Familienförderung Mehr Geld für die Kinderbetreuung

Wie der Staat das Kinderkriegen finanziell unterstützt und warum das auch günstiger ginge.

Wo es die beste Kinderbetreuung gibt
Frauen tragen am Donnerstag (09.02.2012) bei einer Demonstration vor dem Rathaus in Wiesbaden Schilder mit der Aufschrift
Eine Passantin geht am Mittwoch (21.12.2011) mit einem Kinderwagen, an dem ein Regenschirm hängt, an der Alster in Hamburg spazieren. Quelle: dpa
Kinder einer Charlottenburger Kita besichtigen in Berlin den Plenarsaal des Deutschen Bundestages Quelle: dpa/dpaweb
Kinder der AWO-Kindertagesstätte «Käthe Kollwitz» Quelle: dpa
Eine Mutter geht mit ihrem Kinderwagen durch Soemmerda Quelle: dapd
Spaziergänger gehen vor Schloss Rheinsberg mit einem Kinderwagen am Grienericksee spazieren Quelle: dapd
Die einjährige Laureen spielt am Donnerstag (28.06.2012) am Strand von Warnemünde. Quelle: dpa

Insgesamt 156 Leistungen hält der Bund für Familien bereit. Er steuert, fördert und lenkt unter anderem über das Kinder- und Elterngeld, die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern in der gesetzlichen Krankenversicherung, eine Anrechnung von Erziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung und über die Förderung der Kindertagesbetreuung. Der Staat lässt sich das jedes Jahr rund 200 Milliarden Euro kosten, geringere Steuereinnahmen durch Freibeträge sind hier mitgerechnet. Seit dem 1. August 2013 kamen zwei neue Regelungen dazu.

Anspruch auf Krippenplatz

Für ein und zwei Jahre alte Kinder gilt nun ein Rechtsanspruch auf Betreuung in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter. Der Bedarf liegt geschätzt bei 780 000 Plätzen, das sind 39 Prozent der unter Dreijährigen. Für Kinder ab drei Jahren besteht ein solcher Anspruch bereits länger. Während im Westen noch Krippenplätze fehlen, mangelt es in Ostdeutschland eher an Erzieherinnen.

