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Finanzstabilitätsbericht Bundesbank warnt vor Immobilienmarktblase

Die niedrigen Zinsen und die Unsicherheit wegen der Staatsschuldenkrise treiben die Deutschen in Immobilien. Die Bundesbank warnt deshalb vor einer Immobilienmarktblase – die Preise haben bereits deutlich angezogen.

Die Bundesbank warnt vor einer deutschen Immobilienmarktblase. Quelle: dpa

Die Bundesbank warnt in ihrem am Mittwoch vorgelegten Finanzstabilitätsbericht 2012 vor Preisübertreibungen auf dem deutschen Immobilienmarkt. So verteuerten sich im vergangenen Jahr Häuser und Wohnungen in den sieben größten deutschen Städten um 9,1 Prozent, verglichen mit 4,9 Prozent im Jahr 2010. Die Preise für Neubauten kletterten um über neun Prozent. Die sieben größten deutschen Städte sind Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf.

Immobilientrends 2012

Zwar sei aus heutiger die Gefahr von Preisübertreibungen gering, jedoch in regionalen Teilmärkten nicht ausgeschlossen. Ein rascher Aufbau von Risiken für die Finanzstabilität in Deutschland sei deshalb zwar noch nicht zu erkennen, sagte der für Finanzstabilität zuständige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Er warnte jedoch: "Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass es gerade in einem Umfeld niedriger Zinsen und hoher Liquidität zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen kann. Dies kann auch in deutschen Ballungszentren zum Tragen kommen und die Finanzstabilität hierzulande erheblich gefährden".

Wo die Immobilienblase wächst
RegensburgIn vielen bayerischen Städten beispielsweise übersteigen die Immobilienpreise die erwarteten Mieteinnahmen um ein vielfaches. Innerhalb der letzten fünf Jahre stiegen die Immobilienpreise dreimal so schnell wie die Mieten. Quelle: dpa
WürzburgÄhnlich gefährlich sieht es in Würzburg aus. Dort halten sich Angebot und Nachfrage im Moment noch die Waage, doch Experten meinen, auch hier braue sich etwas zusammen. Von „massiven Preisübertreibungen“ ist die Rede. Quelle: dpa
JenaAuch anderswo in Deutschland schießen die Immobilienpreise durch die Decke. Attraktive Studentenstädte wie Erlangen und Freiburg aber auch Jena haben in den letzten Jahren enorme Preissteigerungen erlebt. In Jena stieg der Quadratmeter-Kaufpreis für Eigentumswohnungen in den letzten fünf Jahren um 19 Prozent. Quelle: ZB
OldenburgNoch gravierender sind die Preissteigerungen in den westdeutschen Mittelstädten. In Oldenburg lag der Kaufpreis für einen Wohnungsquadratmeter im Jahr 2006 bei 1706 Euro. Inzwischen sind die Preise um ein Viertel gestiegen. Quelle: dapd
TrierIn Trier sind die Preise im gleichen Zeitraum sogar um 26 Prozent angestiegen. Experten sehen hier allerdings eine Sondersituation: Die Nachbarschaft zum europäischen Finanzzentrum Luxemburg soll für die starken Preissteigerungen verantwortlich sein. Quelle: dpa/dpaweb
HamburgAuch in den deutschen Metropolen steigen die Preise rasant, wobei die Blasengefahr unterschiedlich eingeschätzt wird. Während in Frankfurt, Stuttgart oder Köln Kaufpreis und Miete im Gleichschritt steigen, entsteht in Hamburg im Moment ein Missverhältnis. In der Hansestadt stiegen die Kaufpreise für Eigentumswohnungen in den letzten zwei Jahren um 22 Prozent. Quelle: dpa
MünchenEinsame Spitze bei den deutschen Immobilienpreisen bleibt allerdings München. Für eine 100 Quadratmeter-Eigentumswohnung in einem Vorort der bayerischen Hauptstadt zahlen Investoren eine halbe Million Euro. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung liegt bei 3.800 Euro. Verglichen mit anderen europäischen Städten sind das allerdings „Peanuts“,... Quelle: dpa

So hat spiegelbildlich die Kreditvergabe für Wohnimmobilien in Deutschland zugelegt. Die Zuwächse sind zwar noch moderat, doch die Bundesbank rechnet mit einem weiteren Anstieg der Kreditnachfrage. Sie will deshalb die Verschuldung der privaten Haushalte im Blick behalten. Denn eine hohe Verschuldung kann im Falle eines Preissturzes am Immobilienmarkt zu höheren Abschreibungen im Kreditgeschäft der Banken führen und in eine hartnäckige wirtschaftliche Schwächephase führen.

So tricksen Immobilienmakler

Im internationalen Vergleich hat der deutsche Immobilienmarkt eine Sonderstellung. In den Jahren 1999 bis 2008 stagnierten die Preise, während sie in Ländern wie Spanien oder Irland deutlich anzogen. Während nun im Großteil Europas die Preise wieder fallen, werden in Deutschland Häuser und Wohnungen wieder teurer.

Regional entwickeln sich die Preise dabei höchst unterschiedlich. Während in den 125 deutschen Städten Preise für neue Neubauten um 6,3 Prozent und wiederverkaufte Immobilien um 4,9 Prozent stiegen, stagniert deren Wertzuwachs in vielen ländlichen Regionen. Für Deutschland insgesamt ergibt sich deshalb eine Wachstumsrate von 2,7 Prozent. In der ersten Jahreshälfte 2012 scheint sich der Preisanstieg für Wohnimmobilien fortgesetzt zu haben. Das gilt insbesondere für die sieben Großstädte.

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