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Fluthilfe-FondsHochwasser teurer als Aufbau Ost

Die schwarz-gelbe Koalition hat den Fluthilfe-Fonds über acht Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Das Hochwasser wird teurer als die Jahrhundertflut von 2002. Es beginnt ein neuer Aufbau Ost.Christian Schlesiger, Andreas Wildhagen 24.06.2013 - 06:00 Uhr

Die A3 bei Deggendorf (Bayern) wurde von der Donau überspült. Nicht alle Fahrzeuge konnten vor den Fluten gerettet werden.

Foto: dpa

Die Hebebühne als Rettungsinsel - gesehen Anfang Juni in Rosenheim.

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Ein Deichbruch brachte dieses Fahrzeug auf der B 188 zwischen Stendal (Sachsen-Anhalt) und Rathenow (Brandenburg) in eine ausweglose Situation.

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Gibt es hier vielleicht doch ein Durchkommen? Straßenszene in der Innenstadt von Halle/Saale (Sachsen-Anhalt).

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Auch dieser Fahrer bei Wetterzeube (Sachsen-Anhalt) versucht, sein Fahrzeug durch die Wassermassen zu steuern.

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Hier kommt jede Hilfe zu spät: Dieses Fahrzeug im Rosenheimer Ortsteil Oberwöhr wurde von den Fluten komplett überspült.

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Der Parkplatz eines Autohauses im Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf (Bayern) wurde von den Wassermassen geflutet.

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Auch auf den Fahrzeugen im Verkaufsraum haben die Wassermassen ihre Spuren hinterlassen.

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Schlamm, wohin das Auge blickt.

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Auch diese Transporter saßen in der Falle, als die Elbe bei Dresden ihren Parkplatz in einen See verwandelte.

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Die Fenster und Türen der Wohnungen in der Klosterstraße in Grimma stehen offen, um die Räume zu trocknen. Der nasse Beton an den Fassaden zeigt, dass das Wasser wieder kopfhoch stand. Abgebrochene Mauerfundamente liegen auf der Straße, hier und da ein Haufen Kopfsteinpflaster. Es sind lautlose Zeichen der Hochwasserkatastrophe in Grimma. Das Wasser ist seit Tagen abgelaufen. Die Mulde fließt wieder ruhig an der Stadt vorbei. Transparente an den Häuserfassaden erinnern daran, dass die Natur in der sächsischen Kleinstadt wieder zugeschlagen hat. „2002...2013 Trotzdem, danke allen Helfern“ steht auf dem einen. „Wir machen weiter“ auf einem anderen, „…und wir schaffen das wieder“ auf einem weiteren.

Elf Jahre nach der verheerenden Jahrhundertflut 2002 steht die Stadt Grimma schon wieder vor einem Neubeginn. Teile der Stadt waren überflutet. Der Pegel stand nur anderthalb Meter niedriger als 2002. Und doch hat die Stadt ihr idyllisches Aussehen teils wiedererlangt. „Die Grimmaer sind stolz auf ihre Stadt und zäh“, sagt Oberbürgermeister Matthias Berger. „Hier wird nicht gequatscht, hier wird gemacht.“

Vor allem zehre die Stadt von den Erfahrungen der letzten Katastrophe. Damals entstand ein Schaden in Höhe von mehr als 250 Millionen Euro. Die anschließenden Investitionen lagen höher. „Die Verluste wurden zu 100 Prozent kompensiert“, sagt Berger. Die Landesregierung lasse durchblicken, dass es diesmal wieder so kommt.

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Foto: WirtschaftsWoche

Mehr als elf Milliarden Euro

Die Hoffnung ist in allen betroffenen Gebieten der Hochwasserkatastrophe spürbar – von Bayern bis Mecklenburg-Vorpommern. Auf mehr als elf Milliarden Euro schätzen Experten den volkswirtschaftlichen Schaden der derzeitigen Flut – und damit höher als 2002. In den kommenden Monaten wird investiert, gebaut, malocht. Für die betroffenen Regionen wirken Naturkatastrophen oft wie ein reinigendes Gewitter. Langfristig erhöhen sie sogar das volkswirtschaftliche Wachstum.

