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Freihandel mit den USA "TTIP entscheidet über Zukunft des Handels"

Von TTIP profitieren nur Großkonzerne, bemängeln Kritiker. Mittelständler Arndt G. Kirchhoff sieht hingegen Chancen auch für kleinere Unternehmen und warnt davor, das Abkommen an Spitzfindigkeiten scheitern zu lassen.

Produkte in die USA zu verschaffen, ist nicht immer einfach: Unterschiedliche Standards und Einfuhrzölle machen Exporteuren das Leben schwer. TTIP könnte das ändern.

TTIP ist bis heute stark umstritten – Sie gehören zu der kleinen Fraktion der Fürsprecher. Mussten Sie sich dafür jemals vor Familie oder Freunden rechtfertigen?

Arndt G. Kirchhoff: Nein, denn sie kennen alle die Vorteile der sozialen Marktwirtschaft und des freien Handels und sehen die Chancen für unser innovationsstarkes und im Export erfolgreiches Land. Sie sehen insbesondere die Chance, dass sich die gemeinsamen Werte, die in Amerika und Europa bezüglich der Menschenrechte, der Meinungsfreiheit und der demokratischen Spielregeln auch in den anderen Teilen der Welt gelten, als Standard durchsetzen.

Zur Person

Warum ist TTIP für den europäischen Mittelstand wichtig?

Bisher können Teile des Mittelstands keine Geschäfte auf dem amerikanischen Markt machen, weil sie den Aufwand, der dafür vonnöten ist, nicht leisten können. Dabei geht es nicht um Zölle – die müssen Unternehmer nur auf ihre Produktionskosten aufschlagen und dann sehen sie, ob sie noch wettbewerbsfähig sind oder nicht.

Es geht um nichttarifäre Hemmnisse: Unterschiedliche Normen, die uns als Automobilzulieferer etwa zwingen, alle Teile zwei Mal zu konstruieren und zu testen – einmal für den europäischen und einmal für den amerikanischen Markt. Die müssen dann auch zwei Mal zugelassen werden. Das können viele Unternehmen nicht leisten.

Die Probleme, die Sie nennen, betreffen vor allem die Metall- und die Elektroindustrie. Glauben Sie, dass auch mittelständische Dienstleister hierzulande von TTIP profitieren?

Von dem Wachstum, das durch angeglichene Standards entsteht, werden auch Dienstleister profitieren – zumindest die industriellen. Der Anteil der Industrie am deutschen BIP beträgt etwa 25 Prozent, industrielle Dienstleister machen noch einmal halb so viel aus. Das sind solche, die unmittelbar abhängig von der Industrie sind. Die profitieren natürlich indirekt.

Was Deutsche und Amerikaner über TTIP denken

Einer ifo-Studie zufolge soll jeder deutsche Haushalt jährlich 545 Euro mehr im Portemonnaie haben. Glauben Sie, dass das Geld, was Sie als Unternehmer einsparen, beim Verbraucher ankommt?

Natürlich führen geringere Kosten durch die Vermeidung von Doppelarbeit am Produkt zu einem wettbewerbsfähigeren Preis.

Sehen Sie als Mittelständler keine Gefahren, die durch TTIP auf Sie zukommen könnten?

Die Kritik an TTIP ist nicht in allen Punkten ungerechtfertigt. Unsere Arbeits- und Sozialnormen, zu denen beispielsweise die Tarifautonomie gehört, haben sich hierzulande über Jahrzehnte bewährt – die wird niemand aufgeben wollen. Dinge wie das Gehalt, das Zusammenspiel von Beruf und Familie oder moderne Arbeitsformen – all das werden wir weiterhin mit den Tarifpartnern aushandeln. Uns hier an die USA anzugleichen wäre für uns ein Rückschritt.

Die Freihandelsabkommen

Inwiefern?

In Amerika gibt es keine Betriebsvertretung, keine Betriebsräte, das würde hier keine Gewerkschaft zulassen – und das ist auch gut so. Ähnliches gilt für den Verbraucherschutz und etwaige andere Standards, die wir als Gesellschaft gemeinsam erarbeitet haben.

Die Amerikaner wollen allerdings genauso wenig unsere Tarifautonomie oder französischen Schimmelkäse.

Es müssen ja auch nicht alle Bereiche des Zusammenlebens vereinheitlicht werden – solche Aspekte sollten aus den Verhandlungen ausgeklammert werden. Bei TTIP geht es darum, die Bereiche zur harmonisieren, bei denen unterschiedliche Normen bis dato für Verbraucher und Produzenten keine Vorteile bringen. Innerhalb der EU lassen wir ja auch kulturelle Unterschiede zu.

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