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Finanzkrise Bundeswirtschaftsministerium will europäische Rating-Agentur aufbauen

Angesichts der Finanzkrise fordert das Bundeswirtschaftsministerium den Aufbau einer europäischen Rating-Agentur. In einem Strategiepapier des Ministeriums, das der WirtschaftsWoche vorliegt, heißt es, "die führenden Rating-Agenturen" hätten durch "fehlerhafte Ratings wesentlich" zu der aktuellen Finanzmarktkrise beigetragen.

Bundeswirtschaftsminister Quelle: dpa

Das gelte vor allem für strukturierte Finanzmarktprodukte. Daher sähen sich die Rating-Agenturen "mit einem erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust konfrontiert". Grundsätzlich müsse daher überlegt werden, "ob und wie eine europäische Alternative aufgebaut werde könnte".

Konkret schlägt das Ministerium vor, das Datenmaterial der europäischen Notenbanken für den Aufbau einer europäischen Rating-Agentur zu nutzen. "Das Know-How der Notenbanken könnte der Nukleus einer Europäischen Ratingagentur sein", heißt es in dem Papier. Die Notenbanken genössen bei Marktteilnehmern eine hohe Reputation und "gelten als neutral und unabhängig von der Politik".

Im Zentrum einer solchen Rating-Agentur sieht das Ministerium dabei die Deutsche Bundesbank. Diese und die französische Notenbank seien bereits damit beschäftigt, die Bonität von Unternehmen zu bewerten, da sie "die von den Geschäftsbanken im Zuge ihrer Refinanzierung eingereichten Sicherheiten" ohnehin bereits prüften. Möglicherweise gelte das auch für die spanische und die italienische Zentralbank. Die Bundesbank verfüge aus dieser Tätigkeit über langjährige Datenreihen eines "modularen Ratingverfahrens für Unternehmen", heißt es in dem Papier. Aus dem Datenmaterial der Notenbanken könnte so "stufenweise" eine unabhängige und "komplette Rating-Agentur" aufgebaut werden.

Die bisher führenden Ratingagenturen dagegen litten unter "möglichen Interessenkollisionen", die daraus resultierten, dass Unternehmen von der Rating-Agentur beraten würden. Gleichzeitig seien die beurteilten Unternehmen Auftraggeber für die Konzeption bestimmter Produkte, an denen die Agenturen ein ökonomisches Interesse hätten, heißt es in dem Papier.

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