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Fachkräftemangel Risiko Leerstelle: Gastarbeiter gesucht

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Vernachlässigte Reserve

Ein Satz, der zum Leitmotiv taugt. Gerade Migranten werden umworben wie nie. Für einen Großteil der heute in Deutschland lebenden Migranten kommt die Erkenntnis aber zu spät. „Wir bekommen jetzt die Quittung für jahrelange Versäumnisse“, kritisiert Thomas Bauer, Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Mehr als ein Drittel der hier lebenden Migranten hat keine abgeschlossene Ausbildung.

Das Hauptproblem: Viele sprechen schlecht bis gar kein Deutsch. Nun sollen die 2005 bundesweit eingeführten Integrationskurse helfen. In bis zu 900 Unterrichtsstunden lernen die Zuwanderer Deutsch und bekommen einen Schnellkurs von Bismarck bis Grundgesetz. Seit der Einführung hat rund eine halbe Million Migranten den Kurs besucht, die meisten freiwillig. Für Zuwanderer mit Hartz IV sind die Kurse sogar Pflicht.

Bunte Palette staatlicher Hilfe

Die Zeiten, in denen potenzielle Arbeitskräfte ohne Hoffnung Runden ohne Ziel drehten, sollen vorbei sein. Das gilt auch für Azubis. Ausbildungsboni machen den Unternehmen selbst sogenannte Altbewerber schmackhaft, bei denen Personalchefs wiederholt abgewinkt haben. Bis zu 6000 Euro bekommen Ausbildungsbetriebe für ihr Engagement. Insgesamt 34 500 haben bislang einen Antrag gestellt. Zusätzlich will das Programm der Einstiegsqualifizierung ausbildungsunreife Jugendliche fit machen für eine Lehre. Unternehmen, die den Härtefällen bis zu ein Jahr lang Grundlegendes für eine Ausbildung vermitteln, bekommen einen monatlichen Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit. Rund 40 Prozent derer, die eine Qualifizierung durchliefen, erhielten im Anschluss einen Ausbildungsplatz. Mehr als zwei Drittel fanden ihn kurz danach.

Die Palette staatlicher Hilfe ist bunt, groß und unübersichtlich: Glaubt man Ökonomen, zahlt sich die Mühe aber aus. Würde die Qualifikationslücke zwischen Deutschen und Migranten halbiert, winkten der öffentlichen Hand bis 2050 jährlich allein rund 39 Milliarden Euro mehr an Steuern, mithin Renditen zwischen 12 und 14 Prozent. „Bei welcher Anlage“, fragt Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), „kann man das sonst erreichen?“

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    Graumelierte Mitarbeiter

    Auch ältere Arbeitnehmer sind plötzlich für die Wirtschaft wieder interessant. Das BMW-Werk in Dingolfing etwa baut seine Montagelinie um, damit graumelierte Mitarbeiter länger am Band stehen können. Die Deutsche Bahn buhlt um Bewerber jenseits der 50. Bosch hat einen Gerontologen angeheuert, um die Älteren länger fit zu halten. Das Unternehmen hat sogar ein eigenes Pflegezeitmodell entwickelt, damit erfahrene Fachkräfte dem Betrieb treu bleiben, auch wenn sie sich zu Hause um ihre greisen Eltern kümmern wollen.

    Schon reisen neugierige Ministerinnen an, um das Modell zu bestaunen. Ein Morgen im Juli, Kristina Schröder (CDU) ist zu Gast in der Stuttgarter Bosch-Zentrale. Als „Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ ist Schröder gewissermaßen offiziell für alle Gruppen zuständig, die viele Arbeitgeber über Jahre vernachlässigt haben. Nun aber, hofft Schröder, wende sich das Blatt. „Die Zeiten, in denen sich die Unternehmen aus einem Bewerberpool beliebige Kandidaten aussuchen konnten, sind bald vorbei.“

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