie eine Schule abgeschlossen. Auf sie wartet kein Arbeitgeber.

Unternehmer und Politiker umwerben deshalb nun jene Gruppen, die sie jahrelang sträflich vernachlässigten: ausländische Studenten, bereits hier lebende Migranten, Frauen, Senioren. Das Motto: Warum nur in die Ferne schweifen, sieh, die Guten sind so nah!

Bildungsausländer haben es schwer

Beispiel Gaststudenten: Lange ging Deutschland harsch mit Menschen aus aller Welt um, die an die Unis zwischen Freiburg und Kiel kamen und dabei vielleicht sogar das Land schätzen lernten. Diplomierte Ingenieure oder Chemiker aus Nicht-EU-Staaten mussten nach dem Examen ihre Koffer packen. Und das, obwohl „Zuwanderung per Studium der Königsweg ist“, wie der Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, Christian Bode, findet. Dass die Gaststudenten in aller Regel gut Deutsch konnten und auf Staatskosten ausgebildet waren, interessierte niemanden.

Heute dürfen die hoch Qualifizierten immerhin ein Jahr bleiben, um sich einen Job zu suchen. Vorrangprüfung und Mindestgehaltsgrenzen wurden für sie 2007 abgeschafft. Es habe sich einiges getan, lobt Johannes Glembek vom Bundesverband ausländischer Studierender: „Aber es gibt noch Körner im Getriebe, die es mächtig knirschen lassen.“ Fast 26 000 der sogenannten Bildungsausländer schaffen pro Jahr hier ihren Abschluss. Aber arbeiten dürfen sie ohne Arbeitserlaubnis der Ausländerbehörde nur 90 Tage. Ausgedehnte Praktika als Mittel der Jobsuche sind schwierig. Im Ergebnis blieben 2009 nur 4820 Absolventen tatsächlich, um einen Job anzutreten.

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    Taxi statt Büro

    Frustriert werden auch jene, die mit ihren im Ausland ausgestellten Zeugnissen und ihrer Berufserfahrung hierzulande nichts anfangen können, weil diese schlicht nicht anerkannt werden. Auf bis zu eine halbe Million wird die Zahl derer geschätzt, die unter ihrer Qualifikation arbeiten. Russische Ingenieure schlagen sich als Taxifahrer durch, kolumbianische Ärztinnen leisten Pflegedienste. Türkische Friseurinnen können zwar in Berlin-Neukölln einen Laden eröffnen, bekommen aber keinen Meisterbrief anerkannt – und dürfen nicht ausbilden. Wer nicht aus der EU kommt, hat bis heute keinen Rechtsanspruch auf ein Prüfverfahren, was seine Kenntnisse wirklich wert sind. Immerhin: Ein Gesetzentwurf aus dem Bundesbildungsministerium soll das ändern. „Unser Ziel muss sein, diese Potenziale endlich zu heben“, sagt Staatssekretär Schütte.

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