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Forderung an Gesundheitsminister Spahn Krankenhaus-Operationen: Besser und billiger ist möglich

Besser und billiger ist möglich. Quelle: dpa

Zurzeit fließt viel zusätzliches Geld ins Gesundheitssystem – etwa für mehr Pflegepersonal. Eine Untersuchung zeigt aber auch, dass weniger Operationszentren Vorteile für Patienten und Beitragszahler bringen würden.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verspricht seit seinem Antritt im März mehr Geld für allerlei Mängel im Gesundheitswesen. Die gute Konjunktur beschert den Krankenkassen reichlich Einnahmen und im aktuellen Betrieb der Krankenhäuser fehlen ja auch Zehntausende Pflegerinnen und Pfleger.

Doch der Mangel in deutschen Kliniken, der Patienten verunsichert und die Profis schlaucht, lässt sich auch von einer anderen Warte aus betrachten.

Immer noch wird in Deutschland viel und nicht immer gut operiert. Viel – das gilt zum Beispiel für Eingriffe an Knien, Hüften und am Rücken. Nicht immer gut – der Vorwurf trifft immer wieder kleinere, wenig spezialisierte Kliniken. Beides hat Auswirkungen aufs Wohlbefinden der Betroffenen und auf das Geld der Allgemeinheit: Die Behandlungen in Krankenhäusern machen immerhin rund ein Drittel der Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung aus.

Einiges deutet darauf hin, dass weniger Krankenhäuser und gezieltere Operationen besser wären. Eine aktuelle Untersuchung des RWI im Auftrag der der Barmer-Krankenversicherung unterstützt die Aussage, dass besser und billiger möglich ist, die auch andere Gesundheitsökonomen schon herausgearbeitet haben. Bei planbaren komplizierten Operationen sind dem Barmer-Krankenhausreport zufolge die Erfolgsaussichten für die Patienten sehr unterschiedlich. Der Erfolg von Eingriffen hängt stark davon ab, wer sie vornimmt und wie sie unternommen werden. Zusammengefasst: Am höchsten ist die Chance, ohne Komplikationen durch die OP zu kommen und mindestens noch drei Jahre zu leben, wenn ein erfahrener Arzt mit vielen vergleichbaren OPs im Jahr antritt. Tut er das in einem spezialisierten Zentrum und am besten noch mit einer minimal-invasiven Methode, sind die Patienten am besten dran.

Beispielhaft haben die Forscher das anhand von Versichertendaten aus den Jahren 2006 bis 2017 bei Eingriffen an einer erweiterten Bauchschlagader untersucht. Eine OP, die häufig Ältere trifft und die künftig vermehrt durchgeführt wird, weil die Kassen seit neuestem Vorsorgeuntersuchungen für das Leiden bezahlen, an dem auch bekannte Persönlichkeiten wie Thomas Mann und Albert Einstein gestorben sein sollen.

So sei bei minimal-invasiven Eingriffen das Risiko, an den Folgen zu sterben, drei Jahre nach der Operation um zwei Prozentpunkte geringer (16,4 Prozent) als bei der offen-chirurgischen Methode (18,4 Prozent), heißt es. Je erfahrener die Operateurin oder der Operateur, desto geringer das Risiko. Es gebe auch große regionale Unterschiede. So seien in Sachsen zwischen 2014 und 2016 fast 86 Prozent der Patienten minimal-invasiv an der Bauchaorta operiert worden, in Niedersachsen waren es 69 Prozent und im Saarland nur 61 Prozent. Eine hochwertige Operation solle aber nicht vom Wohnort abhängen.

Die Kassenforderung daraus: Künftig sollten die Eingriffe nur noch in zertifizierten Gefäßzentren oder Kliniken mit vielen Fällen erfolgen. Eine flächendeckende Versorgung bleibe trotzdem gesichert. 85 Prozent der Bevölkerung müssten nicht weiter als eine dreiviertel Stunde Anfahrt zu einem solchen Zentrum und dieser planbaren Operation in Kauf nehmen.

Daher sollten Mindestmengen festgelegt werden, ab denen Krankenhäuser Vergütungen dafür bekommen, fordert Barmer-Chef Christoph Straub. Wenn Leistungen auf qualifizierte Zentren konzentriert würden, trage das auch dazu bei, dass Pflegekräfte hoffentlich nicht mehr so oft an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen.

Eine solche Unterscheidung zwischen guter und schlechter Behandlung und die Konzentration auf gute Krankenhäuser wäre eine wichtige Aufgabe für den Gesundheitsminister. Vorgänger Hermann Gröhe hatte allerdings schon einmal zu einem Umbau für weniger Häuser und bessere OPs angesetzt. Heraus kam eine Reform, die den Namen nicht verdiente. Lokal- und Landespolitiker fürchten den Unmut der Bürger, wenn Kliniken geschlossen werden. Zudem bedeutet die Schließung oft, dass Fördermittel zurückgezahlt werden müssen, die nicht mehr da sind. Stattdessen sollte Jens Spahn für einfachere Verfahren bei der Schließung und der Umwidmung von Kliniken etwa in Gesundheitszentren für Ältere sorgen. Und er sollte offensiv argumentieren, dass viele OPs eben eher den einzelnen Kliniken helfen, nicht immer in gleichem Maße den Patienten.

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