Grimma könnte unfreiwillig zu einem lebhaften Symbol von Verwüstung und Wiederaufbau werden. Die zentrale Pöppelmannbrücke, 2002 völlig zerstört, wurde für Fußgänger und Radfahrer für sechs Millionen Euro saniert – und trotzte jetzt den Wassermassen. Ein 65 Meter langer Stahlträgerbogen verbindet die beiden Barocktürme links und rechts am Ufer. Die Stadt erneuerte neun Kilometer Straßen und knapp vier Kilometer Gehwege – so fest, dass die aktuelle Flut ihnen kaum etwas antun konnte. Die historische Altstadt erstrahlt heute in neuem Glanz – schöner als vor 2002. „Cafés und Geschäfte haben sich erst nach dem Wiederaufbau 2002 angesiedelt“, sagt Berger. Auf 200 Millionen Euro schätzt der Oberbürgermeister den Schaden diesmal. „In drei Jahren könnte das Gröbste bereinigt sein“, so Berger. In jeder Krise steckt eine Chance. Grimma will sie erneut ergreifen.

Das Ernst-Abbe-Stadion in Jena (Thüringen) ist vom Hochwasser der Saale überflutet. Wie in anderen Landesteilen sollen auch hier die Schulen und Kindergärten am Montag und Dienstag geschlossen bleiben.

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So ein Hochwasser wurde für die Dreiflüssestadt Passau nicht vorhergesagt: In der Nacht zum Sonntag stieg der Wasserstand innerhalb weniger Stunden auf mehr als 9,50 Meter - weite Teile der Altstadt sind überflutet. Viele Menschen wurden von den Wassermassen überrascht und können ihre Häuser nicht mehr verlassen oder betreten. Am Sonntagmittag löste die Stadt gar Katastrophenalarm aus.

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In Würzburg wurde das bis zum 2. Juni geplante Africa-Festival wegen Hochwassers vorzeitig abgebrochen. Auch auf dem Main wurde die Schifffahrt unterbrochen.

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In der sächsischen Stadt Chemnitz ist der gleichnamige Fluss über die Ufer getreten und überschritt kurzzeitig die Schwelle der Hochwasser-Alarmstufe 4. Für die Zwönitz galt bereits die höchste Alarmstufe. Auch in Zwickau und im Landkreis Leipzig riefen die Behörden den Katastrophenfall aus. In Zwickau begann die Evakuierung eines Ortsteils. Das Wasser der Mulde war dort nur noch wenige Zentimeter von der Dammkrone entfernt.

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Die Hochwasserstände vergangener Jahre sind im Zentrum von Grimma (Sachsen) in einer überschwemmten Straße an einer Mauer angezeichnet. Nach tagelangen Regenfällen ist die Lage an den Flüssen angespannt: Nach einer ruhigen Nacht stiegen die Pegelstände der Mulde allerdings wieder an. Es soll noch am Sonntag entschieden werden, ob es Evakuierungen geben wird.

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Die Verschalungen eines Brückenneubaus in Hartenstein (Sachsen) brechen in den Fluten der Zwickauer Mulde weg. Im Hintergrund ist die Burg Stein zu sehen.

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Auch auf dem Rhein wurde die Schifffahrt eingestellt: Wie hier unter der Rheinbrücke in Rheinfelden kam es in Baden-Württemberg zu vielen Überschwemmungen.