Warum die Deutschen keine Kinder wollen
KostenVon der Spielpuppe bis zum Studium - Kinder kosten viel Geld. Diese finanzielle Belastung schreckt viele Deutsche vom Kinderkriegen ab. Das hat eine Umfrage der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen ergeben. Demnach glauben 67 Prozent der Befragten, dass das Geld viele von der Familiengründung abhält. Der Wert habe sich besorgniserregend erhöht, 2011 seien es lediglich 58 Prozent gewesen, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Ulrich Reinhardt. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes geben Familien rund 550 Euro im Monat für ein Kind aus. Quelle: AP
Freiheit und Unabhängigkeit Am Wochenende feiern gehen, Freunde treffen, reisen: Die Deutschen wollen nach Ansicht von 60 Prozent der Befragten ihre Freiheit und Unabhängigkeit nicht für ein Kind aufgeben. Da scheinen auch finanzielle Anreize durch den Staat kein Argument zu sein. Eine Frau in Deutschland bekommt im Schnitt 1,36 Kinder, im EU-Durchschnitt sind es 1,57. Für die Untersuchung wurden 2.000 Personen ab 14 Jahren gefragt, warum so viele Deutsche keine Familie gründen. 
KarriereEin Karriereknick ist für 57 Prozent das Totschlagargument gegen Kinder. Auch wenn die Politik um flexible Arbeitsmodelle, einen leichteren Wiedereinstieg in den Job und Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen kämpft, so wollen die Deutschen ihren Job nicht für Nachwuchs in der Familie gefährden.
Auch die Meinung, Karriere lasse sich nur schlecht mit Familie vereinbaren, wurde öfter angegeben als noch vor zwei Jahren (54 statt 48 Prozent). Gefordert sind, so heißt es im Fazit der Studie, sowohl die Politiker, die Rahmenbedingungen zu stellen, als auch die Unternehmen, endlich flächendeckend mit der Möglichkeit einer Karriere mit Kind ernst zu machen.  „Die Unsicherheit, ja fast schon Angst vor der Familiengründung hält bei vielen Bundesbürgern an“, resümiert Stiftungsleiter Reinhardt. Quelle: dpa
Staatliche Unterstützung Auch wenn es ab dem 1. August einen Rechtsanspruch für unter Dreijährige auf einen Kita-Platz gibt - den Deutschen reicht dies längst nicht aus. 45 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass der Staat immer noch zu wenig tut, um die Geburtenrate in Deutschland zu steigern. Das Argument sei im Westen deutlich öfter zu hören gewesen als im Osten, teilte die Stiftung mit. Der Wert blieb in den vergangenen zwei Jahren unverändert.   Quelle: dpa
Unsichere ZukunftWirtschaftskrise, Klimawandel, Demografie: 39 Prozent der Befragten denken, dass eine unsichere Zukunft der Grund ist, warum sich viele Deutsche gegen ein Kind entscheiden. Der Stiftung zufolge hat das Argument jedoch deutlich an Bedeutung verloren (−7 Prozentpunkte).   Quelle: dpa
Der richtige PartnerManchmal ist es auch ganz simpel, warum kein Nachwuchs geplant ist - es fehlt einfach der richtige Partner. Für 39 Prozent der Befragten sei dies der Grund, warum die Deutschen so wenig Kinder kriegen. Seit zwanzig Jahren nimmt die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland zu, besonders Singles im Alter zwischen 30 und 59 Jahren leben immer öfter allein. Fast ein Drittel der deutschen Singles ist mit dem Alleinsein unzufrieden und wünscht sich einen Partner. Quelle: dpa

Umstritten ist bei dem gesetzlichen Anspruch zum Beispiel noch, wie weit die Betreuung entfernt sein darf oder welcher Umfang angemessen ist. Eltern können in Mangelgebieten vor Gericht ziehen. Klagen sind aber mühsam, der Ausgang ungewiss.

Weil auch Bürgermeister solche Klagen fürchten, wurden in vielen Orten vorhandene Kita-Gruppen erweitert. Dadurch verschlechtert sich das Zahlenverhältnis von Personal und Schützlingen. Der Deutsche Städtetag warnte bereits, ein Betreuungsanspruch für Grundschüler sei von den Kommunen nicht auch noch finanzierbar.

Eltern, die keine staatlich geförderte Kinderbetreuung beanspruchen, können ebenfalls seit voriger Woche Betreuungsgeld in Anspruch nehmen. Gezahlt wird es sowohl an Eltern, die sich in Eigenregie um ihr Kind kümmern, aber auch an Väter und Mütter, die eine Au-pair-Betreuung bezahlen oder ihr Kind in eine privat finanzierte Einrichtung bringen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Für Kinder zwischen dem ersten und dritten Geburtstag gibt es zunächst steuerfrei 100 Euro im Monat, ab 2014 dann 150 Euro. Das Kind muss nach dem 1. August 2012 geboren sein, Elterngeld darf nicht gleichzeitig noch kassiert werden. Auch deshalb wird die Zahl der Anträge erst langsam steigen.

Wieder Abschaffen

Wirtschaftsverbände kritisieren, dass der Staat 2014 rund 515 Millionen Euro dafür veranschlagt. Damit ließen sich geschätzt gut 50.000 Kita-Plätze finanzieren. SPD und Grüne wollen das Betreuungsgeld wieder abschaffen, sollten sie nach der Bundestagswahl regieren.

Wissenschaftler bemäkeln regelmäßig, dass andere Länder Kinder und Eltern mit weniger Geld zielgerichteter und erfolgreicher unterstützen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%