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Flüchtlingskonten Bankverbindung in die Heimat

Flüchtlinge zahlen viel für Schlepper, Internet-Zugang und Geldtransfers. Banken sträuben sich gegen die Klientel aus der Ferne. Um es Flüchtlingen zu erleichtern, sollen diese nun einfacher Konten eröffnen können.

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Angesichts der rasant steigenden Flüchtlingszahlen in Deutschland hat die Finanzaufsicht Bafin die Hürden für die Eröffnung eines Bankkontos weitgehend beseitigt. Quelle: REUTERS

Es gibt zwei Dinge, die Flüchtlinge zwingend brauchen, um Ihre riskante Reise zu organisieren: Geld und mobiles Internet per Smartphone – und für letzteres benötigen sie ebenfalls Geld.

Schlimm genug, dass spezialisierte Mobilfunkanbieter mit der Not der vor Krieg und Verfolgung davonlaufenden Menschen ihre Geschäfte machen. Bedenklich ist aber auch, dass sich Finanzdienstleister wie etwa Western Union an den Geldtransfers der Flüchtlinge eine goldene Nase verdienen. Denn die sind ohne Arbeitserlaubnis und Bankverbindung in der Fremde auf die Geldtransfers aus ihrer Heimat angewiesen. Und ebenso ihre daheimgebliebenen Verwandten in den Kriegsgebieten, die auf die finanzielle Unterstützung der Geflohenen bauen.

Was Flüchtlinge dürfen

Wie TV-Magazin Report aus München berichtete, sind die Bargeldtransfers mit Western Union ungeheuer kostspielig. So berechnet das amerikanische Unternehmen zum Beispiel für Geldüberweisungen aus der Türkei nach Mailand – einem der Hotspots für Flüchtlinge, die es nach Europa geschafft haben – happige Gebühren. Für 100 Dollar werden bereits 15 Dollar Gebühren fällig, also stolze 15 Prozent. Bei 400 Dollar betragen die Transfergebühren 42 Dollar, immer noch 10,5 Prozent.

Tausende Flüchtlinge erreichen Österreich
4./5. September, WienSie haben Tausende Kilometer hinter sich. In Ungarn schien Endstation. Doch nach Zusagen aus Österreich und Deutschland haben sich tausende Flüchtlinge auf dem Weg gemacht und am Samstagmorgen die österreichische Grenze erreicht. Die erschöpften Migranten wurden von den ungarischen Behörden mit Bussen zur Grenze gebracht, überquerten sie zu Fuß und wurden auf der österreichischen Seite von Helfern mit Wasser und Nahrungsmitteln empfangen. Nach Polizeiangaben kamen bis zum Morgen etwa 4000 Menschen an. Die Zahl könne sich aber im Laufe des Tages mehr als verdoppeln. Quelle: dpa
Ein Flüchtlingslager in Ungarn Quelle: REUTERS
Flüchtlinge in einem Zug im ungarischen Bicske Quelle: AP
Ein Flüchtling schaut aus einem Zug im Bahnhof Keleti in Budapest Quelle: dpa
3. September, Bodrum in der TürkeiFotos eines ertrunkenen Flüchtlingskindes haben in den sozialen Netzwerken große Betroffenheit ausgelöst. Eine an einem Strand im türkischen Bodrum entstandene Aufnahme zeigt den angespülten leblosen Körper des Jungen halb im Wasser liegend. Unter dem Hashtag „ #KiyiyaVuranInsanlik“ kursieren die Fotos auf Twitter. „Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt“, schrieb eine Nutzerin. Der Junge gehörte einem Bericht der britischen Zeitung „The Guardian“ zufolge zu einer Gruppe von mindestens zwölf syrischen Flüchtlingen, die am Mittwoch vor der türkischen Küste ertrunken waren. Unseren Kommentar zum Thema, warum man das Bild nicht zeigen darf, finden Sie hier.
Flüchtlinge sind in Budapest am Bahnhof gestrandet Quelle: REUTERS
Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Quelle: dpa

Die zahlt grundsätzlich derjenige, der das Geld verschickt, je nach Vertriebsstandort von Western Union können noch Gebühren für den Empfänger dazu kommen. Aber das ist noch nicht alles. Western Union zahlt den Betrag in der Regel in der Landeswährung vor Ort aus und kassiert dabei die Differenz zwischen dem Wechselkurs für den Kunden und dem Kurs, den Western Union am Devisenmarkt zahlt. Muss in eine andere Währung umgerechnet werden, kann Western Union auch dafür Gebühren erheben.

Das Zentrum für Migrationsdaten hat dem Report-Bericht zufolge nun eine Initiative gestartet, die sich für fairere Gebühren und vor allem für Kostentransparenz bei den Geldtransfergesellschaften einsetzt, da offenbar wenigen Nutzern dieser Dienstleistungen wirklich klar ist, wie teuer die Geldtransfers tatsächlich sind.

Aus diesen Ländern kommen Asylbewerber in Deutschland

Konto für Flüchtlinge

Hilfreich wäre für viele Flüchtlinge ein Bankkonto am Zielort, auf das aus dem Ausland direkt überwiesen werden kann und das die bargeldlose Bezahlung in Deutschland – etwa bei einigen Behörden – deutlich erleichtert. Bislang scheitern bei den Banken oftmals bei der Kontoeröffnung, weil sie nicht die geforderten Identifikationsnachweise beibringen können, die das Geldwäschegesetz fordert. Die Duldungsbescheinigungen, die Flüchtlinge zunächst erhalten, reichen dafür nicht aus.

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