Flüchtlinge in Europa Gabriel fordert Zuversicht und Realismus

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht die Bewältigung der hohen Flüchtlingszahlen als größte Herausforderung seit der deutschen Wiedervereinigung.

Tausende Flüchtlinge erreichen Österreich
4./5. September, WienSie haben Tausende Kilometer hinter sich. In Ungarn schien Endstation. Doch nach Zusagen aus Österreich und Deutschland haben sich tausende Flüchtlinge auf dem Weg gemacht und am Samstagmorgen die österreichische Grenze erreicht. Die erschöpften Migranten wurden von den ungarischen Behörden mit Bussen zur Grenze gebracht, überquerten sie zu Fuß und wurden auf der österreichischen Seite von Helfern mit Wasser und Nahrungsmitteln empfangen. Nach Polizeiangaben kamen bis zum Morgen etwa 4000 Menschen an. Die Zahl könne sich aber im Laufe des Tages mehr als verdoppeln. Quelle: dpa
Ein Flüchtlingslager in Ungarn Quelle: REUTERS
Flüchtlinge in einem Zug im ungarischen Bicske Quelle: AP
Ein Flüchtling schaut aus einem Zug im Bahnhof Keleti in Budapest Quelle: dpa
3. September, Bodrum in der TürkeiFotos eines ertrunkenen Flüchtlingskindes haben in den sozialen Netzwerken große Betroffenheit ausgelöst. Eine an einem Strand im türkischen Bodrum entstandene Aufnahme zeigt den angespülten leblosen Körper des Jungen halb im Wasser liegend. Unter dem Hashtag „ #KiyiyaVuranInsanlik“ kursieren die Fotos auf Twitter. „Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt“, schrieb eine Nutzerin. Der Junge gehörte einem Bericht der britischen Zeitung „The Guardian“ zufolge zu einer Gruppe von mindestens zwölf syrischen Flüchtlingen, die am Mittwoch vor der türkischen Küste ertrunken waren. Unseren Kommentar zum Thema, warum man das Bild nicht zeigen darf, finden Sie hier.
Flüchtlinge sind in Budapest am Bahnhof gestrandet Quelle: REUTERS
Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Quelle: dpa

Darauf müsse nun mit „Zuversicht und Realismus“ reagiert werden, sagte der Vizekanzler am Montag im Kanzleramt. Neben der großen Hilfsbereitschaft gebe es bei den Bürgern auch Sorgen und Ängste, ob das alles zu schaffen sei. „Es wird auch Konflikte geben.“ Je offener man darüber spreche, desto leichter werde es der Politik fallen, Enttäuschungen zu vermeiden. „Zuversicht und Realismus sind die beiden Leitplanken, in denen wir uns bewegen sollten“, betonte Gabriel.
Kanzlerin Angela Merkel hat nach der Koalitionseinigung auf ein weitgehendes Paket zur Flüchtlingshilfe nun eine „Kraftanstrengung der Europäischen Union“ gefordert. Sie sei zuversichtlich, dass eine Einigung auf europäischer Ebene möglich sei, sagte Merkel am Montag in Berlin. Notwendig sei eine „solidarische und faire Verteilung der Flüchtlinge“.

Über das Mittelmeer nach Europa: Zahlen zu Flüchtlingen

Der Bund will 2016 selbst drei Milliarden Euro für die Unterbringung von Flüchtlingen ausgeben und noch einmal drei Milliarden Euro für Länder und Kommunen zur Verfügung stellen. Darauf hatte sich der Koalitionsausschuss aus Union und SPD in der Nacht geeinigt. Einzelheiten müssten bis zum Flüchtlingsgipfel von Bund und Ländern am 24. September erarbeitet werden, sagte Merkel. Vor allem gehe es um „menschenwürdige Erstaufnahmeeinrichtungen“ für etwa 150 000 Menschen, sagte Merkel. „Die haben wir noch nicht.“

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