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In Tschechien droht die Moldau nach den starken Regenfällen der vergangenen Tage, die Prager Altstadt zu überfluten. Die Stadtverwaltung nannte die Hochwasserlage „sehr ernst“. Fahrten in die Moldaumetropole sollten vermieden werden, warnte die Behörde. Im August 2002 hatte Tschechien das schlimmste Hochwasser seiner Geschichte erlebt. Damals stand etwa ein Drittel des Landes unter Wasser, 17 Menschen kamen in den Fluten ums Leben.

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Foto: WirtschaftsWoche

Zwar müssen viele Unternehmen in Hochwassergebieten vorübergehend ihren Betrieb einstellen. Unzählige Haushalte erleiden durch die Flut einen Vermögensverlust. Doch sobald sich das Hochwasser zurückzieht, investieren Privatleute, Unternehmen und vor allem die Kommunen. „Es klingt zynisch, aber oft bedarf es eines bösen Anstoßes, um Wachstum zu schaffen“, sagt Udo Ludwig, Ökonom am Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erwartet der Experte einen „gewissen Wachstumsschub“ – ein neuer Aufbau Ost aus tragischem Anlass.

Für Ökonomen ist dies wenig überraschend. Der Verlust von Vermögen wird bei der Berechnung von Wachstum nicht gegengerechnet. „Das Bruttoinlandsprodukt misst nicht die Schäden, sondern die Schadensbeseitigung“, sagt Ludwig. Sobald Verluste ersetzt würden, entstehe neues Wachstum. Privathaushalte, Unternehmen und Städte bauen zudem schönere Häuser, effizientere Fabriken und stabilere Straßen. „Irgendwann wird dann auch der verloren gegangene Kapitalstock wieder erneuert sein“, so Ludwig.

Schon nach der Jahrhundertflut 2002 war dieses Phänomen zu beobachten. In den Jahren danach „gab es vor allem für Sachsen einen Konjunktureffekt“, sagt Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. „Der Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur führte 2003 zu einer Sonderkonjunktur“, vor allem, weil Straßen, Brücken und Wege erneuert wurden. Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle rechnet im aktuellen Fall für die ostdeutschen Bundesländer zunächst mit einer Wachstumsdelle von 0,2 Prozent im zweiten Quartal. Bis Jahresende dürfte sie aber wieder ausgeglichen sein. Ab 2014 könnte die Modernisierung der Infrastruktur weiteres Wachstum nach sich ziehen. Der Saldo wäre positiv.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ist schneller als Merkel. Er ist schon vor Ort und sichtet die Lage während des Hochwassers der Weißen Elster in Zeitz (Sachsen-Anhalt). Dazu bring er ein gelbes Accessoires mit - seine Gummistiefel. Die EU-Kommission hat inzwischen finanzielle Hilfe angeboten - und zwar Deutschland, Österreich und Tschechien.

Foto: dpa

Auch Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) hat ein schönes Paar - er testet sie gleich mal im Hochwasser in Gera.

Foto: dpa

Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister, ist der Umgang mit den Stiefeln aus Gummi wohl noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Doch seit 2010, aus dieser Zeit stammt das Foto - er besichtigte damals die Baustelle einer ICE-Neubaustrecke im Tunnel - konnte er wohl noch üben. Zurzeit kann er die gelben Flitzer jedenfalls gut gebrauchen.

Foto: WirtschaftsWoche

Im April 2006 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff den Kreis Lüneburg, um sich über das Hochwasser zu informieren. Nun macht sie sich wieder auf den Weg in die überfluteten Gebiete - bestimmt auch dieses Mal in Gummistiefeln.

Foto: dpa/dpaweb

Nicht nur in Gummistiefeln, auch in der Luft verschafften sich Angela Merkel und Christian Wulff 2006 einen Überblick über die Hochwasser-Lage im Osten Deutschlands.

Foto: dpa/dpaweb

Auch Gerhard Schröder war als Bundeskanzler 2002 im Hochwassergebiet in Grimma unterwegs. An seiner Seite: Der damalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU).

