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Flüchtlinge in Deutschland In drei Schritten zur gelungenen Integration

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"Deutlicher Profit von Zuwanderung"

Fragen, auf die Politiker wie Bürger Antworten finden müssen, damit die gewaltige Aufgabe gelingen kann. „Langfristig wird Deutschland deutlich von Zuwanderung profitieren“, sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. „Zuwanderer werden einen wichtigen Beitrag leisten, damit dieses Land seinen Wohlstand und seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern kann.“ Aber dazu bedürfe es eines „gezielten Investitionsprogramms“, meint der Ökonom, „das jedoch weiterhin fehlt“.

Sollten in diesem Jahr tatsächlich 800.000 Flüchtlinge oder gar mehr um Asyl in Deutschland bitten, dürfte allein deren Integration zehn Milliarden Euro kosten, prognostiziert das Münchner ifo Institut. Übertrieben ist das keineswegs: Allein die Kommunen kalkulieren mit bis zu 14.000 Euro pro Jahr und Flüchtling für die Unterbringung, das wären dann schon mehr als elf Milliarden. Rund eine Milliarde geben Länder und Kommunen gerade pro Monat aus, taxiert Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Das entspräche zwölf Milliarden Euro im Jahr. Und diese Kosten dürften nur der Anfang sein. Damit die Flüchtlinge nicht nur untergebracht, sondern langfristig erfolgreich integriert werden, ist viel mehr nötig. Vor der Integration stehen zunächst einmal Investitionen an.

Status und Schutz von Flüchtlingen in Deutschland

1. Ohne Bildung ist alles nichts

In Berlin-Mitte haben sie die ersten Schritte schon hinter sich. „Hallo, wie geht es dir“ – geschenkt. In Raum 128 der Volkshochschule (VHS) verteilt Jennyffer Puhle Modekataloge an die Schüler des Deutschkurses für Flüchtlinge. „Wie findest du die Hose?“, fragt Abakar sein Gegenüber. „Die finde ich hässlich“, sagt Khaled.

Die Lernatmosphäre ist entspannt. Viele der jungen Flüchtlinge im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sind seit weniger als einem Jahr in Berlin. Sie sind wissbegierig, es herrscht konzentrierte Ruhe. Mit dem Deutschkurs beginnt für sie ein Prozess persönlicher Aufbauarbeit. Deutschland ist nun ihre neue Heimat.

Zumindest soll sie es werden, schließlich wird es Jahre dauern, bis sie voll integriert sind und am Gesellschaftsleben teilhaben. Immerhin: Deutschland hat aus früheren Migrationswellen gelernt. Bislang wurde Flüchtlingen ohne Duldungsstatus der Zugang zur Bildung verwehrt. Nun kann jeder zumindest Deutsch lernen. Allein Berlin vervierfachte den Topf für Sprachkurse in diesem Jahr auf 1,2 Millionen Euro. Wer dauerhaft bleibt, muss zudem Integrationskurse besuchen und den Sprachabschluss B1 nachweisen – „das Seepferdchen der deutschen Sprache“ nennt Michael Weiß, Chef der VHS Berlin-Mitte, das.

„Wir dürfen uns keine Illusionen machen“, meint Bildungsökonom Ludger Wößmann von der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Erwachsene lernen nicht so schnell wie Kinder.“ Und selbst wenn sie die Grundzüge der deutschen Sprache beherrschten, „hängt ein Job stark von den beruflichen Qualifikationen ab“. Unter den Neuankömmlingen gebe es eine große Anzahl von Analphabeten, so Wößmann.

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