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FDP-Papier AfD - Eine Alternative für Wähler

Politische Konkurrenzbeobachtung gehört zu den Wahlkampfstandards. Dass die "Alternative für Deutschland" jetzt in den Fokus der etablierten Parteien rückt, zeigt aber: Die Zeit des Kleinredens ist vorbei.

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Das Wort "Geheimpapier" (Bild-Zeitung) ist wahrlich etwas hochgegriffen für die zwölfseitige Analyse "Erkenntnisse und Einschätzungen zur Alternative für Deutschland", die die FDP-Parteizentrale gestern intern verschickte. Die Wahlkampf-Strategen im Thomas-Dehler-Haus haben vor allem penibel alle seriösen Wahlumfragen und Medien-Berichte (auch diesen von WirtschaftsWoche Online) zur neu gegründeten Anti-Euro-Partei zusammengetragen und ausgewertet. Sie durchleuchten zudem das Parteiprogramm der Protest-Truppe, doch diese Untersuchung fällt angesichts des spärlichen Umfangs eher kurz aus.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“ (AfD)

Interessant ist schon eher, dass die FDP sich überhaupt so intensiv der neuen Partei zuwendet: Offenbar will man genauer wissen, mit wem man es da zu tun hat - und wie gefährlich die politische Professoren-Revolte wirklich werden kann.

Jeder dritte Deutsche sehnt sich nach der D-Mark
Der Fünf-Euro-Schein zeigt Bettina von Arnim: Vor allem Menschen zwischen 40 und 49 Jahren sind skeptisch. Hier wünscht sich knapp die Hälfte der Befragten die alten Zahlungsmittel zurück. Quelle: Bundesbank
In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen sind lediglich 16 Prozent skeptisch gegenüber dem Euro. 35 Prozent der 60-bis 69-Jährigen wünschen sich die D-Mark ebenfalls zurück. Quelle: Bundesbank
Annette von Droste-Hülshoff ziert den 20 D-Mark-Schein: Besonders Arbeiter und Hausfrauen trauern der D-Mark nach; Schüler und Studenten hingegen nur in ganz geringem Maße. Quelle: Bundesbank
"Früher war alles besser" sagen mit 37 Prozent vor allem Menschen, die mit einem Netto-Einkommen zwischen 1000 und 2000 Euro leben. Sie sind die D-Mark-Liebhaber unter den Deutschen. Quelle: Bundesbank
Unter denjenigen, die mehr als 4000 Euro im Monat verdienen, sind lediglich 21 Prozent D-Mark-Liebhaber. Sie machen sich schlicht keine Gedanken darüber. Quelle: Bundesbank
Zum Thema Inflation: Der Aussage "Durch die Inflation werden die Sparer schleichend enteignet" stimmten lediglich 34 Prozent zu. Quelle: Bundesbank
Rund die Hälfte der 60- bis 69-jährigen Befragten stimmt der Aussage nach der Enteignung allerdings zu - das ist der höchste Wert. Lediglich 28 Prozent in den Altersklassen der 18 bis 49-Jährigen ist davon überzeugt. Quelle: Bundesbank

Die seriösen Wählerbefragungen der jüngsten Zeit taxieren das Potenzial der AfD zwischen 15 und 27 der Wähler. Häufig handelt es sich da um weiche Fragen nach der Sympathie oder der grundsätzlichen Bereitschaft, eine Anti-Euro-Partei zu wählen - aber immerhin ist klar: der Euro ist kein Splitter-Thema und die Alternative keine Spinner-Gruppierung mehr, die man schlicht ignorieren könnte. In der Sonntagsfrage ("Wen würden Sie wählen, wenn kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?") kratzt die AfD mittlerweile an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die wichtigsten Köpfe in der AfD

Mit jeder Umfrage steigt deshalb der Nervositätspegel der Konkurrenz. Und das nicht zuletzt bei den Liberalen: So notiert die interne Analyse besorgt eine Umfrage, dass mehr als ein Drittel (36 Prozent) der heutigen AfD-Sympathisanten 2009 noch FDP angekreuzt hatten.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Warum? Darauf können die Liberalen sich so recht keinen Reim machen. Das Programm der Alternative weise jenseits der Anti-Euro-Politik "oftmals ein hohes Maß an Populismus" auf, notieren die FDP-Strategen, die Selbstwahrnehmung sei geprägt von einer "Art Verschwörungstheorie im Sinne 'Wir gegen alle'", die Forderungen erinnerten "durchaus an einige Kernpunkte der Tea-Party-Bewegung". Die Protest-Partei gegen die große Eurorettungs-Koalition von Union, FDP, SPD und Grünen sei "ein Sammelbecken politisch Unzufriedener mit einer tendenziell national-konservativer Ausrichtung", heißt es weiter. Die inhaltlichen Schnittmengen zu den Liberalen seien "sehr überschaubar".

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Sorgen bereiten den Liberalen allerdings die möglichen Auswirkungen auf den Koalitionspartner. Es hänge von der Union ab, eine "Etablierung einer neuen konservativen Partei in Deutschland zu unterbinden". Eine "Stärkung der konservativen Einflüsse in der Union" sei denkbar. Für die mögliche Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition, die sich schon heute in Fragen der inneren Sicherheit, beim Datenschutz, der Homo-Ehe (und eigentlich auch beim Betreuungsgeld) verkracht, bedeutete das nicht gerade eine Erleichterung.

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