Foto: WirtschaftsWoche

Das Hochwasser verhalf Ex-Bundeskanzler Schröder zu neuer Beliebtheit - obwohl seine Gummistiefel schwarz waren.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch sein damaliger Konkurrent Edmond Stoiber (CSU), der Schröder als Kanzler verdrängen wollte, kam ins Hochwassergebiet - ebenfalls mit schwarzen Gummistiefeln bekleidet.

Foto: WirtschaftsWoche

Doch er kam zwei Tage später als Schröder - und sein Erfolg bei der Bundestagwahl blieb aus.

Foto: WirtschaftsWoche

Nicht nur Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder war in den überfluteten Gebieten. Auch Jürgen Trittin, damaliger Bundesumweltminister (links), und Außenminister Joschka Fischer besuchten die Gegend um den Fluss Mulde in der Nähe von Dessau - leider ohne Gummistiefel.

Foto: AP

Bis zu acht Milliarden Euro von Bund und Ländern

Dafür soll vor allem die staatliche Soforthilfe sorgen. Bund und Länder wollen den Flutopfern bis zu acht Milliarden Euro zahlen. Für die Geschädigten hat es sich gut gefügt, dass die Flut im Jahr der Bundestagswahl kam. Kein Politiker will sich jetzt „dem Vorwurf aussetzen, nicht genug für die Flutopfer zu tun“, so Röhl.

Auch Petra Schneider hofft auf Geld. Vor ihrem Geschäft in der Brückenstraße in Grimma hat die 60-Jährige ein Schild aufgestellt: „Ab sofort Flutverkauf.“ Im Hinterhof ihres Hotels, das sie zusätzlich betreibt, verhökert sie das, was das Wasser nicht mitgerissen hat: Töpfe von WMF, Bestecke, Gartenzwerge und Porzellanschüsseln – alles mit Rabatt. Mehr als 30 Grimmaer hatten ihr und ihrem Mann in den vergangenen Tagen geholfen, die Produkte zu putzen, zu trocknen und für den Hofverkauf fertig zu machen. „Die Hilfe hat mich überwältigt“, sagt sie.

Kanzlerin Merkel in Pirna

Foto: Getty Images

Die Unternehmerin hofft auf ein gutes Ende. Als Soforthilfe bekommen die von der Flut geschädigten Unternehmen in Sachsen 1500 Euro. Damit konnte Petra Schneider die Heizung ihres Hotels erneuern. Derzeit habe sie schon wieder sechs Gäste. Herberge und Geschäft seien versichert, nur die Waren und Regale im Wert von 80 000 Euro sind es nicht. Sie brauche daher die Zuschüsse aus Sachsen – wie 2002, als die Flut ihr Hab und Gut schon einmal zerstört hat. Mit 70 000 Euro an Zuschüssen „bin ich plus/minus null rausgegangen“, sagt sie.

Naturkatastrophen kennen immer auch Profiteure. Für die ansässigen Handwerksbetriebe löst die Flut eine Sonderkonjunktur aus. Schreiner, Elektriker und Sanitärfirmen erhalten zusätzliche Aufträge. Andere Unternehmen machen durch Sonderaktionen für Flutopfer von sich reden. Baumärkte gewähren Geschädigten Rabatte, und Autohändler stellen Wagen zur Verfügung.

Erstaunlicherweise scheint es die großen Unternehmen diesmal weniger stark getroffen zu haben als 2002. Volkswagen fehlten kurz ein paar Ersatzteile aus der Slowakei, Südzucker verlor einen Teil seiner Zuckerrübenernte. Viele Unternehmen hatten ihren Schutz nach 2002 verbessert. Ein Musterbeispiel ist der Druckmaschinenhersteller König+Bauer. Er blieb anders als vor elf Jahren von den Fluten verschont. Der Deich unweit des Werkes an der Elbe in Sachsen war erhöht und verstärkt worden. Auch Ventile, die das schlammige Wasser zurückhielten, verhinderten eine Überschwemmung der Fertigungshallen.

