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Flugverkehr Massenproteste gegen Fluglärm

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Ein schaurig-faszinierendes Schauspiel

Demonstranten halten im Terminal I des von der Fraport AG betriebenen Frankfurter Flughafens in Frankfurt am Main während einer Protestkundgebung Plakate und Transparente. Quelle: dapd

Das stimmt. Und zwar weder für die CDU noch für die Bürger. Im begehrten Viertel Sachsenhausen-Süd fliegen die Maschinen die neue Bahn während der Stoßzeiten mittlerweile in Zweierreihen an. Die Sachsenhausener erleben den wachsenden Betrieb als schaurig-faszinierendes Schauspiel, besonders in den dunklen Abendstunden, wenn die Jets wegen ihrer weit sichtbaren Positionslampen wie Perlen an der Schnur erscheinen, bevor sich der Turbinendonner Tausender Pferdestärken entfaltet. Wer hier gerade erst viel Geld in seinen Wohnsitz gesteckt hat, fühlt jetzt nur noch den Schauer.

Schüler müssen leiden

Sachsenhausener Bürger gehen deshalb aufs Ganze: Sie wollen, dass die neue Landebahn wieder stillgelegt wird. Ihnen geht es nicht allein um ruhigeres Wohnen, sondern auch um die Kinder, die auf die Martin-Buber-Grundschule direkt unter der Flugroute gehen. Das Gelände liegt zwar in der Schutzzone, doch die Schüler müssen leiden, weil nur Wohnungen in den Genuss von isolierenden Fenstern kommen.

„Den Bürgern wurde kein reiner Wein eingeschenkt,“ klagt selbst ein Vertreter der Flugbranche. Und Kay Kratky, im Lufthansa-Konzern für den Flughafen Frankfurt und die Flotte zuständig, hält es für absolut unverständlich, wie etliche Gemeinden „noch Bauland ausweisen konnten, das ganz offensichtlich in den zukünftigen lärmbetroffenen Zonen liegt“.

So führt die Angst vor Protesten am Ende nur zu noch viel mehr Turbulenzen. Das ist umso ärgerlicher, als die wirtschaftlichen Folgen eines dauerhaften Nachtflugverbotes in Frankfurt alleine überschaubar wären. Zwar klagt vor allem die Lufthansa laut Insidern über Mehrkosten von 40 Millionen Euro pro Jahr, weil etwa einige Flüge in Köln zwischenlanden müssen, um nicht zu früh an ihrem eigentlichen Zielort zu sein. „Doch die neue Bahn bringt uns am Ende ein Mehrfaches an Umsatz und Gewinn“, sagt ein Lufthanseat. Der Konzern kann nun endlich auch bestehende Strecken öfter fliegen und neue Ziele ansteuern. „Ein großes, dicht beflogenes Flugnetz ist unser wichtigstes Plus im Wettbewerb um gut zahlende Geschäftsreisende“, sagt der Lufthanseat. Durch die neue Bahn kann der Airport pro Stunde 120 Flüge abwickeln statt gut 80 wie bisher. Die eigentliche Furcht haben Betreiber und Airlines deshalb nicht vor einem Bestehen des Nachtflugverbotes, sondern davor, dass auch am Tag weitere Einschränkungen folgen.

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Lösungsansätze

Der Chef des neuen Berliner Flughafens glaubt hingegen, dass sogar die auflehnenden Bürger am Ende ihr Gutes hatten. „Die Proteste haben eine große Menge bewirkt“, sagt Rainer Schwarz. „Wir haben jetzt die Lösung, die am wenigsten Lärm erzeugt.“ Für den dennoch fälligen Schallschutz der Gemeinden ringsherum bringt der Flughafen rund 140 Millionen Euro auf. Das ist der Preis für die Hoffnung auf ein internationales Drehkreuz.

Ein paar Kilometer weiter nordöstlich wird Ralf Müller am Montag trotzdem wieder auf dem Marktplatz in Friedrichshagen stehen und zum Mikro greifen, mittlerweile zum 31. Mal. Bei der EU in Brüssel werden sie eine offizielle Beschwerde einlegen, der vorbereitete Dauerprotest am neuen Terminal des Hauptstadtairports wird bald anlaufen. „Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagt Müller. Aber für ihn ist es noch nicht vorbei.

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