Fracking-Experte Uwe Dannwolf "Defekte Bohrungen sind das Hauptproblem"

Die Bundesregierung will Fracking zur Förderung von Schiefergas erlauben - aber vorerst nur zu Probezwecken. Ein Gespräch mit dem Hydrogeologen und Fracking-Experten Uwe Dannwolf.

Die Bundesregierung will im kommenden Jahr einen Fracking-Gesetzesentwurf vorstellen. Quelle: dpa

Im nächsten Jahr soll der Bundestag über das Fracking-Gesetz abstimmen. Die Frage, die sich die Abgeordneten dabei stellen müssen: Wie gefährlich ist das Verfahren wirklich, was wissen die Experten und was wissen sie nicht? Das Problem ist: Zwischen Geologen und Umweltschützern besteht in diesen Fragen keinerlei Konsens.

Den Streit um die Schiefergasförderung aufgeheizt hatte im Sommer ein mehr als 600 Seiten starkes Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA). Darin kam der Studienleiter Uwe Dannwolf zu dem Schluss, dass es keinen Grund für ein Verbot des Verfahrens gebe.

Allerdings forderte die UBA-Leiterin Maria Krautzberger implizit genau das, als sie die Studie vorstellte. Später sekundierte auch die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), dass das Verfahren hochgefährlich sei. Die Aussagen liefen sogar in der Tagesschau.

Daraufhin passierte, was selten passiert, wenn Studien im Auftrag öffentlicher Institutionen gemacht werden: Dannwolf meldete sich im ARD-Magazin Panorama zu Wort und sprach sich gegen Krautzbergers Interpretation seiner Studie aus. Fracking in Schiefergestein sei keineswegs eine Hochrisikotechnologie. Das rief wiederum Kritiker von Dannwolf auf den Plan. Das ARD-Magazin Monitor warf ihm vor, früher für die Öl- und Gasindustrie tätig gewesen zu sein.

Hatte sich das UBA also eine Art Trojanisches Pferd ins Haus geholt und waren die Journalisten von Panorama einem Lobbyisten aufgesessen? Ein Gespräch mit Uwe Dannwolf.

Herr Dannwolf, warum haben Sie öffentlich Ihrem Auftraggeber, dem Umweltbundesamt, widersprochen?

Die Aussage, dass Fracking eine Risikotechnologie sei, lässt unser Gutachten so nicht zu. Wir sind als Studienleitung für die Ergebnisse verantwortlich. Ich kann allerdings nicht für Ergebnisse geradestehen, die wir nicht produziert haben.

Zur Person

Sind Sie selbst an die Medien gegangen?

Die Journalisten von Panorama sind auf uns zugekommen. Sie hatten aber selbst herausgefunden, dass die UBA-Interpretation sich nicht mit unserem Gutachten deckte.

Der Beitrag bei Panorama hatte noch ein Nachspiel. Einige Wochen später unterstellte Ihnen ein Beitrag im ARD-Magazin Monitor, dass sie früher für die Öl- und Gasindustrie gearbeitet hätten. Der Vorwurf: Deshalb würden sie sich auch so positiv über Fracking äußern. Was ist dran an den Vorwürfen?

Meine Mitarbeiter und ich persönlich haben noch nie für die Öl- und Gasindustrie als Auftragnehmer gearbeitet. Das einzige, was ich bei meinen früheren Arbeitgebern für Explorationsfirmen gemacht habe, waren Umweltgutachten zum Beispiel für die Sanierung einer Tankstelle. Wir haben den Monitor-Journalisten sehr ausführlich über jedes Projekt berichtet, das wir mit unserer Beratung RiskCom durchgeführt haben. Da war kein Projekt dabei, das sich mit Erdöl- und Gasförderung beschäftigte. Ich habe in der Vergangenheit zum Beispiel an einer Risikoabschätzung zur CO2-Versenkung für die australische Regierung mitbearbeitet, eine Bewertung für ein Geothermieprojekt in Basel erstellt sowie eine Risikobewertung einer Planung einer Gaspipeline im Nahen Osten durchgeführt. Die Vorwürfe von Monitor entbehren also jeder Grundlage.

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