WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Flugverbot Wie verletzlich ist Deutschland?

Seite 3/3

Risiko Blackout

Gegen Szenarien wie diese lässt sich ein Stück weit vorsorgen. Behörden, Banken und Betriebe tun alles, um ihre sensiblen Daten – von geheimen Einsatzplänen über Bankkonten, Sozialversicherungsdokumente bis hin zu Krankenhausakten – vor kriminellen Hackern zu schützen. Die hierzu benötigten Speicherplätze müssen auch jenseits der Softwareroutinen sicher sein. Dafür kommen Banker und Sicherheitsexperten, Manager und Beamte ins hessische Herborn.

Die Firma Rittal stellt hier Schaltschränke für Servertechnik her, Billyregale für den industriellen Computerraum. Die Hochsicherheitsvariante heißt Modulsafe. Mehrere Zentimeter dicke Stahlwände und Tresortüren schützen die Technik vor Feuer und Wasser. Strom- und Kühlwasserstränge gibt’s sicherheitshalber doppelt. Einige verfügen gar über eine Brennstoffzelle, die effizienter ist als herkömmliche Ersatz-Dieselaggregate. Rittal-Tresore finden sich deshalb in Banken und Krankenhäusern, bei der Feuerwehr oder in Verkehrsleitzentralen. Orte, die reibungslosen Datenverkehr und größtmögliche Sicherheit brauchen.

Die Politik tut sich mit den heutigen Bedrohungen schwer. „Der Schutz der kritischen Infrastruktur hat in der gesamten Politik zu wenig Beachtung gefunden“, sagt Stephan Mayer, innen- und rechtspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe. Das Thema sei nun einmal „nicht charmant“ und könne „die Bevölkerung verunsichern“. Denn für Mayer ist klar: „Wir sind weitaus verwundbarer, als viele denken.“ Die Aschewolke aus Island ermuntere nun vielleicht zu mehr Elan.

„Sicherheit gegen potenzielle Störfälle hat in Berlin keine Lobby“, klagt auch SPD-Mann Gerold Reichenbach. Er hat in der vergangenen Legislaturperiode zusammen mit Kollegen von Union, Grünen und FDP das „Grünbuch öffentliche Sicherheit“ geschrieben. Doch viel bewegen konnten die fleißigen Autoren nicht.

Panzerschränke für Daten

Hinzu kommt, dass die meisten Gefährdungen nicht an nationalen Grenzen haltmachen. Das gilt für Aschewolken wie für Krankheitserreger, aber eben auch für Verkehrskollaps und Stromausfall. „Es hilft wenig, wenn ich allein meine nationale Entscheidung treffe“, sagt Hartfried Wolff, Mitherausgeber des Grünbuchs. Es gebe genug Experten, „es muss nur klar sein, wo die Zuständigkeiten liegen“. Allerdings ist in Europa auch umstritten, was überhaupt zur „kritischen Infrastruktur“ zählt. Manches Land zählt Regierungsgebäude dazu, andere die Trinkwasserversorgung, dritte gar Ackerflächen.

Als ein Heilmittel stets angepriesen ist die Redundanz, also das Vorhalten doppelter oder gar dreifacher Ersatzsysteme. Sie schafft ein Stück Unabhängigkeit – aber sie kostet auch viel Geld.

Die deutschen Häfen beispielsweise hätten nichts gegen besseren Schutz und schärfere Kontrollen – aber nur, wenn dies auch für die europäische Konkurrenz gilt. Sonst nämlich verlängern sich hierzulande die Verlade- und Liegezeiten und die Kosten steigen, während die Konkurrenz in Holland günstig bliebe. Bei den Stromnetzen wären wahrscheinlich Milliardenausgaben fällig, die den Betreibern die Bilanz verhageln würden.

Das Problem: Der Staat ist klamm, und vier Fünftel aller sensiblen Einrichtungen gehören ohnehin privaten Unternehmen. Doch bei denen passt die Vorsicht nur schwer in die Kalkulation. Der Bund ist also beim Schutz kritischer Infrastruktur auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft angewiesen. Im Dezember warb Innenminister Thomas de Maizière (CDU) deshalb bereits um bessere Kooperation.

In seinem Haus brütet das Referat KM (Krisenmanagement) 4 über den „Schutz kritischer Infrastruktur“. Doch über die Arbeit mag niemand reden.Anders als Vorgänger Wolfgang Schäuble setzt Innenminister Thomas de Maizière nicht auf Alarm, sondern auf Ruhe. Auch die Sicherheitsindustrie hält sich öffentlich lieber bedeckt: „Soll man Terroristen erklären, wo am Flughafen die Lücken sind?“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%