Flughafen BER Warum ein Neubau keine Lösung ist

Politiker aus der zweiten Reihe im Bundestag fordern den Neubau des Hauptstadt-Flughafens BER. So kommen sie auf die Titelseiten - aber einen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten sie nicht.

Die größten Flughäfen der Welt
Suvarnabhumi International Airport Quelle: dpa
Incheon - Seoul Quelle: dpa
Denver Quelle: REUTERS
Singapur Quelle: dpa
JFK Airport in New York Quelle: REUTERS
südchinesische Airport Guangzhou Quelle: dpa
Istanbul Airport Quelle: REUTERS

Jens Koeppen kennt außerhalb der Uckermark kaum einer. Eigentlich müsste der CDU-Politiker zwar eine politische Institution sein. Denn schließlich ist Koeppen Vorsitzender des in dieser Legislaturperiode neu gegründeten Ausschusses Digitale Agenda.

Koeppen könnte der aktuellen Bundesregierung regelmäßig den Marsch blasen: beim schnellen Internet hinkt Deutschland nämlich weltweit hinterher und bei öffentlichen WLAN-Netzen hat die Regierung unnötig komplizierte Regelungen getroffen. Doch weil Koeppen nicht will oder nicht kann, sucht er sich ein neues Betätigungsfeld: den Flughafen BER.

Und mit seinen jüngsten Forderungen hat es der Politiker aus Brandenburg immerhin auf die Titelseite der "B.Z." geschafft. Von den Nachrichtenagenturen wurde seine Aufforderung gleich massenweise verbreitet. Koeppen fordert nicht weniger als den Neubau des Flughafen BER.

Hat der BER überhaupt noch eine Chance?

„Wenn wir wirklich nicht weiterkommen, muss man das Gebäude entweder entkernen - das heißt: den Beton stehen lassen und innen alles neu machen - oder man baut wirklich neu“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Und Renate Künast, einst Grüne A-Prominenz und heute, ups, tatsächlich Vorsitzende des Ausschusses für Justiz und Verbraucherschutz, schloss sich ihm an.

Natürlich ist dies Unfug – und das wissen auch Koeppen und Künast. Doch wenn die beiden Ausschuss-Vorsitzenden schon nicht mit eigenen Themen punkten, dann greifen sie eben zum BER. Der zieht immer.

Pannenflughafen BER soll erst 2018 öffnen
Seit 2006 wird der künftige Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ schon gebaut Quelle: dpa
09. März 2016Die für Ende 2017 geplante Eröffnung des  Hauptstadtflughafens BER ist nach Informationen des "Tagesspiegels" wegen neuer Probleme beim Brandschutz gefährdet. Das Bauordnungsamt habe für den Umbau der Brandschutzanlage weitere Nachweise sowie Nachbesserungen an den Unterlagen gefordert, hieß es. Das könnte auch zusätzliche Bauarbeiten im Terminal nach sich ziehen, wie aus einem internen Schreiben des Flughafen-Technikchefs Jörg Marks hervorgeht. "Wir müssen die Anforderungen des Bauordnungsamts einbeziehen und sehen, wie wir die Nachbesserungen umsetzen können", sagte Flughafensprecher Daniel Abbou der Nachrichtenagentur dpa. Quelle: dpa
4. November 2015Am neuen Hauptstadtflughafen haben Firmen in den vergangenen Jahren Mitarbeiter zu Unrecht als Brandschutz-Fachleute ausgegeben. Kontrollen der Flughafengesellschaft hätten ergeben, dass die notwendigen Nachweise für die Fachkunde fehlen, teilte der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit. In seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Piratenpartei sprach er von Einzelfällen im niedrigen einstelligen Bereich seit 2012. Müller ist Aufsichtsratschef der staatlichen Flughafengesellschaft. Er berief sich auf Angaben der Geschäftsführung um Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Demnach werden die Eignungsnachweise bei der Vergabe von Aufträgen überprüft, danach bei Personalwechseln und besonders seit August 2014 auch bei Audits. Probleme mit dem Brandschutz, etwa auch wegen überbelegter Kabeltrassen, hatten das Projekt weit zurückgeworfen. Quelle: dpa
Flughafen Berlin Brandenburg Quelle: dpa
21. August 2015Die Baufirma Imtech muss Insolvenz anmelden - und den Flughafen wirft das in seinem Zeitplan weiter zurück. Nach Einschätzung der verantwortlichen Taskforce ist es durch die Insolvenz der Gebäudetechnikfirma bisher zu einer Verzögerung der Eröffnung von zwei bis drei Wochen gekommen. Gleichwohl sieht die Flughafengesellschaft die Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 „zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Erkenntnisse“ nicht gefährdet. Bis Ende September solle die sogenannte Meilensteinplanung überarbeitet werden. Die Insolvenz habe zu einem „deutlichen Rückgang“ der Mitarbeiterzahlen geführt, so die Flughafengesellschaft. Imtech und eine mitbeteiligte Firma hätten jedoch zugesagt, die Mitarbeiterzahlen schnellstmöglich wieder hochzufahren, um die zeitlichen Auswirkungen „weitestgehend zu begrenzen“. Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen Quelle: dpa
Karsten Mühlenfeld Quelle: dpa

Ein Neubau würde jedoch nichts verbessern, sondern alles noch schlimmer machen. Zugegeben: Auf Europas peinlichster Baustelle darf es keine Denkverbote geben. Und jeder hat schon einmal mit dem gleichen Gedanken gespielt: abreißen, neu bauen, fertig. Doch so einfach ist das nicht.

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Ein Neubau bedeutet keine Kostenersparnis und erst recht keine Zeitersparnis. Zwar ist mehr als fraglich, ob der angepeilte Eröffnungstermin 2017 noch zu halten ist. Doch vor 2020 oder 2025 würde auch ein Neubau nicht fertig werden. Ein Abriss würde mindestens fünf bis sieben Jahre dauern. Hinzu käme eine neue Planfeststellung, gegen die in zwei Instanzen prozessiert werden könne.

BER ist ein Desaster. Aber trotzdem kann es jetzt nur darum gehen, den Bau fortzusetzen. Oder wie es Rainer Bretschneider, Brandenburgs Flughafenkoordinator, sagt: „Ich akzeptiere, dass der Bürger und unserer Politiker langsam die Schnauze voll haben von den Hiobsbotschaften. Aber ich verlange auch, dass wir uns wieder sachgerecht äußern und zurückkommen zu Lösungen.“

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