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Forderung nach 30-Stunden-Woche An Dummheit kaum zu überbieten

Soviel Unsinn haben linke Professoren, Funktionäre und Politiker lange nicht zustande gebracht: Sie fordern eine 30-Stunden-Woche zur Erlangung der Vollbeschäftigung – während die Wirtschaft brummt und die Zahl der Erwerbstätigen auf Rekordhöhe steigt.

In einem offenen Brief fordern Politiker und Forscher eine 30-Stunden-Arbeitswoche Quelle: dpa

„Wir, die Unterzeichnenden dieses offenen Briefes, wenden uns an die RepräsentantInnen der Gewerkschaften, an alle demokratischen Parteien, die SpitzenvertreterInnen der Sozial- und Umweltverbände sowie die Kirchenvorstände in Deutschland mit der dringenden Bitte, dem Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit höchste wirtschaftliche und politische, soziale und humanitäre Priorität einzuräumen. Deutschland und die ganze Europäische Union befinden sich in einer schweren ökonomischen und sozialen Krise. Die Arbeitslosigkeit hat in Europa unerträgliche Größenordnungen erreicht.“

Wo die Europäer am längsten arbeiten
Platz 34: Die Niederlande1379 Stunden pro Jahr und Arbeiter. Die Holländer arbeiten im Schnitt 39.0 Stunden pro Woche. Die Arbeitsproduktivität liegt bei 103,5 (Arbeitsproduktivität je geleisteter Arbeitstunde; prozentuale Veränderung relativ zum Vorjahr, Index 2005 = 100) Im Bild: Das Schiff Carsten Maersk fährt in den Hafen von Rotterdam ein. Alle Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2011, Quellen: Eurostat ( Arbeitszeit pro Woche, Arbeitsproduktivität), sozialpolitik-online.de, oecd.org Quelle: REUTERS
Platz 33: Deutschland Die Arbeitnehmer hierzulande haben 2011 im Schnitt 1413 Stunden gearbeitet. Die Arbeitszeit hat hier stetig abgenommen: 1960 arbeiteten die Arbeitnehmer in West-Deutschland 2163 Stunden im Jahresdurchschnitt, 1991 waren es noch 1545 Stunden. Die Produktivität der Arbeit ist allerdings gestiegen. 2011 lag sie bei 106.9 im Vergleich zum Indexjahr 2005. Die Deutschen haben 2011 im Schnitt 40.7 Stunden pro Woche gearbeitet. Quelle: dapd
Platz 31: FrankreichIm größten Nachbarland Deutschlands arbeiteten die Angestellten 2011 im Schnitt 1476 Stunden und 39,5 Stunden pro Woche. Die Arbeitsproduktivität pro geleistete Arbeitsstunde lag bei 104,1 Indexpunkten. Quelle: REUTERS
Platz 29: IrlandDie Arbeitnehmer haben hier im vergangenen Jahr im Schnitt 1543 Stunden und 38,4 Stunden pro Woche gearbeitet, die Arbeitsproduktivität war mit 117,3 Indexpunkten hoch. Quelle: dapd
Platz 28: BelgienDie belgischen Arbeitnehmer verbrachten im Jahr 2011 durchschnittlich 1577 Stunden und 39,2 Stunden pro Woche bei der Arbeit. Die Produktivität der Arbeit lag 2009 zuletzt bei 100,5 Punkten (geschätzt). Quelle: REUTERS
Platz 27: ÖsterreichDie Arbeitnehmer im Alpenland haben 2011 im Schnitt 1599,7 Stunden und 41,8 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Produktivität lag bei 108,7 Indexpunkten. Quelle: REUTERS
Platz 24: Vereinigtes KönigreichAuf den britischen Inseln haben die Menschen 2011 im Schnitt 1625 Stunden und 42,2 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Arbeitsproduktivität lag bei 102,2 (2009, geschätzt). Quelle: dpa

Mit diesen Worten leiten einige Dutzend Professoren, Funktionäre und Politiker ihre zentrale Forderung ab, die 30-Stunden-Woche einzuführen. Der offene Brief „30-Stunden-Woche fordern! Ohne Arbeitszeitverkürzung nie wieder Vollbeschäftigung!“ wirkt wie ein Relikt aus den alten Zeiten des Klassenkampfes. Schlecht ist dabei allein schon das Timing, zumindest was die Situation in Deutschland betrifft, das Heimatland der Unterzeichner des Briefes. Deutschland strotzt vor Wirtschaftskraft, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat ein Rekordniveau erreicht, die Löhne steigen so stark wie schon lange nicht mehr, die Politik zieht Lohnuntergrenzen ein, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Wirtschaft sucht händeringend nach Arbeitskräften.

Schlimmer geht immer – Wo noch mehr gearbeitet wird!

Rückfall in wirtschaftlich dunkle Zeiten

In diese hervorragende wirtschaftliche Lage ist Deutschland allerdings nicht durch Arbeitszeitverkürzungen gekommen. Von diesem Rezept aus den 70er und 80er Jahren – das mit zur damaligen Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Massenarbeitslosigkeit führte – hat sich Deutschland spätestens seit der Jahrtausendwende verabschiedet. Zum Glück. Denn sonst hätte Deutschland jetzt ein, zwei oder drei Millionen Arbeitslose mehr. Dass die Unterzeichner des offenen Briefes nun wieder einen Rückfall in die wirtschaftlich dunklen Zeiten der Nachkriegszeit verlangen, ist schon bemerkenswert.

In Arbeit
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Zu diesem Unfug passt auch der Ausspruch „Fast vierzig Jahre neoliberaler Kapitalismus sind genug.“ Die meiste Zeit hat in diesen vier Jahrzehnten doch vielmehr eine ausufernde Sozial- und Steuerpolitik die Grenzen der wirtschaftlichen Belastbarkeit dieses Landes ausgetestet. Sowohl die Worte „neoliberal“ als auch „Kapitalismus“ waren geächtet. Wer trotzdem noch von 40 Jahren neoliberalem Kapitalismus spricht, leidet entweder unter einer Wahrnehmungsstörung oder steht nun wirklich extrem links.

In Deutschland mag man – hoffentlich - nach den schlechten Erfahrungen mit extremen Arbeitszeitverkürzungen und positiven Entwicklungen der jüngsten Zeit unverzüglich den offenen Brief im Abfalleimer entsorgen. Schlimmer könnte indes der Effekt dieses Papiers in anderen europäischen Ländern sein, die unter einer schweren Rezession leiden. Einige dieser Länder haben sich noch nicht entschieden, ob sie die Krise mit sozialistischen oder marktwirtschaftlichen Mitteln bekämpfen wollen. Insofern sollte man den offenen Brief der linken Wortführer nicht völlig unterschätzen.

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