Deutsche Bahn

Bei der Deutschen Bahn hat die Flut aber voll zugeschlagen. Mehr als 19 000 Züge waren verspätet, rund 1000 fielen aus. Noch immer müssen täglich rund sieben Prozent der 1350 Züge im Fernverkehr zeitraubende Umwege fahren. Hinzu kommen Schäden an der Infrastruktur. Erdrutsche bei Laaber nahe Regensburg legten Gleise frei, vollgelaufene Unterführungen beschädigten den Bahnhof in Pirna bei Dresden, und der Deichbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt überflutete fünf Kilometer Gleise auf der Schnellfahrstrecke zwischen Hannover und Berlin. Die Schäden liegen im hohen dreistelligen Millionenbereich.

Damit wäre der Verkehrskonzern in etwa so getroffen wie 2002. Die Infrastrukturschäden lagen damals bei rund 850 Millionen Euro. Hinzu kamen Umsatzausfälle von rund 90 Millionen Euro, weil Züge wochenlang nicht fahren konnten. Der Eisenbahndamm im Elbtal bei Dresden musste an einigen Stellen komplett erneuert werden. Die letzten Reparaturarbeiten hat die Bahn erst vor drei Jahren abgeschlossen.

Deutschland muss sich in Zukunft auf weitere Schäden einstellen. Insgesamt hat sich die Zahl der Überschwemmungen in Zentraleuropa seit 1980 mehr als verdoppelt. Ursache sind die mitteleuropäischen Trog-Wetterlagen mit niedrigem Luftdruck. Von denen gibt es heute doppelt so viel pro Jahr wie in den Siebzigerjahren. Hinzu kommen Sturm, Hagel, extreme Trockenheit mit Dürre und Waldbränden. Die Schadensausschläge nehmen zu – auch weil die Menschen immer vermögender werden (siehe Grafik auf der ersten Seite).

Die Vorsorge wird daher immer wichtiger. „Ökonomisch sinnvoll wäre eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden“, heißt es in einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Derzeit seien etwa ein Drittel der mehr als elf Milliarden Euro Schäden versichert. „Das ist wenig und liegt vor allem an den fehlenden Anreizen“, heißt es beim DIW. „Der Staat springt in solchen Krisen meist in die Bresche.“ Das DIW schlägt eine Versicherungspflicht für Gebäude vor. Für bis zu 550 Euro pro Jahr wären sie gegen Schäden bei Naturereignissen geschützt.

Dadurch könnte verhindert werden, dass der Staat alle Kosten übernimmt. Er müsste vor allem den Hochwasserschutz optimieren. Es fehlen Polder-Flächen, die im Notfall Wassermassen aufnehmen und so die Lage entspannen. Die Politiker sind sich darüber zwar einig, aber noch immer verhindert Kleinstaaterei einen effizienten und integrierten Hochwasserschutz.

Zeitraubende Brunnenarbeiten

Auch Grimma konnte seine 2002 geplanten Maßnahmen nicht ganz fertigstellen. Einzelne Mauerteile stehen schon, doch zeitraubende Brunnenbauten haben den Bauabschluss verzögert. Die Fertigstellung dürfte noch ein paar Jahre dauern.

Drei Unternehmer der Kleinstadt wollten ihren beschädigten Betrieb daher gar nicht wieder aufmachen. Als Oberbürgermeister Berger davon hörte, besuchte er sie. Zwei überzeugte er zu bleiben, der Inhaber eines Eiscafés sei ein Wackelkandidat. Um auch ihn umzustimmen, startet Berger eine Plakatkampagne. Auf ihr werben ortsansässige Optiker, Tischler, Küchenhändler und Werbeagenturinhaber für ihr Grimma: „Wir bleiben hier!“

Im September ist Bundestagswahl – für die Opfer eine glückliche Fügung.

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